Triaspora: Christian Scott aTunde Adjuah’s Centennial Triology

Drei Alben, eine Idee: Christian Scott aTunde Adjuah - Centennial Triology

Drei Alben, eine Idee: Christian Scott aTunde Adjuah – Centennial Triology



hrm_logo_15x50Angefangen hat er im März. Da veröffentlichte der US-amerikanische Trompeter Christian Scott aTunde Adjuah mit dem Album Ruler Rebel den ersten Teil seiner Centennial Triology. Im Juli folgte Diaspora. Und jetzt ist auch The Emancipation Procrastination auf dem Markt. Ein Album-Triple. Der Zweck der Operation?

Verbindung schaffen bereits die Cover der drei Alben: Rot gefärbte Low-Key Aufnahmen mit Scott aTunde Adjuah im Halbportrait, mit nacktem Oberkörper und Trompete in der Hand, mit einer Reihe Halsketten und zusammengeführten Händen, mit zwei Trompeten über Kreuz vor dem Gesicht. Soweit, so sexy-rockig-jazzylike. Und die Musik?

Mit der Centennial Triology will Scott aTunde Adjuah auf die 100-jährige Geschichte der Jazz-Aufnahmen verweisen und in den drei Alben die Phasen repräsentieren: Anfang, Entwicklung, Ausblick. Soweit, so theoretisch.

Denn wer nun erwartet, eine Art Lesung angestaubter Notenblätter in historisch passender Aufnahmetechnik goutiert zu bekommen, irrt gewaltig. Es ist eher so, als balgen sich Electro, Trip-Hop und Jazz um die Oberhand. Ausblick von Beginn an und über die drei Alben hinweg, quasi, mit einem Echo von Miles Davis im Ohr.

Die Alben sind aber kein Fortsetzungs-Roman, sondern unterscheiden sich in vielfacher Hinsicht. Schon die Lauflängen sind deutlich verschieden: Ruler Rebel hat mit seinen acht Titeln schon nach knapp 36 Minuten ausgespielt. Diaspora breitet seine elf Songs über etwas mehr als 49 Minuten aus. Und The Emancipation Procrastination lässt den Zuhörer 64 Minuten lang seine 12 Stücke entdecken.



Ruler Rebel - Album #1 der Triologie

Ruler Rebel – Album #1 der Triologie

Und die drei Alben der Centennial Triology haben ganz unterschiedliche Stimmungen.

Ruler Rebel wirkt reduziert, kühl und harsch, dabei rhythmisch, mit Elektronik-Beats als Basis und teilweise weit ausgeloteten Frequenzbändern, gerade im Tiefbass – hier legen fraglos Hip-Hop und Dance das Fundament für den Jazz.

Die Trompete, oft mit Dämpfer bestückt und mit Hall unterlegt, wirkt sphärisch, filigran, fast zerbrechlich, wären da nicht diese langen, spitzen Momente, die wie ein Aufschrei aus den Boxen jagen.



Diaspora- Album #2 der Triologie

Diaspora – Album #2 der Triologie

Diaspora tritt wärmer und herzlicher an. Die Musik bewegt sich deutlich optimistischer durch den Äther, auch wenn der elektronische Trommler ebenso geblieben ist wie manch anderer Elektro-Effekt:

Zum Beispiel die Rhythmusgruppe, die bei IDK leicht übersteuert vor sich hinknistert, wie später das Piano bei Bea.

Im Kontrast sind bei Our Lady Of New Orleans die Tasten wie das Schlagwerk kräftig bedämpft – in fast jedem Lied wartet ein Bruch der akustischen Harmonie. Nie wird es zu kuschelig. Das schafft eine stets präsente Restspannung, die sich wie den Zuhörer durch das Album zieht.



The Emancipation Procrastination - Album #3 der Triologie

The Emancipation Procrastination – Album #3 der Triologie

Und The Emancipation Procrastination? Ist keinesfalls dem Müßiggang ergeben. Der Titelsong startet wie ein historischer Rückblick auf Elektro-Dope und könnte das Remake einer US-Serie aus den 70-ern begleiten. Michele With One L greift die Rhythmik von Desire And The Burning Girl aus dem Album Diaspora wieder auf, legt aber eine gewandelte Melodik über alles. Ruler Rebel spielt in neuem Arrangement.

Vieles auf dem dritten Album ist explizite Integration. Sei es von Stücken, die in den voran gegangenen zwei Alben auftauchten. Sei es von epoche-typischen Instrumentierungen, die Scott aTunde Adjuah aufgreift und mit modernen musikalischen wie thematischen Mitteln bricht. Und das sich dabei Zeit lässt.

Zeit, um zu hören. Zeit, um zu grooven. Zeit, um den Schritt nach vorne zu machen, zum Beispiel bei Ashes Of Our Forever durch den forschen Rhythmus, gepaart mit jazz-untypischer Harmonie (nicht Harmonik) und der säuselnden Trompete. Zum Beispiel bei The Cypher, das ein bisschen Trance in den Jazz trägt, während die Bass-Harmonien eher an eine Ballade aus dem Pop erinnern. Wie gesagt, Integration.

Ob die Centennial Triology tatsächlich der wegweisende Geschichtenerzähler ist, wie die begleitenden PR-Texte erklären, sei dahingestellt und bleibe dem Urteil des jeweiligen Hörers überlassen.

Dass die Centennial Triology ein spannendes und durchaus Inspirierendes Jazz-Projekt von Scott aTunde Adjuah ist, steht dagegen außer Frage. Dieser Musiker bleibt spannend.


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Album-Daten

Titel: Centennial Triology (Ruler Rebel, Diaspora, The Emancipation Of Procrastination)
Interpret: Christian Scott aTunde Adjuah
Genre: Jazz
Label: ropeadope
Jahr: 2017
Spielzeit: 2.29:03 min (zusammen)
Format: AIFF 44,1/16 (Review: WAV 88,2/24)
Preis: je 12,00 Euro
Zu finden bei Bandcamp




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Technik-Tuning:
Geräte-Tuning: je 1 Albat Manufacturer Test Chip
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Lautsprecherkabel-Tuning: inakustik Referenz Cable Base
Lautsprecherkabel-Tuning: Albat LMC Loudspeaker Cable Chips
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev

Raum-Tuning:
E-Smog: Kemp Elektronik Schumann Resonanz Plug
Strom: Gigawatt Sicherungs-Automat G-C20A
Strom: Gigawatt Steckdose G-044

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Beyerdynamic Xelento Remote
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildungen: ropadope


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