Zwischenruf: Ohren sind Mist zum Hören

Ohren sind oft hübsch anzuschauen, aber leider zum Hören völlig untauglich

Ohren sind oft hübsch anzuschauen, aber leider zum Hören völlig untauglich



hrm_logo_15x50Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Die eigenen Ohren sind eigentlich Mist, um Musik zu hören. Auch fremde Ohren sind vermutlich nicht besser. Warum? Weil sie alle miteinander mogeln. Ständig.

Das fängt schon am Morgen an: Frisch und ausgeschlafen hören sie – vermutlich von der vielversprechend gurgelnden Kaffeemaschine beflügelt – bereits erstes Stereo, nur weil das Kofferradio in der Küche seinen einzigen Lautsprecher für die Kundgabe der Nachrichten hergibt und damit Schallwellen produziert.

Weiter geht’s nach dem Mittagessen. Hat mit Ohren eigentlich nichts zu tun. Aber dann doch wieder alles. Denn ist der Magen voll, reklamiert er generellen Energiezufluss. Das Hirn läuft auf Halbmast und die Ohren – vergessen Sie’s. Die verarbeiten ein Viertel der eintreffenden Informationen, und das maximal zu einem Drittel. Zu müde. Oder zu satt. Egal. Auf jeden Fall: Nicht für den Hörgenuss geeignet.

Zur Kaffeezeit ist ebenfalls kein Hörgenuss zu erwarten – Nachmittagstief sei dank. Immerhin gibt es dann ja Kaffee. War auch Zeit. Und mit dem einsetzenden Höhenflug der Wahrnehmung lässt sich dann auch Stereo genießen. Falls eine Anlage zur Hand ist. Und das Stück kurz genug. Denn so ein Koffein-Flash am Nachmittag hält selten länger als zwei Minuten. Und dann… – Klangsalat. Grrrr…

Bleibt noch die Hoffnung auf ein paar angenehme Klang-Minuten nach dem Abendessen. Und siehe da: Es klappt ja doch noch. Endlich. In den Sessel gekuschelt gibt es Musik vom feinsten.

Wobei es durchaus sein kann, das das dritte Glas Rotwein bei der Genussfindung behilflich war, allein schon weil es Wahrnehmungs- wie Toleranzschwelle veritabel in Richtung „alles ist gut“ verschob. Gute Nacht, könnte man sagen, aber es geht noch schlimmer:

Das Gemüt mit seiner Gabe, bleiern schwarze Wolken über eine noch so positive Stimmung zu legen, vermag die Wahrnehmungsfähigkeit auf das Niveau einer verschrumpelten Erbse zu schrumpfen. Und dann hört man alles, aber nimmt es nicht wahr. Oder nur in Klangfetzen, die sich auch noch gegenseitig im Weg stehen. Was für ein Drama!

Und als wäre das alles nicht längst schon genug. gibt es auch noch die Nase. Hat mit den Ohren auch nichts zu tun, aber natürlich trotzdem. Weil Ohren und Rachen und Nase und überhaupt das ganze Luftzirkulationssystem des Menschen miteinander verbunden ist. Sie kennen es:

Mit dem Fahrstuhl nach oben sausen bringt Druck auf die Ohren, der sich mit Schlucken mindern lässt. Oder mit Blasen gegen die zugedrückten Nasenflüge, so dass ein Überdruck im Kopf entsteht. Wenn der da wegen der ganzen Akustik-Grübelei nicht eh schon wäre.

Aber selbst das ist nichts gegen eine veritable Erkältung oder eine sympathische Ganzjahres-Allergie. Die sorgen dafür, dass die Nasenschleimhäute anschwellen, was den automatischen Druckausgleich im Ohr-Nase-Hör-Riech-Atem-System grundgemein verhunzt. Und das Resultat?

Filter-Ohren. Also Ohren, die nur die Hälfte mitbekommen. Maximal. Das dann aber – Ausgleich muss sein – übertrieben präsent, vielen Dank. Und gefressen werden die bevorzugt Höhen, und mit ihnen die Transienten, die Obertöne, die Dynamik, der Drive.

Zumindest lässt die Einsicht in die konstante Unzulänglichkeit der eigenen Hörapparatur einen geldsparenden Schluss zu: Es ist nicht die Anlage, es sind nicht die Kabel, es ist nicht der Hörraum und auch nicht der Strom. Kann man alles lassen, wie es ist, wenn es mal wieder nicht klingt.

Wechseln sollte man dann lieber die eigenen Ohren.


Abbildungen: Unsplash / Samuel Dixon



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