Zeit-Haber: Tomasz Stanko New York Quartet – December Avenue

Mit December Avenue schafft das Tomasz Stanko New York Quartet eine musikalische Zeit-Maschine

Mit December Avenue schafft das Tomasz Stanko New York Quartet eine musikalische Zeit-Maschine



hrm_logo_15x50Als ich das erste Mal ein Album von Tomasz Stanko hörte, war ich überrascht. Es war Ende der 1980-er, es war eine LP und polnischer Jazz war in aller Regel Mangelware. Das ist heute anders. Und Tomasz Stanko auch. Ich höre ihn gerade wieder, sein neues Album. Statt LP ist es ein FLAC-Album in 88,2/2. Und ich bin wieder überrascht. Denn das Album erwartet zweierlei: Aufmerksamkeit. Und Geduld.

Hm. Das ist nicht, was ich gerade habe. Oder haben will. Zumal Geduld. Derzeit eine schlechte Paarung. Aber – Moment!

Dieses erste Stück Cloud ist schon etwas eigenartig. Als wenn Stravinsky und Bartok in einem Jazz-Keller im Village überlegen, welches Genre sie neu erfinden wollen, während sie mit Jazz experimentieren. Das ist zumindest mal ein Ausrufezeichen in Blue Notes.

Ok, ich höre dann doch mal zu. Reuben Rogers Bass-Intro zu Conclusion lässt mir auch keine Wahl. Fein gezupfte zwei Minuten, sauber in den Raum gezeichnet. Mit Details und Bauch. Ein Bass-Kontra zu tieffrequentem Syntehetik-Gegurke, über dem Stankos Trompete munter ihre Läufe fabuliert. Das ein mal ein Duett in nett.

Wenn da stimmt auch David Virelles die ersten Piano-Töne von Blue Cloud an. Für die nächsten knapp neun Minuten ist damit praktisch alles gesagt: Zeit. Nimm dir Zeit. Genieße die Ruhe. Das entspannte Spiel und die Harmonie. Die Einladung ist verlockend und die Belohnung fällt großzügig aus. Vertraut und eine Spur konventionell, aber trotzdem frisch.

Stücke wie dieses machen zugleich deutlich, wie sehr sich die Tontechniker von ECM um die Musik gekümmert haben. Wenn um Minute 6.20 das Bass-Solo den Raum für sich hat und sich leise das Schlagzeug von hinten mit den Besen dazu-wischt, Stanko um kurz nach Minute 7 wieder einsetzt und dann auch die Piano-Töne entspannt mit hineintröpfeln steht jeder Musiker wie mit einem Spot auf seinem Platz beleuchtet.

Die Detailfülle der Klänge ist ebenso beeindruckend wie ihre Dynamik und Authentizität. Die Einspielung lässt Raum für Klang, ein echtes Verdienst. Und sie serviert den Klang als feines Gewebe und delikate Einheit zugleich. Das ist fast schon ein Kunstwerk, gebaut aus 12 Kompositionen, zu haben für eine gute Stunde.

Und ganz nebenbei wird einem wieder einmal bewusst: Tomasz Stankos Spanne bleibt weit. Vom gefälligen, mal eher poppigem, dann wieder elektronischem Album Chameleon, das vor zwei Jahren heraus kam, ist bei December Avenue ganz und gar nichts zu hören. Es folgt eher den Klängen eines Bluish, das schon vor 26 Jahren mit der Zeit mit musikalischen Mitteln ein Gespräch über Entspannung zu führen schien. December Avenue spricht aber noch entspannter. Nimmt sich mehr Zeit für Details. Und wirkt damit noch überzeugender.

Gratulacje!


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Album-Daten

Titel: December Avenue
Interpret: Tomasz Stanko New York Quartet
Genre: Jazz
Label: ECM
Jahr: 2017
Spielzeit: 1.04:16 min
Format: FLAC 88,2/24
Preis: 17,50 Euro
Zu finden bei HighResAudio





Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7



Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: ECM


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