Tidal streamen: Browser, Amarra for Tidal oder Audirvana Plus 2?

Die Qual der Wahl: Um Tidal zu streamen, kann ein Browser genügen, aber auch Audirvana Plus2 und Amarra for Tidal stehen parat, nur... - was klingt besser?

Die Qual der Wahl: Um Tidal zu streamen, kann ein Browser genügen, aber auch Audirvana Plus2 und Amarra for Tidal stehen parat, nur… – was klingt besser?



hrm_logo_15x50Musik zu streamen, kann interessant sein: Nicht ständig Alben kaufen müssen, kurzlebige Hits für kurzweilige Minuten aufrufen – wäre da nicht die meist mäßige Qualität. Anders bei Tidal: Der Dienst streamt in CD-Qualität, zumindest mit Google Chrome oder mit HighRes-Playern. Zwei von ihnen binden Tidal direkt ein: Audirvana Plus 2 und Amarra for Tidal. Doch was ist besser? Browser, Amarra oder Audirvana?

Streaming für die Tonne

Streaming-Dienste sind en vogue – zumindest bei vielen, bei denen nicht die ganze Zeit YouTube Videos laufen. Amazon verpackt die Bit-Beschallung mit Porto, Verpackung, Expresslieferung und TV-Abo in seinem all-inclusive Paket Amazon Prime, Apple bietet mit iTunes Musik aus der Datenkonserve über seinen Player auf jegliche Apple-Geräte und jedes andere Gerät, das die iTunes-Software einsetzt – passendes Abo vorausgesetzt. Dazu gibt es noch diverse weitere Anbieter. Blöd ist nur, dass iTunes & Co bei ihrer Datenverschiffung meist gerade mal auf die Qualität von 320 kHz MP3 kommen – wenn sie großzügig sind. Das ist Streaming für die Tonne.



Tidal goes High-Res

Einige Dienste sind da anders, unter anderem Tidal: Der Dienst des schwedischen Anbieters Aspiro bietet Streaming in einer Reihe verschiedener Formate an – darunter auch 44,1 kHz/16 Bit Flac. Das ist CD-Qualität als Datentröpfchen. Im Browser ist diese Qualität allerdings nur mit Google Chrome zu haben. Mehr Klanggüte versprechen zwei High-Res Player, die Tidal einbinden: Amarra for Tidal und alternativ Audirvana Plus 2. Nun sind sowohl Audirvana als auch Amarra keine unbekannten Größen im High-Res Markt und da stellt sich natürlich die Frage: Welcher darf’s denn sein? Oder reicht doch schon der Browser?



Tidal mit Google Chrome

Los geht's: In Google Chrome startet Tidal mit einem kleine On-Screen-Tutorial

Los geht’s: In Google Chrome startet Tidal mit einem kleine On-Screen-Tutorial



Um zu klären, wie sich Tidal ohne spezielles Audio-Add-on macht, laden wir zuerst den Streaming-Dienst in den Browser, der auch HiFi-Wiedergabe ermöglicht, nämlich Google Chrome. Für das Maximum an Chancengleichheit wird der DAC in den Systemeinstellungen des Mac ausgewählt. Alles weitere muss Chrome selber leisten.

Sobald die Domain von Tidal eingegeben ist folgt der Log-in. Anschließend führt Tidal durch’s Programm, soll heißen, der Streamingdienst stellt in acht Schritten seine Funktionen vor, damit es gleich munter los gehen kann. Gesagt, getan: Den ersten Suchbegriff eingegeben und – schwupp – ist die Auswahl zu Biffy Clyro da. Wolves of Winter angeklickt und das gesamte Album erscheint im Hauptbereich des Fensters. Drücken wir also Play:

Nach dem wuseligen Intro folgt der brachiale Einsatz, und alles passt: Der Bass drückt aus den Boxen, die Gitarren schaufeln aggressiv und bissig ihre Mitten und Höhen in den Raum, der Gesang thront über allem – oder besser davor, denn die Bühne ist sehr aufgeräumt. In Summe schon mal ordentlich für reines Systemaudio. Auch 30’000 Days von Yello kommt sehr brauchbar rüber. Ausgewogenes Klangbild, tiefe Bässe, präzise Höhen, ein warmer Mittenreigen, dazu authentischer Gesang – Ohrenglück, was willst du mehr? Vielleicht etwas mehr Gewissheit zum Thema Präzision? Dann versuchen wir es doch mit Klassik: Karajan nebst Wiener Philharmonikern dürfen Mars aus The Planets von Gustav Holst intonieren. Das tun sie bekanntlich etwas höhenverliebt, aber akustisch brauchbar. Die Trennung der Instrumente ist ordentlich, die Bühne ausreichend weit und tief, das Orchester lässt sich sauber orten und für die Hand des Tonmeisters kann Tidal nun mal nichts.

