Überraschungs-Ei: Master & Dynamic MW60

Nicht schwarz, sondern tiefdunkelblau: Der Master & Dynamic MW60 ist in mehreren Farbvarianten erhältlich

Nicht schwarz, sondern tiefdunkelblau: Der Master & Dynamic MW60 ist in mehreren Farbvarianten erhältlich



hrm_logo_15x50Soso. New Yorker Premium Lifestyle-Marke. Das möchte Master & Dynamic sein, jubelt die PR-Agentur zur Erleuchtung der teutonischen Unwissenden. Auf ihrer US-Website bezeichnen sich die US-Amerikaner deutlich zurückhaltender als Premium Audio Marke. Das trifft es mit Blick auf das Portfolio auch besser. Und aus diesem Portfolio kam vor einer Weile der Edel-Kopfhörer Master & Dynamic MW60 bei mir an. Und dann?


Allgemeines

Der Master & Dynamic MW60 ist ein Over-Ear Kopfhörer, der mit Bluetooth arbeitet, aber auch mittels Kabel betrieben werden kann – hierzu später ein paar ernüchternde Worte. Er stellt das Flaggschiff der aktuellen Produktreihe drahtloser Kopfhörer Made in NY/USA dar und ist für unverbindliche 499 Euro zu haben. Was es gibt für das Geld?


Qualität und Ausstattung

Der Master & Dynamic MW60 kommt in einer soliden Box, was als Begrüßung schon mal einen guten Eindruck macht. In der Box findet sich der Kopfhörer, dazu ein USB- und ein 3,5 mm Stereo-Klinkenkabel in einer runden lederummantelten Schachtel, und – wenn man die Abdeckung anhebt – eine Bedienungsanleitung und ein Täschchen. Das Täschchen ist eine nette, aber halbherzige Idee. Denn: Der MW60 ist ein echtes Schwergewicht.

Leder, Edelstahl und Alu in amerikanischer Gründlich- wie Großzügigkeit sorgen für 348 kabellose Gramm Produkt auf Kopf und Ohren. Das ist viel. Zum Vergleich: Ein Beyerdynamic DT880 bringt inklusive schwerem Spiralkabel 386 Gramm auf die Waage, der Bowers Wilkins P7 wiegt mit Kabel 296 Gramm und der Koss ESP 750 kommt mit Kabel auf 286 Gramm.



Edelstahl, Leder – der Master & Dynamic MW60 glänzt mit edlen Materialien und sorgfältiger Verarbeitung

Edelstahl, Leder – der Master & Dynamic MW60 glänzt mit edlen Materialien und sorgfältiger Verarbeitung



Nun könnte man ja sagen: Batterie on Board, Elektronik und Bedienelemente ebenso – das hat schon seinen Grund und klingt dafür ja auch ganz klasse. Nur ist das mitunter so eine Sache mit dem Klang. Und dass Elektro-Komponenten das Gewicht nicht zwingend massiv hoch treiben, zeigt eindrucksvoll der Bowers & Wilkins P7 Wireless, der mit Bluetooth 323 Gramm wiegt – und fantastisch sitzt und klingt.


Klang

Ist der Master & Dynamic MW60 geladen und im üblichen Verfahren mit einem Endgerät gepairt – wobei er dank Multipoint tatsächlich mit zwei Geräten verbunden werden darf – kann Klang an die Ohren. Als erstes wählen wir Bluetooth und das iPhone, bestückt mit 44,1 kHz 16 Bit WAV-Files, später die selbe Playlist noch einmal vom MacBook mit Audirvana und – wo verfügbar – hochauflösenden Studio Master Files.

Brooke Sharkeys Your Tomorrow vom Album Wandering Heart darf den Auftakt machen: Klare Stimme, warm und detailreich, dazu authentische akustische Instrumente, eine gute räumliche Staffelung – das hat schon was, zumal Sharkey mit ihrer Stimme allerhand Kleinigkeiten anstellt, die nur gute Kopfhörer transparent übermitteln. Und die MW60 können das recht gut.

Weil auch sie viel mit Details und verwobenen Strukturen arbeitet, darf Louka von Ihrem Album Lametta das toll getextete Dominosteine in den Ring werfen, denn neben den Details hat es noch etwas: Tiefe und füllig ausschwingende Bässe. Und auch bei denen schlägt sich der MW60 ordentlich und füttert die trägen Wellen nicht zu dick an. Sehr schön.



Sitzt nicht nur auf dem Kopfhörer-Stativ gut: Der Master & Dynamic MW60 trägt sich recht angenehm

Sitzt nicht nur auf dem Kopfhörer-Stativ gut: Der Master & Dynamic MW60 trägt sich recht angenehm



Wie es mit Impulsschnelligkeit ausschaut, darf dem Kopfhörer Michael Romeo mit Oblivion von seinem kürzlich vorgestellten Album War Of The Worlds, Pt.1 entlocken. Auch diesen Test besteht der Master & Dynamic MW60 sehr gut. Die Double-Bass, die meist parallel zu den Gitarren-Riffs läuft, pumpt sich überzeugend druckvoll durch die 5:07 des Stückes. Und auch der Rest kommt herrlich hardrockig ans Gehör.

