Stefano Bollani – Joy In Spite Of Everything – Review

Stefano Bollani: Joy In Spite Of Everything

Stefano Bollani: Joy In Spite Of Everything


hrm_logo_15x50Was für ein netter Bossa: Swingender Beckenride, charmante Unisono-Passagen von Saxophon und Piano, schnurrender Bass und warmherzige Gitarrenakkorde. Doch oh Wunder – Easy Healing ist eine Mogelpackung. Im Verlauf wird es frecher, schräger und giftiger – immer brav auf einem warmen Bossafeel unterlegt. Kontrastprogramm à la carte.

Für sein neues Album Joy In Spite Of Everything in neun Stücken hat sich Pianist Stefano Bollani neben Bill Frisell an der Gitarre die nicht minder spannenden Mark Turner am Tenorsaxophon, Jesper Bodilsen am Kontrabass und Morgen Lund am Schlagzeug als Begleitung geholt. Und sie spielen, das der Album-Titel verspricht: Spaß trotz allem Drumherum.

Entsprechend ist No Pope No Party als Name eher ein ironisches Element, denn selbst dieses Stück, dessen Titel karge Tristess erwarten lässt, sprüht über vor Spielfreude. Gerade das Piano-Solo im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug ist ein Lehrbeispiel für Dynamik und sensible Ohren.

Ganz ähnlich ist es mit Vale – Stück fünf des Albums. Es fängt ganz harmlos an: Besengefegtes Schlagzeug legt den Grund für sanfte Saxophon-Klänge an Pianotröpfchen und Gitarrenschmalz. Naja, könnte man meinen, wäre nicht das Ensembles um Bollani für jeden Hinterhalt zu haben. Uns so kommt, was kommen muss (und sich der geneigte Fan verspricht): Frech dissonantes Spiel mit den Möglichkeiten, Ausloten der Grenzen (und Überschreiten dieser – oder Neudefinition?).

Wie Bollani Harmonie auffasst, lässt sich sehr schön in Las Hortensias hören, in dem er seine Läufe ständig um die Grundtonleiter pendeln lässt, die harmonische Erwartung immer wieder stört und dabei doch stets im Rahmen bleibt. Dass Turner die Vorlage am Saxophon-Solo aufnimmt und verarbeitet, schafft zusätzlichen Reiz, besonders wenn gegen Minute 7 beide ihr Spiel verweben. Einen ähnlichen Effekt hat Teddy, in dem Bollani im Duo mit Frisell an der Gitarre einen dichten Jazzteppich ausrollt, der zwischen Classic, Modern und weiteren Jazz-Derivaten mäandert.

Was der musikalischen Intensität zu Gute kommt, ist eine in vielen Genre heute unpopuläre Entscheidung: Bollani lässt seiner Musik Zeit. Die insgesamt neun Titel sind zwischen 5.57 und 12.20 Minuten lang. Es sind daher nicht bloß Lieder, die Bollanis Quintett anbietet, sondern Stimmungen, die es aus den Grundthemen entwickelt, was für entspannten wie spannenden Hörgenuss sorgt.

Joy In Spite Of Everything, dargereicht als Studio-Master FLAC mit 24 bit und 88,2 kHz, ist akustisch fein ausdifferenziert: Der Klang ist klar und sauber, aber nicht clean und synthetisch, und er ist weich, aber nicht weichgespült. Das Album hat Attack und Tragkraft und glänzt dabei mit Präzision und Detail. Das Quintett spielt auf mittlerer Bühne mit kompakter Staffelung und bildet eine klanglich schön integrierte Einheit. Dass hierdurch Transienten in den Hintergrund treten, ist zu verschmerzen.

In Summe ist Joy In Spite Of Everything ein sehr gelungenes Album. Keine Revolution, nicht viel Evolution, stattdessen Spiel mit Bekanntem nicht zuletzt im Titelstück, das als Klassiker startet und immer wieder Kopf steht. So entsteht hochkarätiger Hörgenuss für Liebhaber des Modern Jazz.



Album-Daten

Titel: Joy In Spite Of Everything
Interpret: Stefano Bollani, Jesper Bodilsen, Morten Lund, Mark Turner, Bill Frisell
Genre: Jazz / Modern Jazz
Label: ECM
Jahr: 2014
Spielzeit: 1.15:56 min
Format: FLAC 88,2/24
Preis: 21,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: ECM

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