Der erste Test auf freiem Feld zeigt, dass Tidal ordentliche Basisdaten liefert. Nun schauen wir, was die Player daraus machen:



Amarra for Tidal

Gewöhnungsbedürftig: Die Oberfläche von Amarra for Tidal geht ihren eigenen Weg und bietet manche Überraschung

Gewöhnungsbedürftig: Die Oberfläche von Amarra for Tidal geht ihren eigenen Weg und bietet manche Überraschung



Amarra geht den American Way of Business: Gib mit 49,99 USD und du kannst Tidal über Amarra streamen. Das ist eine Überlegung wert, denn schließlich ist der Klang von Amarra nicht das schlechteste, was die High-Res-Welt für den Mac zu bieten hat.

Geladen und installiert, erfragt Amarra for Tidal zuerst den Freischaltcode sowie Passwort und E-Mail, vermutlich für den Tidal-Account. Ist alles eingetragen, startet das Programm selbst – und bittet, noch User-Namen und Passwort für Tidal einzutragen. Aha?

Also flugs in die Voreinstellungen gesprungen. Hier lässt sich die Ausgabequelle wählen, ebenso die Ausgabesprache, für die neben Englisch auch Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch zur Wahl stehen. Die Zugangsdaten für Tidal werden hier ebenso eingegeben wie die Puffergröße für den Player und der Cache für die Stücke und Cover-Bilder, wobei die Bilder eine Speichermenge und die Titel eine absolute Zahl zugewiesen bekommen. Das ist ungewöhnlich.

Umfangreich und mit Equalizer: Die Voreinstellungen von Amarra for tidal

Umfangreich und mit Equalizer: Die Voreinstellungen von Amarra for tidal

Die Oberfläche von Amarra for Tidal ist gleichfalls interessant und jenseits der Üblichkeiten sortiert: Es gibt jeweils eine Zeile für Playlisten, Künstler, Alben und Titel, die fünf bis sieben Bilder zeigen und sich jeweils nach rechts und links scrollen lassen. Wobei die Leiste für Titel auf dem MacBook nicht zu erreichen war: Das Hauptfenster ließ sich nicht nach unten scrollen.

Wenn Amarra for Tidal das erste Mal startet, steigt die Prozessorlast auf über 80 Prozent Die Software katalogisierte was auch immer – auf dem Mac selbst gibt es keine Streaming-Dateien und welche Vorlieben der Nutzer bei Tidal offenbart, zeigt ja erst die Zeit. Das Prozedere wiederholt sich bei jedem Neustart und jeder Suche, allerdings in abgeschwächter Variante: Amarra for Tidal lädt sich Daten des Streamingdienstes, um die jeweiligen Leisten zu aktualisieren.

Ein weiterer Drawback ist, dass Amarra for Tidal solange nichts abspielt, bis die jeweilige Suche vollständig beendet ist. Das bedeutet, dass erst die Playlists, die Alben, die Interpreten und die Tracks fertig durchforstet sein müssen, bevor die Möglichkeit besteht, ein Album zu aktivieren – auch wenn es gleich als erstes angezeigt wird. Wer dann auf dem Album das Info-Icon anklickt und denkt, er könne aus der Tracklist einen Titel durch Doppelklick starten, irrt. Nur Copy und Paste sind möglich, nutzen aber nichts. Um das Lied zu starten, muss da Album aktiviert und anschließend in der Wiedergabeleiste bis zum gewünschten Lied weiter geklickt werden. Diese Interpretation von User Experience ist bei einem Preis von knapp 50 USD unangemessen.

Immerhin könnte Amarra for Tidal seine Optionen für Verbesserungen mit gutem Klang wettmachen. Also Tracklist ausgewählt und Play gedrückt: Biffy Clyros Wolves of Winter stürmen nach dem Intro erfreulich kräftig aus der Box, das Raubtier-Rudel wirkt entschlossen und druckvoll. Die Frequenzen sind fair verteilt und wirken nirgends unterversorgt oder überbetont. Das Klangbild ist aufgeräumt und transparent, trotzdem fehlt das letzte Quäntchen Schärfe. In der Fotografie würde man wohl von einem leichten Weichzeichner sprechen, allerdings von einem sehr leichten, zarten weich. Auch 30’000 Days von Yellos neuem Album Toy ist mit solidem Bassboden ausgestattet und liefert detailgezeichnete Mitten und Höhen nebst sehr präsentem Dieter Meier, der seinen brummigen Bass perfekt in den Raum plaudert.

