Zwischen den Welten: Tim Garland – Weather Walker

Auf Weather Walker verschmilzt Tim Garland clever und gefühlvoll Klassik und Jazz

Auf seinem neuen Album Weather Walker verschmilzt Tim Garland clever und gefühlvoll Klassik und Jazz



hrm_logo_15x50Das wäre wohl passiert, hätten sich Igor Stravinsky und Hans Zimmer zusammen gesetzt, und mit einem Jazzmusiker ein Album konzipiert? Klassische Basis, manchmal charmant schmeichelnd wie Filmmusik, mal rhythmisch und harmonisch fordernd. Und dazwischen: Sopransaxophon. Tenorsaxophon. Bluenotes wie Eisbrecher, die Unruhe in die glatte Oberfläche bringen und glitzernde Reflexionen in die schwimmenden Schollen. Das Album: Weather Walker. Tim Garland wird es am 8. Juni bei Edition Records veröffentlichen.

Der Einmarsch der Musik könnte entschiedener kaum sein: Rhythmisch scharf geschnittene Geigen, mit vollen Händen ausgestreuter Bass, und dann, in einer leisen Passage, das Sopransaxophon – plaudernd, fragend – Rugged Land stellt die Ohren auf für die folgenden elf Stücke, die eine Entdeckungsreise zwischen den Welten sind.

Tim Garland bedient sich auf Weather Walker zweier Genre und vermischt sie wie ein Klang-Alchimist. Er nutzt die freundliche Basis der oft klassisch ausgelegten Streicher, die den Kern colorieren. Und setzt darauf seine teils musikalischen, teils rauen, teils schrillen Soli. Die Spannung, die er so erzeugt, ist beeindruckend, denn sie entsteht aus den offenen Fragen, die der Klang evoziert, und nicht aus Druck-Massagen nach Lehrbuch.

Auch spannend, wie Garland Rhythmik und treibende Stimmung erzeugt, ohne in seiner gut einstündigen Darbietung nennenswert auf Schlagwerk zurück zu greifen. Natürlich gibt es paar kleine perkussive Momente, ein Tamtam für etwas mehr Drama, Gamelan-Gongs als melodische Ergänzung, beides in Gaia’s Clock). Mehr findet sich aber kaum.

Angry Sun lebt zum Beispiel von den gezupften Saiten, den klackenden Geigenbögen, dem pointierten Strich, den Synkopen, dem stetigen Anstieg durch die Tonleitern und Skalen des Sopransaxophons. Dramatik ohne Gerumpel. Wobei es natürlich auch ruhige Passagen gibt – und dazu auch lyrische.

Ein solches Stück ist The Sky Is An Empty Mirror. Ein Wechselspiel von Bass und Violinen, das entfernt an Charles Ives The Unanswered Question erinnert, wobei ein gezupfter Bass hier, eine, dann mehrere herausspringende Geigen dort das harmonische Wechselspiel untergraben. Und das Saxophon? Fehlt. Macht aber nichts.

Garland sieht seine Aufgabe nicht im “HIER BIN ICH!”, das manches Solistenalbum bis zur Ermüdung durchwirkt. Ihr geht es um Stimmung in Klang, wie in High Fell, das ganz gewiss nicht radiokonform ist. Zum Glück. Sein Saxophon fügt sich als weitere Farbe in das Klangbild ein, ergänzt es, kontrastiert, harmonisiert.

Die exquisite Aufnahme mit ihrem offenen Raum und den klar definierten Plätzen für jeden der Musiker tut ein übriges zum Genuss. Dass die Stimme der jeweiligen Instrumente fast wie eine Person spricht und der Hauch des Anblasens, Blättchenschwung und Horn im Verbund das Ohr erfreuen, ist ein weiterer Bonus und spricht für die großartige Abmischung des Albums.

Weather Walker ist das Album eines Musikverliebten und Komposition im besten Sinne – musikalisch, harmonisch, tonal. Und wenn der Klang des Zusammenspiels nicht trügt, selbst menschlich. Hervorragend gemacht in jeder Beziehung. Denn ihm gelingt dabei sogar die Balance, das Genre neu zu fassen, ohne das Genre zu verraten.

Jazz lebt!


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Album-Daten

Titel: Weather Walker
Interpret: Tim Garland
Genre: Jazz
Label: Edition Records
Jahr: 2018
Spielzeit: 57:58 min
AIFF 44,1/16 als CD für 12,50 Euro
FLAC 44/24 als Studio Master für 10,20 Euro
Beides bei Bandcamp




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Albedo Air I
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Technik-Tuning:
Geräte-Tuning: je 1 Albat Manufacturer Test Chip
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
DAC-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: Audio Selection Creaktiv Sound Control Base
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Rack-Tuning: Creaktiv Erdungs-Set ci2p
Lautsprecherkabel-Tuning: inakustik Referenz Cable Base
Lautsprecherkabel-Tuning: Albat LMC Loudspeaker Cable Chips
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev
Stromleisten-Tuning: creaktiv Systems Power-Plug Optimizer Abschlußstecker
An diversen Stellen: biophotone Magic Akasha Sound Chips
Steckerleiste NAS und Router: iFi Audio AC iPurifier

Raum-Tuning:
E-Smog: Kemp Elektronik Schumann Resonanz Plug
Strom: Gigawatt Sicherungs-Automat G-C20A
Strom: Gigawatt Steckdose G-044
Strom: HiFi-Tuning Fremdgeräuschzerstörer & Quantenstecker
Raum: Creaktiv Air Field-Equalizer
Heizkörper: 4 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar
Fenster Hörraum: 2 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar
Spiegel Bad gegenüber Hörraum: 2 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Beyerdynamic Xelento Remote
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildungen: Edition Records


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