Vorerst: Aus für MQA bei HighResAudio

Messergebnis von Xivero: Der MQA-File (links) hat ab 18.000 Hz ein höheres Rauschen als ein herunter gerechneter Studio Master File

Messergebnis von Xivero: Der MQA-File (links) hat ab 18.000 Hz ein höheres Rauschen als ein herunter gerechneter Studio Master File



hrm_logo_15x50Vor einigen Tagen hat Lothar Kerestedjian einen Facebook-Post gelöscht, in dem er erklärte, warum er MQA aus dem Angebot seines Studio-Master Musicstores HighResAudio (HRA) nimmt. Der viel gelobte Codec ist laut seinem Entwickler Bob Stuart lossless – laut HRA ist er es nicht. Grund genug, mit Lothar ein Gespräch zu führen.



MQA ist lossy

HighResMac: Lothar, was ist der Hintergrund für deine Entscheidung, MQA-Files aus dem Angebot von HighResAudio zu nehmen?

Lothar: Wir haben bei HighResAudio ein klares Konzept: Wir bieten nur natives Highres an. Dieses Kriterium erfüllt MQA nicht.

HighResMac: Nun sagt Bob Stuart aber, MQA sei lossless…

Lothar: Das sagt er, aber es ist nicht ohne weiteres überprüfbar. Denn MQA ist ein proprietäres Format, das von jedem, der es nutzen möchte, lizenziert werden muss. Das betrifft Soft- und Hardware-Hersteller ebenso wie beispielsweise Studios und Label. Doch obwohl jeder Nutzer für den Codec bezahlt, bietet MQA nach wie vor keine Software oder Methoden an, um die Qualität der Files zu überprüfen. Nicht für uns als Dienstleister und auch nicht für den Kunden, um zu überprüfen, ob es wirklich das ist, wofür der Kunde bezahlt hat. Egal ob für Download oder Streaming!

HighResMac: Es gibt keine Analyses-Software, um die Files zu überprüfen, aber du sagst trotzdem, MQA sei lossy – das stand ja auch in dem gelöschten Facebook-Post. Wie kommst du zu dieser Annahme?

Lothar: Um die Qualität von Aufnahmen, die von uns als Studio Master angeboten werden, zu überprüfen, haben wir eine enge Partnerschaft mit Xivero, dem Hersteller von Musicscope. Mit Stephan Hotto haben wir aufwändig MQA-Files untersucht und dabei festgestellt, dass MQA lossy ist. Die Begründung hat Stephan in einem 44-seitigen Papier dargelegt. Hierzu wurden MQA-Files mit den derzeit verfügbaren Technologien analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig.



Das sagt die Analyse:

Tatsächlich liefert das englischsprachige PDF Hypothesis Paper to support a deeper Technical Analysis of MQA (Master Quality Authenticated) by MQA Limited eindeutige Ergebnisse, wobei Stephan Hotto anmerkt, dass grundsätzlich alle Aussagen unter den Rahmenbedingungen gesehen werden müssen, dass es sich um eine proprietäre Lösung handelt und viele Aussagen auf den genannten Quellen wie Patentanmeldungen und Dokumenten des MQA-Marketings basieren.
 
Wichtig ist auch, dass das gesamte Papier referenziert wird, da es einen Gesamtüberblick ermöglicht. Das MQA-Paper kann entweder online gelesen oder als PDF heruntergeladen werden:

Zentrale Punkte der Analyse sind:

  • MQA verwendet die Bezeichnung lossless in dem Sinne, dass die Veränderungen nicht für den Menschen wahrnehmbar sind. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Bit-Tiefe verringert werden kann, da 24Bit Aufnahmen lediglich 20Bit wirkliche Information beinhalten. Die 20Bit werden von MQA weiter reduziert und durch ein spezielles Dithering ersetzt. Im PDF wird näher erklärt, dass sehr gute native High Resolution Aufnahmen einen Signal-Rauschabstand deutlich besser als 20Bit erreichen. Ähnlich zu MP3, AAC usw. sind alle Annahmen, dass unser Gehör bestimmte Dinge nicht wahrnehmen kann, kritisch, da diese meist mit aktuellen Forschungsergebnissen wiederlegt werden
  • Wenn als verlustbehaftet gilt, dass durch ein Bearbeitungsverfahren Daten unwiederbringlich verloren gehen, dann ist MQA ein verlustbehaftetes Audioformat. Hintergrund ist, dass für die Speicherung der Ursprungsdaten laut Patentantrag ca. 17 Bit nonadaptive noise-shaped dithered zur Verfügung stehen, was vermeintlich einen Rauschabstand von 20 Bit ermöglicht. Ein wirkliches 24 Bit High-Resolution Audio File wird definitiv nicht wiederhergestellt. Dies ist natürlich alleine schon durch die Aussage von Bob Stuart bestätigt, der klar sagt, dass selbst der hauseigene Lossless Codec (MLP) nur 37 Prozent Kompressionsrate erzielen kann (PDF Seite 6).
  • MQA verspricht eine Klangverbesserung, indem linear-phase Filter, die Klingeln (Pre-Ringing) verursachen, vermieden werden. Die alternativ verwendeten kurzen non-linear-phase Filter haben jedoch den Nachteil, dass sie eine 192kHz/24Bit Audio-Signal bereits früh bandbegrenzen (4dB bei 40kHz) sowie Phasenfehler verursachen und somit die zeitliche Auflösung gegenüber einer nativen High Resolution Audiodatei deutlich verschlechtern (siehe Kapitel Apodization).
  • Messdiagramme im PDF zeigen einen Vergleich zwischen dem kompatiblen MQA-Baseband und einer echten heruntergerechneten High Resolution Audio Datei (s. Titelbild dieses Interviews). Er macht sichtbar, dass der Noise-Floor angehoben wurde und dass ab 18 kHz ein deutlich erhöhtes Rauschen auftritt. Nach der MQA-Dekodierung wird das Signal-zu-Rausch-Verhältnis (SNR) nicht besser. Falls es sich ab 18kHz um Aliasing-Effekte handelt, können diese während des MQA-Decoding Prozesses zumindest teilweise kompensiert werden.
  • Auch wenn das dekodierte MQA-Signal letztendlich wieder die gleiche Sample-Rate wie das ursprüngliche High-Resolution Audio File hat, wurde durch das Verfahren die Bit-Tiefe und somit der Rauschabstand verschlechtert. Darüber hinaus wird durch die MQA-Kanalfunktion die Bandbreite und daher die temporale Auflösung begrenzt.



Angebots-Aus ist nicht endgültig

HighResMac: Ist das Aus für das Angebot von MQA bei HighResAudio ein grundsätzlicher Entschluss?

Lothar: Ich habe nichts gegen Bob Stuart und den Codec, aber er kann nicht etwas als Highres verkaufen, dass nicht Highres ist, und das ist bei MQA nach aktuellem Wissensstand der Fall. Daher habe ich vorläufig MQA aus dem Angebot genommen, bis der Sachverhalt klar kommuniziert und das Marketing von MQA korrigiert ist. MQA Codes kommen für Streaminganbieter zum Tragen, um Traffic-Kosten zu sparen. Für Downloads macht es wenig Sinn. Alternative Codecs, die Lizenzfrei sind und mit 99,8% der handelsüblichen HiFi-Geräten gestreamt werden können, existieren ja – wie zum Beispiel WAV, FLAC oder auch ALAC.

HighResMac: Also wird MQA dauerhaft aus dem Angebot von HRA genommen?

Lothar: Das habe ich nicht gesagt. Man kann gerne darüber reden, MQA wieder in das Angebot von HRA aufzunehmen, wenn der Codec ehrlich als verlustbehaftet beschrieben wird.

HighResMac: Dann könnte MQA doch einfach Teil des HRA-Angebots bleiben…

Lothar: Theoretisch schon, aber wir können als Händler nicht etwas als verlustfrei verkaufen, das nicht verlustfrei ist. Denn damit würden wir ein Leistungsversprechen an den Kunden nicht einhalten, und das wird juristisch als Betrug gewertet. Kunden könnten dann von uns die Erstattung der Albumpreise verlangen, weil wir die Kommunikation des Herstellers ungeprüft übernommen haben. Nur bezweifele ich, dass uns der Hersteller in solch einem Fall für die entstandenen Verluste entschädigen würde. Am Ende wäre also nur HRA gekniffen, und das hiermit verbundene finanzielle Risiko ist bei unseren Verkaufszahlen viel zu hoch.

HighResMac: Dann müsste MQA nur die Kommunikation ändert, um die Files wieder in das Angebot von HighResAudio mit aufzunehmen?

Lothar: Das MQA die Kommunikation hier ändert, müsste man korrekter Weise sagen. Denn in Whitepapern der Audio Engineering Society AES und der Japan Audio Society JAS ist der Codec bereits als verlustbehaftet beschrieben worden. Alternativ kann uns MQA aber auch die seit Jahren versprochenen Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit Hilfe derer wir überprüfen können, ob ein MQA-Container eventuell doch verlustfrei be- und verarbeitet werden kann. Dann können wir MQA auch anbieten und unseren Kunden weiterhin garantieren, dass sie native Studio Master Qualität erworben haben.

HighResMac: Also klare Kante – egal ob links- oder rechtsherum?

Lothar: Audiophile Menschen sind bereit, für hohe Qualität entsprechendes Geld zu zahlen, aber das macht den HighRes-Markt auch zu einem sensiblen Markt, der ehrlich bedient sein will und muss, denn sonst versauen wir uns alle die Glaubwürdigkeit beim Endkunden. Und die Glaubwürdigkeit von HighResAudio stelle ich nicht auf’s Spiel.


Abbildungen: Xivero



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