Test Amarra 3.0 – Audioplayer verbessert und erweitert

Amarra 3.0 kommt mit überarbeitetem Design und neuen Funktionen

Amarra 3.0 kommt mit überarbeitetem Design und neuen Funktionen


hrm_logo_15x50 – Mit Amarra 3.0 liegt Sonic Studio aus den USA eine überarbeitete Version seines High-Res Players vor. Unter anderem klanglich soll sich viel getan haben, rühmt der Hersteller in einer Vorab-Info zu seinem Versions-Update. Grund genug, ein Ohr zu riskieren.

Amarra 3.0 ist seit gut einem Monat auf dem Markt. Die Software ist laut Hersteller Sonic Studio umfangreich erweitert. Unter anderem schließt sie jetzt Amarra sQ ein, eine Streaming-App, die es ermöglicht, DSD-Files auf DACs abzuspielen, die Streaming nicht unterstützen. Als Sample-Raten von Files unterstützt Amarra 44,1 bis 384 kHz. Die Software spielt beliebig gemischte Playlisten ab, ohne die Wiedergabe zu unterbrechen, so der Hersteller, was allerdings selbstverständlich sein sollte. Interessanter ist da schon das Echtzeit-Sampling, das Files an die maximale Auflösung des gewählten DAC anpasst, wenn die Frequenzrate der Datei die Auflösungs-Fähigkeiten der Hardware übersteigt.

Optional lässt sich Amarra 3.0 an mit einem speziellen Messverfahren die Raumakustik anpassen

Optional lässt sich Amarra 3.0 an mit einem speziellen Messverfahren die Raumakustik anpassen

Zusätzlich kann Amarra mit der iRC(b) Option geordert werden. Das Kürzel steht für Impulse Response Correction und meint ein Mess-System, mit dem die Wiedergabe der Bassfrequenzen und Anomalien im Timing auf den jeweiligen Hörraum abgestimmt werden können. Die Software kostet im Sonic Studio Shop aktuell 235,81 EUR. Zusätzlich ist ein Messmikrofon nötig. Sonic Studio empfiehlt Produkte von XTZ, deren Messmikrofon mit XLR-Kabel, Cynch- und USB-Adapter 110,00 Euro kostet, als Schwanenhals-Tischmikrofon mit integriertem USB-Adapter, zusätzlichem XLR-Kabel und Cynch-Adapter 170,00 Euro und als Mikrofon-Set im Pro-Kit mit Kabeln, Adaptern, Stativ und Koffer 290,00 Euro. Gut Klang will Teile haben, scheint es, wobei das einfache Mikro nur im englischsprachigen Shop zu bekommen ist, der deutsche listet es nicht. Doch zurück zu Amarra 3.0.

Amarra 3.0 – Die Bedienung

Von der Oberfläche unterscheidet sich das Amarra-Upgrade nicht wesentlich von seinem Vorgänger. Der Amarra-Fan findet ohne Schwierigkeiten mit dem Player zurecht. Auch Nutzer anderer Programme sollten die Systematik der Software leicht erfassen, da sie sich an der gängigen HiFi-Symboilk orientiert. Links finden sich Tasten für Zurück, Play/Pause und Vor. Rechts daneben ist ein schmaler Schieberegler für die Lautstärke platziert, der allerdings für akkurate Feindosierung etwas zu schmal geraten ist. Mittig im Hauptfenster ist ein Display platziert, das die Lautstärke-dämpfung, anzeigt, den Titel des aktuelles Liedes, seinen Interpreten und das Album, darunter die aktuelle Abspielposition und hierunter das Dateiformat, die Samplingrate, die gespielte Zeit und die Equalizier-Auswahl.

Das Hauptfenster von Amarra 3.0 erschließt sich im weitgehend von selbst.

Das Hauptfenster von Amarra 3.0 erschließt sich im weitgehend von selbst.