Die Natürlichkeit der akustischen Instrumente bei Ben Williams Toy Soldier wirkt dagegen wattig und unausgereift, während die Halbakustik im Mittenbereich zu sehr plärrt. Noch krasser endet der Spaß bei Karajan’s Aufnahme von Mars, dem Eingangsstück der Komposition The Planets von Gustav Holst. Die Geigen kreischen im Diskant zu schrill, die Hörner rotzen ruppig und überlaut die Mitten dicht und der Bass – tja, wo ist er denn? Zugegeben, die Aufnahme ist nicht die optimale Wahl. Und Amarra for Tidal bietet einen Equalizer und die Möglichkeit, mit iRC den Hörraum einzumessen, um die Wiedergabe-Qualität zu verbessern. Aber muss das ernsthaft sein, wenn die Quelle gutes Basismaterial liefert?

Amarra for Tidal ist daher nur bedingt ein Gewinn: Das Bedienkonzept eher kraus, die Wartezeit bis zur Wiedergabe lästig und der Basis-Klang primär auf Pop und Rock ausgelegt. Dazu als separates Programm separat zu bezahlen, auch wenn Amarra HiFi oder ein anderer Player des Hauses schon auf dem Mac residieren – so sieht kein gelungenes Paket aus, zumal Google Chrome klanglich und beim Komfort die bessere Performance liefert, und das für Zero Euro.



Audirvana Plus 2 mit Tidal

Keine Experimente: Audirvana Plus 2 bettet Tidal einfach in das bekannte Bedienkonzept ein und gönnt dem Stream die gewohnte Klanggüte

Keine Experimente: Audirvana Plus 2 bettet Tidal einfach in das bekannte Bedienkonzept ein und gönnt dem Stream die gewohnte Klanggüte



Wer 59 Euro für Audirvana Plus 2 ausgibt und die Software lizenziert hat, bekommt automatisch drei Zugänge zu Streaming-Diensten mit ins Einkaufskörbchen: VirtualVault, den Streaming-Service von HighResAudio, der jedes dort gekaufte Album als Datenstrom im jeweiligen Konto hinterlegt, dazu qobuz, die 320 kHz MP3, CD- und Hi-Res-Flac streamen, und Tidal mit AAC 96 kHz, AAC 320 kHz und FLAC in CD-Qualität mit 44,1 kbps.

Vor dem Streaming-Glück steht das Log-in. Das erfolgt bei Audirvana in den Einstellungen unter dem ganz rechten Reiter Streaming. Hier werden qobuz, Tidal und Highresaudio angeboten. Ein Klick auf die Schaltfläche Get it now öffnet ein Log-in-Fenster für die Tidal: User-Name und Passwort eintragen, schon ist die Bibliothek verfügbar.

Auswahl an Bord: Neben Tidal kann Audirvana Plus 2 auch Streams von qobuz und HighResAudio wiedergeben.

Auswahl an Bord: Neben Tidal kann Audirvana Plus 2 auch Streams von qobuz und HighResAudio wiedergeben.

Begrüßt wird der Ohrenfreund mit einem aufgeräumten Bildschirm. Er beschränkt sich grundsätzlich auf die Neuheiten, die nebenbei zeigen, wie fix es neue Alben gibt – meist einmal wöchentlich, wie im Kino Donnerstags. Dazu gibt es als weitere Auswahl-Optionen in der Seitenleiste die Kategorien Tidal-Rising, Tidal Discovery, Playlisten, Genre und Meine Musik. Im Hautpfenster stehen dann jeweils Playlisten, Alben und Tracks zur Sortierung parat. Dazu gibt es rechts eine Suche. Wer später bei einer Albumbeschreibung auf einen Künstlernamen oder einen anderen Link klickt, findet anschließend in der linken Seitenleiste seinen weiteren Punkt namens Browse – er ist prima, um Zusatzinformatonen zu Künstlern und Alben zu bekommen.

