Test: Audirvana Plus 2 – Neuauflage des HighRes-Player

Audirvana Plus 2 kommt mit einem neuen Interface und einer eigenen Musikverwaltung

Audirvana Plus 2 kommt mit einem neuen Interface und einer eigenen Musikverwaltung


hrm_logo_15x50Damien Plisson hat seinen beliebten HighRes-Audioplayer Audirvana kräftig überarbeitet und vor knapp zwei Wochen als Audirvana Plus 2.0 releast. Er bietet eine Reihe von Neuerungen. So ist das Interface nicht länger an einem HiFi-Gerät, sondern an iTunes orientiert. Es gibt eine Playlist und eine eigene Musikverwaltung. Tags der einzelnen Stücke können direkt in Audirvana Plus 2.0 editiert werden. Unser Test schaut unter die Haube der Software und klärt, ob sie sich verbessert hat.

Neues Icon

Da Audirvana sein Interface geändert hat, ist auch das Logo des Programms neu – wo kein HiFi-Gerät mehr bedient wird, ist es auch als Symbol ungeeignet.

Audirvana Plus 2 hat ein neues Logo spendiert bekommen - eine Mischung zwischen iTunes und Amarra

Audirvana Plus 2 hat ein neues Logo spendiert bekommen – eine Mischung zwischen iTunes (li) und Amarra (re.)

Statt dessen gibt es jetzt einen Kreis wie bis vor kurzem auch noch bei iTunes: weißer Rand mit blauer Füllung. Gefüllt ist der Kreis allerdings wie bei Amarra, mit einem geschwungenen „A“ und einem zusätzlichen „+“. Dieses „A“ ist tatsächlich arg nah am Design der US-Konkurrenz und es würde mich nicht wundern, wenn Damien hier noch nachbessern muss.

Das neue Interface

Das neue Interface überrascht den Audirvana-Nutzer beim ersten Start, denn es ist grundlegend anders als bei den bisherigen Programm-Versionen. Es orientiert sich nicht mehr am Look und der Bedienung eines Hardware-Verstärkers, sondern ähnelt Player-Software wie Amarra oder iTunes.

Das Interface von Audirvana Plus 2 ist stark an bekannten Player-Layouts orientiert - rechts lässt sich zusätzlich ein Editor für Tags einblenden

Das Interface von Audirvana Plus 2 ist stark an bekannten Player-Layouts orientiert. Rechts lässt sich zusätzlich ein Editor für Tags einblenden

Im oberen Bereich ist ein Streifen mit den Bedienelementen und den Informationen zum aktuellen Titel einschließlich Cover-Bild. Links ist eine schmale Spalte für Libraries und Playlists. Den Hauptbereich bildet je nach Auswahl links die Musikbibliothek, der Inhalt der aktuellen Queue oder der gewählten Playlist.

Das neue Design hat verschiedene Vorteile: Die meisten kennen das Prinzip schon von iTunes. Das nimmt Berührungsängste. Dazu ist die Playlist jetzt direkt in die Player-Oberfläche integriert.Damit entfällt die bisherige Trennung in zwei unabhängigen Fenster, so dass die Playlist nun nirgends mehr liegen bleibt, wenn Audirvana auf dem Monitor verschoben wird. Dafür beansprucht Audirvana jetzt mehr Platz auf dem Bildschirm. Und ob die Titelliste wirklich immer präsent sein muss, wäre noch zu klären.

Ich persönlich habe die Playlist der ersten Version von Audirvana Plus gerne versteckt und nur das schwarze Interface auf dem Monitor belassen. Das erscheint, wenn Audirvana Plus 2 im iTunes-Mode arbeitet. Hierbei erscheint iTunes parallel zu dem bereits bekannten HiFi-Player. Sie können nebeneinander verwendet werden.

Interface – Der Player-Teil

Ich gebe es offen zu: Einer der Gründe, warum ich Audirvana bisher sehr mochte, ist die HiFi-Optik. Die klare Struktur, das informative Player-Fenster und der knuffige Drehregler waren untypisch für Software und nah am Alltag. Der Player lies sich auch über ein mobiles Device wie ein iPad gut bedienen, wenn es über VNC den Monitor am Mac Mini ersetzte. Bei Audirvana Plus 2 ist dieses Key-Visual verschwunden, ein einfacher Schieberegler mit filigranem Kreis erledigt die Aufgabe.