Unter dem Display finden sich verschiedene Tasten, unter anderem um Cache-Einstellungen zu verwalten, den Modus von Amarra als eigenständigen Player oder als iTunes-Controller zu bestimmen, wie es beispielsweise auch Audirvana ermöglilcht. Ein Feld zum Ein- und Ausblenden der Playlist, eine direkte Auswahl einzelner Tracks, eine Taste zum Öffnen der Equalizer-Einstellungen und ein Feld für die schon erwähnte iRC(b)-Justage vervollständigen die unteren Bedienelemente.

Rechts im Hauptfenster sind schließlich die Tasten für die Verwaltung der Playliste platziert, unter anderem um Files hinzuzufügen und zu löschen, ein Finder-Fenster zu öffnen, Playlists zu laden oder zu sichern. Dazu kommt eine P-Taste zum Vorladen des folgenden Stückes, ein Ketten-Symbol, mit dem sich das Amarra-Panel direkt an das iTunes-Fenster koppeln lässt, und ein kleines Dreieck, das das Album-Cover ein- oder ausblendet..

Amarra 3.0 – Der Klang

Nach dem ersten Hördurchgang mit Musik unterschiedlicher Genre ist eines sicher: Klanglich ist der Player tatsächlich besser als sein Vorgänger. Die Wiedergabe ist durchgängig aufgeräumt und wohl gestaffelt. Sie ist voluminös und druckvoll, wo nötig, und wirkt durchgängig authentisch, was insbesondere bei akustischen Stücken und Klassik sehr angenehm auffällt. Amarra macht zu keiner Zeit den Eindruck, die Musik zu pimpen und bestimmte Frequenzen zu bevorzugen.

Der Amarra Equalizer bietet eine Reihe von Presets und drei Felder für eigene Einstellungen.

Der Amarra Equalizer bietet eine Reihe von Presets und drei Felder für eigene Einstellungen.

Für Freunde des Tunings bietet Amarra aus dem File-Menü der Menüleiste direkten Zugriff auf das Midi-Setup und die Audio-Preferences. Es gibt zudem einen Equalizer, der allerdings nicht Regler für einzelne Frequenzbänder bietet, sondern drei Fenster, in denen jeweils Frequenz, Verstärkung und Q mittels Schieberegler oder Direkteintrag in das jeweilige Fenster bestimmt werden können. Auch der Equalizer ist mitunter einen Klick wert, wenn Sound gepimpt werden soll. Er liefert eine Reihe von Presets mit, die unter anderem auch verschiedene DAC-Modelle mundgerecht bedienen. Typische Genre-Presets gibt es natürlich auch. Wer selber Hand anlegen möchte, kann mit dem Equalizer maximal drei Frequenzbänder verändern, was auch während einer aktiven Wiedergabe funktioniert und somit direkte Kontrolle ermöglicht.

Schade ist, dass Amarra nativ keine Playlisten im Format m3u unterstützt. Dazu kommen einige Details, die irritieren und den Hörspaß trüben: Wird während der Wiedergabe ein Stück zu der Playlist hinzu gefügt, setzt die Wiedergabe für einen Moment aus. Das geschieht ebenso, wenn auf Add, Finder oder Open geklickt wird, die jeweils zur Auswahl weiterer Stücke dienen. Bei Add und Finder setzt die Wiedergabe kurz aus, wenn das Fenster geschlossen oder ein File ausgewählt und der Playlist hinzugefügt wird. Bei Open stoppt die Wiedergabe sogar vollständig und setzt nicht selbstständig wieder ein. Aussetzer gibt es ebenso, wenn ein Stück aus der Playlist gelöscht wird, und einen Voll-Stop, wenn Titel in der Playlist umsortiert werden. Hier kann Sonic Studio noch nachbessern.

