…zum Dritten: Caroll Vanwelden – Sings Shakespeare Sonnets 3

Mit Sings Shakespeare Sonnets 3 komplettiert Caroll Vanwelden ihre Tondichtungen zum beliebten Engländer

Mit Sings Shakespeare Sonnets 3 komplettiert Caroll Vanwelden ihre Tondichtungen zum beliebten Engländer



hrm_logo_15x50Auf in Runde drei: Nach den Alben Sings Shakespeare Sonnets und Sings Shakespeare Sonnets 2 hat sich die belgische Pianistin und Sängerin Caroll Vanwelden erneut 16 der englischen Dichtungen geschnappt und Sings Shakespears Sonetts 3 veröffentlicht.

Wir erinnern uns: Das erste Album hatte 16 Männer-Sonette zum Inhalt, es war kräftiger im Spiel, kantiger, ruppiger. Album 2 kam mit Frauen-Sonetten, einer neuen Rhythmus-Gruppe und war vielfältiger, zarter, beschwingter und musikalischer. Und Album 3?

My Mistress Eyes zum Auftakt scheint es zu verraten: Herren. Aber es verrät noch etwas anderes: Sensible Herren. Der Auftakt-Song ist feinfühlig und sanft, mit Besen und gedämpfter Trompete, über denen ein lebendiger Gesang Sehnsucht und Sorge klagt. Der normale Herzens-Wahnsinn, klug in Töne gekleidet. Das lässt hoffen. Und: Zu recht.

Caroll Vanwelden zeigt einmal mehr ihr Geschick, zwischen perlendem Jazz und massenverträglicher Melodik so gut zu balancieren, dass die einen noch gerne hören, was die anderen noch nicht langweilt. Liebe Bar-Jazz-Standard-Lala-Sängerinnen: Hört euch das an. Oder holt euch die gerechte Strafe ab und fallt fabulous vom Flügel.

Wobei, ganz so herr-lich ist das Album nicht. Kann es auch gar nicht sein, wenn die Themenspanne der insgesamt 154 Sonette Shakespeares berücksichtigt sein soll. Und auch, weil dieses dritte Album den Schlusspunkt unter die Dichter-Interpretationen Vanweldens setzen soll.

Damit ist der Themenkanon also deutlich weiter: Vergänglichkeit, Mortalität, Sexualität – vieles spiegelt die Musik wieder. What’s In The Mind beipielsweise ist tonale Nachdenklichkeit, sacht und vorsichtig über gute fünf Minuten ausformuliert.

Schön ist die Dynamikspanne in einigen Stücken, gut zu verfolgen beispielsweise in From The Fairest Creature. Piano und Triangel zum Auftakt, vorsichtig, mit Gesang unschuldig wie ein Kinderlied, dann setzen zupackend Bass und Schlagzeug ein, garniert mit grinsender Sexiness in der Stimme, was wiederum in ein gezogenes Trompetensolo kippt, das zum Auftakt einen Tusch erhält, zurück zur grinsenden Sexiness und – aus. Das sind 3:39 pures Leben, und eine akustische Wohltat dazu.

Das Album ist wiederum sehr toll abgemischt. Kein Ton drängelt in den Vordergrund, der da nicht auch hin soll. Die Instrumente sind wunderbar gegeneinander identifizierbar, auf einer schmalen Club-Bühne, die sich im Hörraum fast schon abmessen lässt.

Die Musik tritt auch nicht so kräftig aus den Schallwandlern, wie seine Vorgänger, sondern ist karger, weniger füllig und weniger satt – Kommunikation zwischen den Alben, eine schöne Idee. Aber auch Shakespeare 3 glänzt mit einer vollkommen authentische Akustik voller Details bis hin zu den Atemgeräuschen Vanweldens, großartig zu hören in Say That You Did Forsake Me, wie auch die Flagolets des Kontrabasses, der das Duo komplettiert.

Beigetragen zu diesem klanglichen Glücksfall hat erneut Bassist Mini Schulz, der That Time Of Year mit herrlich warmen Saitenklängen unterfüttert. Ebenfalls mit von der Partie ist Thomas Siffling, dessen feines Trompetenspiel sich mal perfekt in Vanweldens Gesang integriert und mal ihn umspielend clever mit der Sängerin harmoniert. Dritter im Bunde ist Schlagzeuger Jens Düppe, der sich mit feinem Besenspiel ebenso gut in die Musik integriert wie mit groovenden Rimklicks – zu hören in Alas,’Tis True.

Und Vanwelden? Singt, als gebe es nichts leichteres, als Emotionen spürbar in Töne zu kleiden. Und sie durchzieht das Album hierbei mit einem melancholischen Grundton, der den beiden ersten Alben fehlt. Abschied von den Sings Shakespeare-Fans? Wohl eher den ausgewählten 16 Sonetten geschuldet, die nicht allein das Hohelied der Liebe intonieren, sondern – wie schon erwähnt – ein breiteres Feld beleuchten. Wer es nicht glaubt, mag No Longer Mourn For Me lauschen, dessen gleichförmige Pianoakkorde fast wie eine Totenglocke läuten.

Mit Sings Shakespeares Sonnets 3 kommplettiert Caroll Vanwelden ihre Shakespeare-Triologie in würdiger Weise und schafft es zugleich, den Sonetten und ihrer Musik wiederum einen neuen Blickwinkel und Ton abzugewinnen.

Ein wunderschöner Abschluss. Leider.


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Album-Daten

Titel: Sings Shakespeare Sonnets 3
Interpret: Caroll Vanwelden
Genre: Jazz
Label: Jazznarts Records
Jahr: 2017
Spielzeit: 55:36 min
Format: FLAC 96/24
Preis: 17,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Technik-Tuning:
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Lautsprecherkabel-Tuning: in-akustik Referenz Cable Base
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Beyerdynamic Xelento Remote
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildungen: Jannzarts Records


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