Audirvana Plus 2 - Player-Interface

Audirvana Plus 2 – Player-Interface

Im neuen Player werden die Cover leider noch kleiner als bisher dargestellt. Zwar kann man noch erkennen, um welches Album es sich handelt, doch das Thumbnail entzieht dem Auge noch mehr Details als die bisherige Darstellung. Das ist schade, denn mancher schaut beim Hören der Musik gerne noch mal auf das Cover.

Die Darstellung der verschiedenen Daten während der Wiedergabe ist in meinen Augen auch nicht ganz glücklich gelöst: Die technischen Daten des DAC stehen links unter den Bedien-Button, die Albumdaten stehen rechts vor dem Audirvana-Schriftzug. Dazwischen beansprucht der Aktivitätsbereich mehr als die Hälfte der gesamten Breite. Hierdurch stehen die Daten, die ja in einem technischen Bezug zueinander sind, zu weit auseinander.

Analog verhält es sich mit den Bedienelementen: Play, Pause, Vor- und Zurück sind links zu finden, während die Button für Wiederholung und Shuffle rechts angeordnet sind. Links bei den übrigens Knöpfen für die Wiedergabe wären sie besser und logischer aufgehoben, denn dann wäre die gesamte Wiedergabe-Organisation zentral versammelt.

Ein kleines Detail betrifft auch die Darstellung der aktuellen Wiedergabe mit Titel, Interpret und Album: Der Interpret ist sehr dicht an den aktuellen Titel gerückt, hier täte ein erhöhter Zeilenabstand der Lesbarkeit gut.

Interface – Der Playlist-Teil

Wer bisher Audirvana ohne iTunes-Integration verwendet hat, füllte die Playlist in der Regel per Drag & Drop, sei es mit gespeicherten Playlisten oder mit ganzen Alben, die als Ordner einfach von der Festplatte auf das geöffnete Fenster gezogen wurden. Das ist mit dem neuen Release vorbei.

Audirvana Plus 2 verwaltet die Musik jetzt selber. Das ist keine schlechte Idee, insbesondere weil die Bibliothek in der Lage ist, sich aus diversen Ordnern oder Laufwerken zu bedienen, so dass lokale Laufwerke und auch Netzwerk-Festplatten parallel genutzt werden können. Die Sortierung kann nach beliebigen Filterkriterien erfolgen, die sich an den vorhandenen Tags orientieren. Hierbei ist ein bisschen Vorsicht geboten: Wer seine Alben beispielsweise nach den Interpreten sortieren möchte, muss für jedes Album den Tag Album Artist befüllt haben – das ist bei vielen Alben aber per Default nicht der Fall.

Playlist-Optionen

Die Playlist bietet diverse Ansichten: Eine Listenansicht ohne jegliches Cover-Bild. Sie kann nach den einzelnen Spalten sortiert werden, so dass auch Künstler mit ihren Alben oder Alben mit ihren Songs zusammen erscheinen.

Audirvana Plus 2 - Listen-Ansicht

Audirvana Plus 2 – Listen-Ansicht


Die zweite Ansicht ist die Cover-Ansicht, wie sie auch von iTunes bekannt ist.

Audirvana Plus 2 - Alben-Ansicht mini

Audirvana Plus 2 – Alben-Ansicht mini


Ist ein Album ausgewählt, folgt Ansicht Nummer drei, die ähnlich wie bei iTunes im unteren Fensterbereich einen breiten Rahmen öffnet und in einer Detailansicht dort das Cover in größerer Darstellung zusammen mit den Songs des jeweiligen Albums zeigt.

Audirvana Plus 2 - Album-Details

Audirvana Plus 2 – Album-Details


Wer in der Menüleiste unter Darstellung den Punkt Informationen auswählt, erhält im rechten Bereich eine Spalte mit allen Daten zum Album oder Song – je nach dem, was gerade aktiviert ist. Die Tags lassen sich in diesem Bereich auch bearbeiten, so dass ein zusätzlicher Tag-Editor entfallen kann.