Fazit

Um ehrlich zu sein: Ich war nie ein Fan von Amarra 2 und habe bisher ganz eindeutig Audirvana Plus bevorzugt. Und auch in Zukunft ist Audirvana Plus ein Player erster Wahl für mich. Mit Amarra 3.0 hat Sonic Studio aber aufgeschlossen. Er spielt Musik lebendig und authentisch, mit Raum und Fülle, ohne zu kompakt zu werden. Amarra wirkt bei Peckinpah von Stone Sour etwas wuchtiger und bei Taurus II von Mike Oldfield luftiger und eine Spur weicher als Audirvana. Bei Appear von John Metcalfe ist Amarra dafür im Piano-Diskant leicht plärrig-spitz. Stimmen in akustische geprägten Stücken wie Fall von Melphi oder Musical Genocide von Gregory Porter scheinen dagegen bei Audirvana realistischer aufgehoben, wobei auch hier der Unterschied in Nuancen liegt.

Am Ende wird es also eine Frage des Preises und persönlicher Vorlieben sein, für welchen Player das Herz (aus)schlägt. Erhältlich ist Amarra direkt bei Sonic Studio. Wer möchte, kann eine Demo-Version herunterladen, um die Software erst zu testen. Der reguläre Preis beträgt 189,00 USD, im Sonic Studio Shop umgerechnet aktuell 151,00 Euro. Das Upgrade von Amarra 2 kostet 49,99 USD und ist bis zum 31. Juli auf 29,99 USD rabattiert.


Produktdaten

Produkt
_ Amarra 3.0

Hersteller
_ Sonic Studio

Preis
_ 179,69 Euro

Download
_ www.sonicstudio.com

System-Voraussetzung
_ Apple Mac mit Intel-Chips
_ OS X 10.6 oder höher

Audio-Formate
_ AIFF
_ ALAC
_ DSD
_ FLAC
_ MP3
_ WAV

Wertung
+ einfache Bedienung
+ aufgeräumtes Design
+ offener, natürlicher Klang
+ Option zur Einmessung auf den eigenen Hörraum
+ kostenlose Testversion
+ zwei Installationen pro Lizenz erlaubt

– keine Unterstützung für m3u-Playlisten
– Aussetzer bei Änderungen in der Playlist
– Preis


Testumgebung

Hardware
Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner alternativ: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Musik-Zusammenstellung (Auszug)

_ Audio – Digital Master I (ALAC 16/44)
_ Audio – Digital Master II (ALAC 16/44)

_ Brahms – Violinen-Konzert D-Dur Op. 77, Scottish Chamber Orchestra (FLAC 24/96)
_ George Enescu – Violin Sonata No. 3 (Abel, Steinberg – Beethoven, Enecsu: Violin Sonatas; FLAC 24/176,4)
_ John Metcalfe – Appear (The Appearance of Colour; FLAC 24/48)
_ Gillian Weir – Moderne (Poulenc Concerto for Organ; FLAC 24/88,2)
_ Miles Davis – Potia (Tutu; FLAC 24/192)
_ Gisle Torvik – Tranquil Fjord (Tranquil Fjord; FLAC 24/44,1)
_ Samuel Yirga – Abet Abet [Punt Mix] (Guzo; FLAC 24/48)
_ Gregory Porter: Musical Genocide (Liquid Spirit; FLAC 24/96)
_ Fiona Apple – Sleep To Dream (Tidal; FLAC 16/44,1)
_ Bob Marley – Is This Love (Kaya; FLAC 24/96)
_ Stone Sour – Peckinpah (House of Gold and Bones Part 2; FLAC 24/96)
_ Mike Oldfield – Taurus II (Five Miles Out Deluxe Edition; FLAC 24/96)
_ Joe Jackson – The Verdict (Body and Soul; FLAC 16/44,1)
_ Jean-Michelle Jarre – Oxygène I & IV (Oxygène, 24/48)
_ A Guy Called Gerald – Silent Sound Spread Spectrum (FLAC 24/96)


Screenshots: HighResMac



1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 votes, average: 4,50 out of 5)

Das könnte Dich auch interessieren …