Über Detailfülle und audiophile Fledermäuse

Wo ist er denn jetzt genau, der perfekte Partitur-Analyse- und Transienten-Hör-Platz? – Foto: Radek Grzybowski/Unsplash.com

Wo ist er denn jetzt genau, der perfekte Partitur-Analyse- und Transienten-Feinhör-Platz?
Foto: Radek Grzybowski/Unsplash.com



hrm_logo_15x50Streben Sie auch nach dem ultimativen audiophilen Glück? Nach Transparenz, Räumlichkeit, Authentizität und Detailfülle wie im Live-Konzert? Mit Transienten und Nachschwingen und livehaftigem Hörgefühl?

Wenn ich solche Sachen lese (und manchmal beinahe schon schreibe), frage ich mich, ob da nicht was falsch läuft. Zumal bei dem livehaftigen Konzertgefühl mit ultimativer Detailfülle und unnachahmlichen Transienten-Regen.

Waren Sie schon mal in einem Livekonzert? Einer Oper mit Streichern aus den tiefen des Orchestergrabens? Haben Sie auch schon einem Klavierkonzert aus Reihe 10 gelauscht? Oder aus Reihe 23? Und wie war das letzte Live-Erlebnis bei Rock am Ring? Und wie das mitten im Stimmengemurmel in der Jazz-Kneipe Ihres Vertrauens?

Mich haben bei solchen Ereignissen fantastische Schallwellen überrollt, das kam schon mal vor. Aber Detailfülle oder gar Transienten? Das gab es nur in anderen Momenten: Wenn ich selber auf der Bühne stand.

Aber selbst da sind die Aha-Momente selten: Den crispen Attack des Trommelstocks auf dem Fell der Snare nachzuspüren ist ein sinnloses Unterfangen, wenn Bass, zwei Gitarren und der Gesang zeitgleich ihr bestes geben.

Und die feinen Nuancen der Chorstimmen zu entdecken war selbst dann nicht möglich, als ich mitten in ihm stand, platziert im Bass direkt neben den Tenören. Zu viele Schallereignisse parallel für die ultimative Feinsichtung während Bachs Weihnachtsoratorium, natürlich mit Orchester und Hall von den Wänden des Kirchenschiffs.

Was also suchen die audiophilen Connoisseure da genau? Die eierlegende Wollmilchsau der reproduzierten Akustik? Es schaut fast so aus.

Und was bedeutet das für den audiophilen Genießer? Vermutlich zweierlei:

  1. Für Detailfülle die Kopfhörer aufsetzen.
  2. Und für Musikgenuss einfach mal die Musik genießen und die tiefenanalytischen Anwandlungen in die Garage sperren, damit ihr gelegentliches Klopfen nicht stört.

Aber dann folgt ultimativ die Frage: Wozu gebe ich denn zigtausende von Euro aus, wenn ich dann nur Musik hören soll?

Ach, würde unschuldiger Spaß an der Musik doch schon eine Belohnung sein…


Abbildungen: Unsplash/Radek Grzybowski



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