Und wie klingt es nun? Über die Klanggüte von Audirvana ist bereits an anderer Stelle einiges gesagt worden. Und das gilt auch im Streaming-Fall: Audirvana liefert ein sehr klares, aufgeräumtes Klangbild. Es fehlt weder an Brillanz, noch an akustischem Tiefgang. Einmal angeklickt, sind Rock wie Barock gleichermaßen in ihrem Element. Auch mit Fremdversorgung mittels Tidal:

Biffy Clyros Wolfes of Winter pfeffern mit Druck aus den Lautsprechern, während sich Joseph Haydns Symphonie 78 von der Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone warm, klar gestaffelt und gut sortiert in den Raum verteilt. Alles bleibt zu jeder Zeit ortbar, ist prima zu identifizieren und rumort auf Wunsch im Bauch, ohne in den Ohren zu nerven.

Damit vereint Audirvana Plus 2 exzellente Audioqualität mit einfacher Bedienung und bereits eingebautem Zugang zu Tidal. So einfach kann Qualität mit Streaming gekoppelt sein.

Fazit

Das Fazit muss dieses Mal vierteilig ausfallen: Tidal, Google Chrome, Amarra for Tidal, Audirvana Plus2 – jeder bekommt sein Fett weg. Fangen wir mit der Schall-Quelle an:

Der Streaming-Dienst Tidal der schwedischen Aspiro hat mit dem Entschluss, FLAC-Dateien mit 44,1 kHz/16 bit zu streamen, einen prima Weg eingeschlagen. Das ist CD-Qualität an jedem Ort, gepaart mit einer immensen Auswahl – und ohne CD-Regal oder-Player im Gepäck. Allerdings funktioniert das HiFi-Glück im Browser nur mit Google Chrome, was schade ist, da die Datenkrake Google nicht jedermanns Lieblingstier ist.

Auch ist die immense Musik-Auswahl trotz aller Vielfalt noch lückenhaft. Nicht jedes Album jedes Interpreten ist zu finden, aber die Auswahl ist trotzdem mehr als ordentlich und liefert auch Freddy Quinn, die Beatles und selbst Raritäten wie Gentle Giant, Pierre Moerlens Gong und allerlei anderes. Das Tidal-Abo für knapp 20 Euro im Monat geht in Ordnung, zumindest für Vielhörer mit nostalgischen Anwandlungen wie für Neugierige und all jene, die ihre Wunschinterpreten nicht in 96 kHz/24 bit High-Res kaufen können, weil die Label sie nicht liefern.

Google Chrome liefert als einziger Browser Zugang zur CD-Qualität. Dafür ist die Klangausbeute mit Bordmitteln des Mac und weitergereicht an den DAC sehr gut. Zudem kostet der Browser nichts – kann allerdings auch keine Audiodateien abspielen, die auf lokalen Festplatten liegen.

Auch Amarra for Tidal beschränkt sich auf den Streaming-Dienst als Zulieferer, macht dabei aber keine gute Figur, zumal nicht für einen Preis von 49,99 USD. Das Programm arbeitet langsam, ist optisch gewöhnungsbedürftig, bedient sich wenig komfortabel und klingt mäßig, sobald Rock und Pop nicht erste Wahl sind. Dazu muss die Frage erlaubt sein, ob ein Zugang zu Tidal nicht auch einfach in Amarra HiFi, Amarra und/oder Amarra Symphony hätte ergänzt werden können, die preislich mit 34,95 USD, 99 USD und 649 USD auch nicht unbedingt echte Schnäppchen sind.

Audirvana Plus 2 ist als Zugang für Tidal eine exzellente Wahl: In den 59 Euro für die Software ist der Zugang zu Tidal bereits angelegt und die Audioqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Crispe Höhen, warme Mitten, volle Bässe, alles transparent und authentisch wie auch bei anderen Aufnahmen und Hörgelegenheiten – wer über ein Tidal-Abo nachdenkt, kann sich auf Audirvane verlassen. Und Musik exzellent genießen.

Damit steht der Sieger fest – und dürfte sich auf den meisten High-Res Macs eh schon befinden. Also: Weiterhören!

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Produkt Google Chrome Amarra for Tidal Audirvana Plus2
Bedienung Logisch ungewöhnlich gewohnt
für Genre alle Rock; Pop; Elektro alle
Klang gut leicht wattig; bei Klassik und Jazz unnatürlich durchgängig sehr authentisch
Preis kostenlos 49.99 USD 74 USD/59 EUR
Website Google Chrome Amarra for Tidal Audirvana Plus2





Logos: Google, Sonic Studio, Amarra, Screenshots: HighResMac



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