Audirvana Plus 2 - Album-Details mit Tag-Editor

Audirvana Plus 2 – Album-Details mit Tag-Editor


Um ein Lied auszuwählen, genügt ein einfacher Klick. Um es abzuspielen ist allerdings ein Doppelklick nötig, denn das markierte Lied wird von Audirvana nicht automatisch gewählt, wenn der Start-Button gedrückt wird, auch nicht, wenn das Programm frisch gestartet wurde. Stattdessen greift es grundsätzlich auf das zuletzt gespielte Stück zurück.

Eine charmante Alternative ist, einzelne Stücke oder Alben aus der Musik-Bibliothek auf den Eintrag Play Queue in der linken Spalte zu ziehen. Audirvana Plus 2 fügt sie dann automatisch der aktiven Playlist hinzu, so dass nach ein bisschen Drag & Drop der Abend frei nach Gemütslage beschallt werden kann.

Wer in der Menü-Leiste unter Darstellung übrigens Darstellungsoptionen auswählt und dort Gruppiere Alben wegen des ersten Kriteriums aktiviert, erhält eine Gruppen-Sortierung – beispielsweise nach Interpreten, Genre oder Komponist. Letzteres ist für Klassik-Fans nicht ganz unwichtig.

Audirvana Plus 2 - Gruppen-Sortierung

Audirvana Plus 2 – Gruppen-Sortierung


Einstellungen

Wer Audirvana Plus schon kennt, wird im Bereich der Einstellungen keine großen Überraschungen finden. Das Interface ist im wesentlichen geblieben, wie es war, und bietet auch die selben Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Als Neuerung gibt es allerdings eine Auswahl-Option für die Quellen der Audio-Files. Hier lassen sich ein oder mehrere Ordner, Festplatten, freigegebene Ordner anderer Rechner, USB-Sticks oder auch NAS-Server einbinden. Audirvana liest hierbei die Pfade zu den Titeln ein, kopiert sie aberzieht wie iTunes in eine eigene Mediathek. Das spart Speicher auf dem ausführenden Rechner und öffnet Tür und Tor, um umfangreiche High-Res Musiksammlungen auf mehreren kleineren Speichermedien direkt abspielen zu können ohne umzustecken oder ständig größere Festplatten kaufen zu müssen.

Neu in den Einstellungen ist die Auswahl von einer oder mehreren Quellen für Audio-Files

Neu in den Einstellungen ist die Auswahl von einer oder mehreren Quellen für Audio-Files

Wer das Interface genauer kennen lernen möchte, findet weitere Informationen in unserem Test von Audirvana Plus.

Die Grundeinstellungen von Audirvana Plus 2 sind weitgehend gut gewählt und stellen von Beginn an guten Klang sicher. Wer hochauflösende Flacs oder lange Musikstücke hört, sollte unter Audiosystem den maximalen Speicher, den Audirvana für das Zwischenspeichern von Dateien nutzen darf, erhöhen.

Klang

Der Vorgänger Audirvana Plus klingt toll. Audirvana Plus 2 klingt noch toller. Die Musik wirkt luftiger, frischer und offener. Sie ist transparent, crisp und es scheint, als reagiere die Neuauflage von Audirvana noch schneller auf die dargereichten Bits und Bytes.

Audirvana Plus 2 umschifft konsequent alle Einflüsse von iTunes und dem System

Audirvana Plus 2 umschifft konsequent alle Einflüsse von iTunes und dem System

Im Vergleichs wirkt der Vorgänger Audirvana Plus bei identischer Musik-Auswahl zurückhaltender, der brandneue Player Amarra 3.0 etwas belegt, sowohl mit als auch ohne Einmessung mit iRC(b). Dabei liefern die alternativen Player für sich allein gehört durchaus ein sehr gutes akustisches Abbild. Trotzdem ist Audirvana Plus 2.0 besser.

