Roller Trio – Tracer The Real World Session

Liefern eine Jam-Jazz-Session mit Pfiff: Das Roller Trio mit seinem neuen Album Trace

Liefern eine Jam-Jazz-Session mit Pfiff: Das Roller Trio mit seinem neuen Album Trace

hrm_logo_15x50Und plötzlich ist da dieser tiefe Subbass. Ein eher spür- als hörbarer Unterbau zur harmonischen Disharmonie und der treibenden Rhythmik. Nur – wo kommt er her? Es ist gar kein Bass dabei. Das Roller Trio sind Trommeln, Saxofon und Gitarre. Zum Anfassen klar und präsent, wie es eigentlich nur bei klassischen Jazz-Einspielungen üblich ist. Und frech in ihrem Spiel durch die Genre.

Das Roller Trio kommt aus dem britischen Leeds und sein Jazz ist rockig und ein bisschen anarchistisch dazu. Ein deutsches Pendant wäre vielleicht Der Rote Bereich, nur dass die Briten die Spannung zwischen Melodik und (scheinbarer) Dissonanz besser beherrschen. Und die Spannung zwischen fließender, verzahnter und vertrackter Rhythmik. Und dass sie außerdem noch erheblich jünger sind.

Anfang zwanzig sind Tenorsaxophonist James Mainwaring, Gitarrist Luke Wynter und Schlagzeuger Luke Reddin-Williams. Zusammen zu spielen begannen sie am Leeds College for Music, zuerst die beiden Lukes. Dann kam James dazu, der mit dem Schlagzeuger-Luke mal in einer WG zusammen gewohnt hatte. Das Resultat war preiswürdig, fanden die Juroren des Whittingham Jazz Awards 2011 und verliehen ihn gleich an das Trio, das mit Tracer – The Real World Session jetzt sein zweites Album vorlegt. Es ist in fünf Tagen entstanden, in denen das Trio die Real World Studios nonstop zur Verfügung hatten und die acht Stücke des Albums in Sessions entwickelten.

Wirken wie brave Jungs - sind sie aber nicht: Das Roller Trio aus Leeds.

Wirken wie brave Jungs – sind sie aber nicht: Das Roller Trio aus Leeds.

Die Freiheit außerhalb der üblichen Komfortzone schuf acht Songs, die es in sich haben: Schon der Auftakt mit Law of Five mit der experimentellen Improvisation zwischen Schlagwerk und Saxophon lässt aufhorchen, spätestens wenn die ersten warmen Gitarrenakkorde wie zufällig hineinflattern und sich wie ein Zelt um die akustische Szenerie gruppieren, in dem das Trio an Fahrt aufnimmt. Es folgt Doris mit seiner Mischung aus swingigen 7/4-tel Passagen, rasant gespielten 13/4-Takt, und ruhigerer Passage in 9/4-teln mit fragmentarischer Rhythmik, über der das Saxophon unbeirrt melodisch schwebt. Im Kontrast dazu steht Laika. Den ersten Hund im All würdigt das Roller Trio mit sphärischer Stimmung aus Synthesizern, psychedelisch wirkenden Pauken und Gongs, anschwellenden Gitarren-Akkorden und klagenden Saxophon-Rufen. Eine ähnliche Stimmung findet sich auch bei High Tea, das mit seinem verhallten Klavier aus der Einsamkeit echot, bevor Gitarre und Drums mit gehörig Pfeffer die Basis für eine treibende Teaparty mit Sax-Sahne-Häubchen bis in poppige Melodik hinein legen.

Lärm, so versprechen die Kritiken, soll es auch geben vom Roller Trio. Wo der sich auf dem neuen Album genau aufhält, war nicht zu klären. Aber dafür schimmern beim Titelstück Tracer dezente Anleihen an Massive Attack und Portishead durch – eben Trance. Eine nette Ergänzung zu den rockigen Beats, die immer mal wieder die Stücke antreiben.

Prägend über das gesamte Album sind muntere Rhythmus- und Stimmungswechsel, die von schrägen Klängen zu harmonisch einlullenden Melodien und wieder zurück ins Abenteuer Rhythmus schwingen und swingen. Leider knausert die Society of Sound mit der Bit-Rate: Es sind eher schmale Flac-Files mit 48/24, doch selbst die liefern erfreuliche Detailfülle, Munterkeit und Präsenz. Viel Spaß all jenen, die ihre Boxen spielen lassen dürfen…



Album-Daten

Name – Trace – The Real World Sessions
Interpreten – Roller Trio
Label – Society of Sound
Jahr – 2014
Spielzeit – 51:10 min
Format – FLAC 48/24
Preis – Im Jahresabo von 40 Euro enthalten
Zu finden bei Society of Sound



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Society of Sound

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