Fehlt noch etwas Klassisches: Denn alles Fleisch, es ist wie Gras. Der zweite Satz aus Brahms Requiem verbindet in der Einspielung des London Symphony Orchestras und des London Symphony Choirs unter Valery Gergiev die Klangquellen Chor und Orchester zu einer sehr dynamischen und anspruchsvollen Akustik-Melange, die bei manchen Wiedergabe-Gerät spontanen Widerstand hervorruft – zu viel für die guten Seelen. Und der MW60?

Zuckt mit der Schulter (bildlich gesprochen) und liefert ordentlich ab. Klare Stimmen ohne giftige Spitzen, warme Streicher ohne Matsch, füllige Orchesterpartien mit Transparenz, klar gestaffelte Bühne und wohlsortierter Raum. Das überzeugt. Aber es fehlt noch etwas:


Kabel-Klang

Die Pressemeldung hatte ja versprochen, der Master & Dynamic MW60 könne auch verwendet werden, wenn nach 16 Stunden der Akku schlapp macht. Und zwar über das mitgelieferte Hochleistungs-Gewebekabel (sic!). Ehrlich?

Die Crux der meisten BT-Hörer ist schließlich, dass sie sich auf die Fähigkeiten ihres DSPs verlassen, des digitalen Sound-Prozessors, der die Klang-Bits & -Bytes in Musik verwandelt (und dabei oft genug herum-mogelt). Dass es anders geht, hat der Bowers Wilkins P7 Wireless bewiesen, der mit Kabel nicht ganz so fett wie mittels Bluetooth klingt, aber in jeder Anschluss-Variante überzeugt. Der MW60 hat hier ein überraschend massives Problem. Wie sich das anhört?

Über Kabel angeschlossen platziert der Kopfhörer aus den Staaten den Sänger so zentral und vorgelagert in den Kopf und seine virtuelle Bühne, wie ich es noch nie gehört habe und gerne öfter hören würde. Das allerdings mit einem sauber austarierten Frequenzspektrum. Von dem ist der MW60 aber meilenweit entfernt.

Der Bass brummelt im Tiefbass herum und lässt in Richtung Mittel allerhand Lücken und Unschärfen, der Diskant findet gleichfalls nur in ausgewählten Frequenzen statt, so dass in Summe die Musik gewaltig mittenschwanger ist – und damit komplett unausgewogen. „Liegt am iPhone“, dachte ich zuerst und wechselte zum Verstärker. Nope, auch hier ein komischer Klangbrei. Nächster Halt: der DAC. Da dessen Kopfhörer-Verstärker kühl-neutral vor sich hin werkelt, verschiebt er den Klang vielleicht in die richtige Richtung. Doch auch hier: Fehlanzeige in jeder möglichen Einstellung. Das lässt nur einen Schluss zu:

Mit Kabel ist der Master & Dynamic MW60 ein Fehlgriff. Das Was-auch-immer-für-ein Hochleistungs-Gewebekabel mit in die Kiste zu legen ist so nett wie nutzlos. Der Kopfhörer klingt mit Kupfer als Lieferant von Klangimpulsen schlicht miserabel, tolle Positionierung der Sänger hin oder her. Das Extra im Lieferumfang ist nur ein drahtiges Feigenblatt ohne echten Nutzen. Der MW60 braucht eindeutig BT und seinen DSP, sonst macht er aus jeder akustischen Blumenwiese eine verschrumpelte Gurke.


Fazit

Der Master & Dynamic MW60 ist ein toller Kopfhörer – wenn man weiß, was man mit ihm besser nicht macht. Er ist eindeutig ein Bluetooth-Kopfhörer, Kabelbetrieb ist Unfug. Mit Funk und hochwertiger Ware versorgt, liefert er dagegen überzeugend ab. Ob einem der Akustik-Spaß allerdings rund 500 Euro wert ist, sollte wohl überlegt sein, denn der Kopfhörer ist sehr schwer. Sensible Köpfchen werden das nicht goutieren, selbst wenn die Ohren jubilieren. Daher ist ein Probetragen definitiv angeraten. Wenn das gut geht und die Ohren weiterhin jubeln – dann sollten Sie zugreifen.


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Produkt-Daten

Produkt: Bluetooth-Kopfhörer
Hersteller: Master & Dynamic
Modell: MW60
Besonderheit: hochwertige Materialien
Gewicht: 348 Gramm (o. Kabel)
Preis: 499,00 Euro
Hersteller-Website: Master & Dynamic




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Albedo Air I

Technik-Tuning:
Geräte-Tuning: je 1 Albat Manufacturer Test Chip
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
DAC-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: Audio Selection Creaktiv Sound Control Base
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Rack-Tuning: Creaktiv Erdungs-Set ci2p
Lautsprecherkabel-Tuning: inakustik Referenz Cable Base
Lautsprecherkabel-Tuning: Albat LMC Loudspeaker Cable Chips
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev
Stromleisten-Tuning: creaktiv Systems Power-Plug Optimizer Abschlußstecker
An diversen Stellen: biophotone Magic Akasha Sound Chips
Steckerleiste NAS und Router: iFi Audio AC iPurifier

Raum-Tuning:
E-Smog: Kemp Elektronik Schumann Resonanz Plug
Strom: Gigawatt Sicherungs-Automat G-C20A
Strom: Gigawatt Steckdose G-044
Strom: HiFi-Tuning Fremdgeräuschzerstörer & Quantenstecker
Raum: Creaktiv Air Field-Equalizer
Heizkörper: 4 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar
Fenster Hörraum: 2 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar
Spiegel Bad gegenüber Hörraum: 2 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: HighResMac/Tom Semmler

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