Das liegt zum einen daran, dass Damien Plisson weiter auf zwei Technologien aus dem Studio-Bereich setzt: die iZotope 64-bit SRC Sample-Rate Umwandlung und iZotope MBIT+ Dithering Technologie. Während erstere die korrekte Interpretation der Samplingraten im Griff behält, dämpft letztere verschiedene Verzerrungseffekte, die digitalen Aufnahmen zu eigen sein kann. Beide Techniken nutzen auch andere High-Res Player, allerdings umschifft Audirvana Plus 2.0 zusätzlich sämtliche iTunes-Einflüsse konsequent und liefert die Dateien auf dem tiefstmöglichen Layer des Systems, der Core-Audio Ebene, an den DAC.

iTunes Mode

Wie schon erwähnt, erscheint im iTunes-Mode der schwarze HiFi-Player. Er liefert die bekannten Informationen wie Dateiformat, Sampleraten, DAC-Daten und natürlich Album-Cover nebst Namen von Album, Interpret und Titel. Nötig ist er nicht unbedingt und kann mit cmd-H ausgeblendet werden, denn er arbeitet parallel zu iTunes. Die Apple-Software dient letztlich nur auf die Dateiverwaltung und kann für die Steuerung des Abspielvorgangs verwendet werden. Den eigentlichen Klang liefert Audirvana Plus 2 aber auch im iTunes-Mode lieber selbst aus.

Den bekannten schwarzen Player gibt es nur noch im iTunes-Mode zu sehen

Den bekannten schwarzen Player gibt es nur noch im iTunes-Mode zu sehen

Somit kann der Audirvana Plus 2 Oberfläche im iTunes Mode getrost ausgeblendet werden. Lautstärkeregelung, Titelauswahl, Vor- und Rücksprung werden von iTunes brav an Audirvana weiter gegeben und dort ausgeführt. Damit gibt es prima Klang mit bekannter Bedienung und Anbindung an den iTunes-Store. Der soll ja perspektivisch auch mit High-Res Files aufwarten. Was ich nicht feststellen konnte ist, dass Audirvana Plus 2 beim Einlesen der iTunes-Bibliothek Fehler macht. Allerdings nutze ich iTunes auch nicht und habe für den Test nur eine klein Bibliothek angelegt.

Kleine Bugs

Möglich ist allerdings, dass bei einer großen Bibliothek Fehler entstehen, was allerdings auch an den Tags der einzelnen Stücke liegen kann. Das diese Woche von der Society of Sound veröffentlichte Album des London Symphonic Orchestra mit Sir Peter Maxwell Davies Symphony No 10 führte Audirvana vier Mal in seiner Verwaltung auf – SoS hatte in den Tags nicht die Gesamtzahl der Titel dieses Albums angegeben, so dass Audirvana sie als vier Alben interpretierte. Nach Ergänzung im Tag-Editor erschien die Symphony komplett in einem Eintrag.

Ähnliche Effekte gibt es, wenn der Tag Album-Artist nicht oder nicht einheitlich gefüllt ist. Alben ohne Eintrag für diesen Tag sortiert Audirvana vor Alben mit Eintrag. Ebenfalls zu beobachten ist, dass Einträge unter diesem Tag in Kleinbuchstaben hinter die alphabetische Sortierung mit Großbuchstaben eingereiht werden – also zum Beispiel das duoW hinter Zucchero.

Fazit

Nach dem ich beim ersten Start von Audirvana Plus 2 optisch enttäuscht war, hat sich meine Haltung zu der Neuauflage des High-Res Audioplayer für den Mac nachhaltig entspannt. Seine eigene Musikverwaltung ist eine äußerst praktische Ergänzung, die ich auch wegen ihrer Filter-Möglichkeiten und der Option, diverse Datei-Quellen einzubinden, nicht mehr missen möchte.

Dazu ist Damien Plisson mit Audirvana Plus 2.0 auch klanglich ein Sprung nach vorn gelungen, indem es sich konsequent von allen iTunes-Einflüssen fern hält und an der untersten Ebene des Systems operiert. Die Musik ist noch brillanter und schneller decodiert, was zu einer weiteren Steigerung der Feinheiten in der Wiedergabe führt. Damit ist der von vielen als bester Audioplayer für den Mac gelobte High-Res Player Audirvana Plus noch besser geworden und jeden Cent wert.


Screenshots: HighResMac



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