Review: Anne Hytta – Draumsyn

Anne Hytta – Draumsyn

Anne Hytta – Draumsyn

hrm_logo_15x50Wenn sich ein Solist anschickt, Naturphänomene und Befindlichkeiten instrumentell beschreiben zu wollen, kann das im Vorfeld schon mal verwirren. Was soll da heraus kommen? Esoterisch verquaste Bauernfängerei? So etwas wie eine instrumentell ausgedrückte Symbiose aus Außenwelt und Innerlichkeit? Oder eine virtuose und ausdrucksstarke Interpretation von Welt? Draumsyn – zu Deutsch Traum-Vision – der norwegischen Fiddle-Meisterin Anne Hytta bewegt sich zwischen zwei dieser Kategorien.

Fiddel? Was hierzulande nach lumpiger Geige klingt, meint tatsächlich ein anspruchsvolles Streichinstrument. Geigengroß ist es in etwa schon und mitunter reich verziert mit kunstvollen Intarsien aus Edelhölzern und Perlmutt. Einige Fiddeln haben fünf und mehr Saiten, die auch nicht geigenklassisch G-D-A-E gestimmt sind, sondern E-A-D-E-A. Oder C-Es-C-G-D. Als Viersaiter vielleicht F-C-A-E. Oder… – anspruchsvoll eben. Und ein bisschen abseitig und fantastisch auch. Zumindest gilt das für die Musik, die Anne Hytta auf ihrem jüngsten Album Draumsyn damit eingespielt hat.

„Die Musik dieser Aufnahme kam zu mir, indem ich mir Landschaften ohne Menschen vorstellte.“ Also doch Eso-Gefiedel? So einfach ist es nicht. Denn immerhin ist Anne Hytta Norwegerin, und in Norwegen wir überhaupt im Norden gibt es pro Kopf erheblich mehr Landschaft als bei uns. Und die Menschen genießen ihre Landschaft auch sehr, sind stolz auf sie und haben sie als Teil Ihrer Identität und Kultur in ihr Leben integriert.

Hytta hat offenbar viel Zeit in Landschaften verbracht. Oder sich viel Zeit für sie genommen. Und für die Fiddel. Was dabei herauskommt, ist spannend entspannend. Schon das Eröffnungsstück Cloud macht es hörbar. Eine Wolke, federleicht, arrangiert von Zartheit und Wind.

Manche Stücke erschließen sich allein durch den Titel der und Aufmerksamkeit für die Musik. Andere brauchen den Begleittext zum Album, zum Beispiel Gorr, das von einer Tänzerin erzählt, die allein im Saal noch einmal das Vergangene aufleben lässt, nur für sich, wie ein Schattenspiel, bis wieder Stille einkehrt. Und es funktioniert.

Anne Hytta part in ihrer Musik Virtuosität mit Sensibilität und der Bereitschaft, ein kostbares Gut mit in die Waagschale zu werfen – Zeit, die sie sich nimmt, die Stimmungen zu entwickeln, und die der Zuhörer mitbringen sollte, um die musikalischen Bilder in all ihren Farben genießen zu können. Das ist Draumsyn – Traum-Vision.



Album-Daten

Name – Draumsyn
Interpretin – Anne Hytta
Label – Carpe Diem Records
Jahr – 2014
Spielzeit – 49:25 min
Format – FLAC 96/24
Preis – 16,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB- Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildung: Carpe Diem Records

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