Rock oder Schock? John Wesley – a way you’ll never be…

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hrm_logo_15x50Normalerweise fängt ein Album mit einem Verführer an. Einem Stück, das bezaubert, begeistert oder betört und dabei ein Versprechen gibt: „Hörst du? Das gibt es jetzt für die nächste Stunde (oder so).“ Bei seinem inzwischen achten Soloalbum ist John Wesley, im Hauptberuf Gitarrist von Porcupine Tree, so ein Verführer schnuppe. by the light of a sun, der Auftaktsong des neuen Albums a way you’ll never be…, strotzt vor schrillen Gitarren, sperriger Rhythmik und einem Takt, der ständig zwischen diversen ungeraden Metren springt. Oder clever verschachtelt ist. King Crimson, Rush, Yes & Co. lassen grüßen, aber verstrubbelt.

Reinhören? Hm… – eine knappe Stunde hardgerocktes Gewirr-Gewitter? Soll ich mir das geben, falls das gesamte Album so ist?

Auf der anderen Seite ist es ja so, dass selten neue Rock-Titel zur Rezension auf den Tisch kommen. Was die Label anbieten, sind meist remasterte E-Gitarren von den alten Granden wie Deep Purpel und Led Zeppelin. Mike Oldfield ist da fast schon modern. Wenn dann also wirklich was frisches am Haken hängt, holt der Fischer es ein und hält sein Ohr dran.

Das Problem (würden die einen sagen) oder der Reiz (halten die anderen dagegen) von Wesley ist, dass man sich in die ersten beiden Stücke etwas reinhören muss, falls diese Sorte Musik nicht das täglich Ohrenfutter ist. Nummer drei, der Titelsong a way you’ll never be…, macht es dem geneigten Rezensenten da schon leichter. Zwar immer noch 14/4-tel (?), aber wesentlich eingängiger und einfacher strukturiert.

Nicht dass ich vor Komplexität zurückschrecken würde, aber ein groovy Feel mag ich schon ganz gern. Aber natürlich auch mal frische verzerrte Gitarrenlicks und -riffs und -töne. Poti auf Anschlag und raus mit der Sau. Dass die Bassmagnete was zu treiben haben und die Weichen leicht anschmelzen. Ok, übertrieben, aber Radau vom Feinsten darf’s schon sein. Also lassen wir das Album mal durchlaufen:

Zum Glück ist Wesley nicht manisch auf Stil- und Rhythmusbruch versessen, und dort, wo es passiert, assistieren Mark Prator am Schlagzeug und Sean Malone am Bass mit perfektem Rhythmusgeflecht sowie Ian Medhurst an der Gitarre. Die Songs to outrun the tight, unsafe space und sun.a.rose kommen wesentlich gradliniger daher, ohne rockigen Charakter einzubüßen.

Und die Fast-Ballade nada ist eine regelrechte Charmeoffensive, noch mehr als the silence in coffee. Das ist einfach ein entspannendes, langsam atmendes Stück, fokussiert auf Wesleys Gesang, den die 96 kHz 24 bit Studio-Master FLACs greifbar klar in den Raum projezieren.

Damit ist auch gesagt, dass der zweite Teil von a way you’ll never be… deutlich allgemeinverträglicher ist, während der erste Teil den Hardrock-Intellektuellen adressiert – … ähm, natürlich den Progressive Rock Fan.

Interessant neben der stilistischen Spanne, in der sich Wesley bewegt, sind auch die Frequenzverteilung und generelle Akustik des Albums. Es ist nämlich nicht bassgesättigt und durchgefettet, sondern im Gegenteil transparent und äußerst harmonisch aufbereitet.

Geprägt ist das Album noch von etwas anderem, das im ersten Augenblick gar nicht auffällt: Melancholie. Sie durchzieht die insgesamt zehn Stücke wie ein roter Faden, in den Melodie-Passagen wie in den Soli. Das gepaart mit dem feinen Klangbild ist durchaus eine Sünde wert.


Album-Daten

Titel: a way you’ll never be
Interpret: John Wesley
Genre: Rock/Progressive Rock
Label: InsideOut Music
Jahr: 2016
Spielzeit: 56:10 min
Format: FLAC 96/24
Preis: 15,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio



Audio-Setup

Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.10.5 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: InsideOut Music



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