Test Bowers & Wilkins P7 Kopfhörer

Mit Schwung: Der Bowers & Willkins P7 hat ein attraktives Äußeres.

Mit Schwung: Der Bowers & Willkins P7 hat ein attraktives Äußeres.

Die Agentur verspricht in der Überschrift der Pressemeldung „High-End-Klang in Studioqualität für zuhause und unterwegs“, dazu „zeitlose Eleganz und feinste Materialien“, und „innovative Klangtechnologie“, die in Summe einen Premium-Kopfhörer ergeben, der sich „der Erzeugung des kompromisslos reinen oder – wie man bei Bowers & Wilkins sagt – Wahren Klangs“ verpflichtet sieht. Es gibt ja Stimmen, die unken, ähnlich wie Monster verstünden sich auch die Briten hervorragend auf’s Marketing, bei dem die Verwendung des Begriffs „Premium“ mit ein paar begleitenden Superlativen bereits die Preise rechtfertig. Nun, 399 Euro sind durchaus eine Ansage und in der Liga spielen einige taugliche Klangkünstler. Kann der P7 da mithalten?

Auspacken

Wie von Bowers & Wilikins nicht anders zu erwarten, sind auch die P7 Kopfhörer in einem appetitlichen Karton verpackt: Er ist noch dicker als der des P5 und vielversprechend gewichtig. Ihn zu öffnen gebietet bereits die Neugier, dieser in einem schlecht gelüfteten Raum unmittelbar nachzugeben kann empfindlichen Nasen allerdings herb abstrafen: Der erste Begrüßungs-Duft ist der nach chinesischen Weihmachern. Vielleicht aber ist es auch ein fieser Gerbstoff für das Leder von Transporttasche, Kopfbügel, Chassis und Ohrpolster. Immerhin soll es sich bei all diesen schwarzen Oberflächen um gegerbtes Tier handeln, auch wenn ihm nicht der vertraute klassische Ledergeruch entstömt.

Angucken

Egal. Die Neugier obsiegt, und die Kopfhörer sehen auch unverschämt wertig aus: Die hochglänzend polierten und wie bei P3 und P5 filigran verdrehten Edelstahl-Halterungen der Lautsprecher, die schwarz eloxierte und gebürstete Alu-Abdeckung der Lautsprecher außen und das Leder, nahtlos über die Kopfhörer gezogen und beim Überkopfbügel mit einer feinen Ziernaht versehen, sind optische Leckerbissen. Schön gearbeitet ist auch der 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker, dessen Gehäuse aus Metall und gleichfalls hochglänzend ist. Die Kontaktflächen sind vergoldet. Das Anschlusskabel des P7 ist ummantelt von einem gummiartigen, flexiblen Material, das auf der Kleidung keine störenden Geräusche verursacht – das sollten andere Kabel auch mal tun. Zugeführt wird das Kabel einseitig, und zwar links. Leider ist es nur rund 1,3 Meter lang und lässt wenig Leine, um sich gemütlich neben der Anlage niederzulassen.

Auch ein iPhone-Kabel gehört zum Lieferumfang des Bowers & Wilkins P7

Auch ein iPhone-Kabel gehört zum Lieferumfang des Bowers & Wilkins P7

Auf die Ohren

Der Kopfhörer sitzt auf Anhieb angenehm am Kopf. Die Polster sind stramm, aber nicht zu hart. Ausgestattet sind sie mit einem speziellen Memory-Schaum, der sich der Kopfform anpasst. Er ist sogar bereit, einem Brillenbügel zu weichen, so dass auch nach zwei Stunden Musik non-stop keine Druckgefühl am Kopf entsteht. Zwei Stunden ist eine lange Zeit? Spätestens wenn ein Film im ICE für Unterhaltung sorgen soll, sind die schnell vergangen. Wobei die Aufgabe des Bowers & Wilkins P7 im Grunde eine andere ist: Musik möglichst originalgetreu wiederzugeben. Und hier zeigt er sein wahres Gesicht:

Aufgehorcht

Der Bowers & Wilkins P7 ist ein erstaunlicher Kopfhörer. Die Außenhülle ist hier tatsächlich Spiegelbild des Innenlebens. Die Playlist macht durchgängig einen luftigen und offenen Eindruck, der Kopfhörer schafft eine fast immer passende Bühne. Er präsentiert Gregory Porter „Hey Laura“ schön gestaffelt mit dem Sänger vor der Band, die sich vom Bass links über das mittige Schlagzeug bis zum Klavier leicht zur Rechten in einem dezenten Bogen um den Sänger gruppiert, eben wie in einem Jazz-Club.

Optisch, klanglich und von der Verarbeitung ist der Bowers & Wilkins P7 ein hervorragender Kopfhörer

Optisch, klanglich und von der Verarbeitung ist der Bowers & Wilkins P7 ein hervorragender Kopfhörer

Ausgewogen

Auch verteilt der Bowers & Wilkins P7 das Frequenzspektrum ausgewogen an die Ohren. Die Höhen klingen crisp und filigran, die Mitten entfalten sich als muntere Klangteppich und die tiefen Frequenzen teilen bestimmt ihre Anwesenheit mit. Kick und Punch sind authentisch, zarte Transienten beleben zahlreich das Klangspiel. Um auszutesten, wo die Grenzen des P7 genau liegen, wurde neben der regulären stationären und mobilen Setup noch eine dritte Variante durchgespielt: Basis ist der mobile Mac mit OS X Mavericks, das erstmals bei Apple einen nativen Integermode bietet. Die Playersoftware Audirvana Plus liefert ihr Signal über ein Aqvox USB-Kabel an den Cambridge Audio DacMagic Plus. Dieser hat einen separaten Kopfhörerverstärker, an den der P7 mit dem zu seinem Lieferumfang gehörenden 6,3 mm Adapter angeschlossen wurde. Die Überraschung folgte prompt. Der B&W P7 löst so exakt, feinfühlig und wieselflink auf, dass der Kopfhörer sogar für Neuentdeckungen taugt:

Auf Entdeckungstour

Dass in „I’m Walking“ von Ayo ein Wirbel der Gitarre bei bestimmten Tönen klirrt, hat bisher kein Kopfhörer so klar vorgeführt. Auch Vielgehörtes machen die P7 zu neuen Erlebnissen: Das Resonieren der Trommeln in Rhodes’ „Monkey on My Back“ materialisiert sich förmlich zwischen den Ohren und pulsiert die Musik über die Schaltstelle Hirn in die wippwillige Peripherie. Das im zweiten Durchgang unisono vom Bass gedoppelte Moog-Intro von Samuel Yirgas „Abet Abet“ ist deutlich wie selten zu vernehmen. Die mit Filzschlägeln gespielten Becken in Gisle Torviks „Tranquil Fjord“ erblühen förmlich aus der Deckung heraus. Und auch den Sensibilitätstest mit John Metcalfe „Appear“ meistert der britische Klangmeister: Die Anstreichgeräuschen des Geigenbogens sind fast greifbar, so als spielte der Australier direkt vor einem. Da stellt sich die Frage: Wie bekommt es Bowers & Wilkins hin, solch einen ausgewogenen und zugleich sensiblen Klang zu produzieren?

Klang-Puzzle: Die Komponenten des Bowers & Wilkins P7

Klang-Puzzle: Die Komponenten des Bowers & Wilkins P7

Auf neuen Wegen

Die Briten haben sich für den P7 ein für Kopfhörer neues Konstruktionsprinzip ausgedacht, also ein Prinzip auf dem Boxenbau auf einen Kopfhörer übertragen haben: Die Ingenieure haben die schwingende Membran vom Chassis getrennt. Befreit von der Personalunion mit ihrer mechanischen Aufhängung kann die Membran nun ungehindert schwingen und nutzt den Spielraum beeindruckend. Denn zugleich änderte Bowers & Wilkins noch einige weitere Details: So ist eine Ventilationsöffnung in das Chassis integriert, die durch eine luftdurchlässige Membran den rückwärtigen Luftstrom zu kontrollieren hilft. Das hilft der Präzision. Und die klassische Kupferspule ist einem modernen Pendant mit Kupfer beschichteten Aluminiumwicklungen gewichen, was die schwingende Masse reduziert. Das ist gut für zügige Ansprache.

Standfest

In Summe sind die neue Bowers & Wilkins P7 Kopfhörer nicht nur sehr sensibel und transparent. Auch bei sehr hoher Lautstärke – und der DacMagic liefert diese beängstigend gut mit seinem eigenen Kopfhörerverstärker – arbeiten sie standfest. Verzerrungen bleiben aus und erst im Grenzbereich des Erträglichen überspitzen die Höhen leicht und die Ausgewogenheit des Klangbilds beginnt etwas zu leiden.

Lautsprecher-Technologie geschrumpft ermöglicht dem Bowers & Wilkins P7 seinen guten Klang

Lautsprecher-Technologie geschrumpft ermöglicht dem Bowers & Wilkins P7 seinen guten Klang

Fazit

Die Bowers & Wilkins P7 Kopfhörer sind tolle Kopfhörer. Sie verteilen die Frequenzanteile mit britische Fairness und heben keinen Teil unbotmäßig hervor. Sie zeigen ein ungewöhnlich universelles Gesicht und geben jedem Genre eine angemessene Bühne. Zwar verteilen sie sehr intime Aufnahmen manchmal über etwas zu viel Raum, entfalten dafür aber im Gegenzug eine Detailfülle, die konstant Freude macht. Besonders angenehm ist das neutral warme Timbre der Kopfhörer, das die Musik sehr natürlich und ehrlich erscheinen lässt. Gepaart mit dem hohen Tragekomfort dieser Overear-Kopfhörer laden die P7 zu langem Musikgenuss ein. Ein echter Ohrenschmaus und eine klare Referenz. Glückwunsch!



bowers-wilkins_logo

Produktdaten

Hersteller: Bowers & Wilkins

Modell: P7

Anschluss
_ Kabel 1,2 m
_ iPhone Kabel 1,2 m
_ 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker

Technische Daten:
_ Over-Ear Kopfhörer
_ Dynamisches Chassis
_ Leichte CCAW-Schwingspule
_ Membran mit Nylondämpfung
_ Frequenzgang 10 bis 20.000 Hz
_ Impedanz 22 Ω
_ Schalldruck 111 dB
_ Gewicht 290 gr

Besonderheiten:
_ faltbar
_ Echtleder
_ Ohrpolster mit Memoryfoam

Im Lieferumfang
_ Softcase
_ 3,5 mm auf 6,3 mm Adapter
_ MFI-Kabel für iPhone, iPod & Co

EVP:
_ 399,- Euro

Produkt-Website:
bowers-wilkins.de/Kopfhörer/Kopfhörer/P7/

Hersteller-Website:
www.bowers-wilkins.de



Abbildung: Bowers & Wilkins



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