Power-Player im Geräte-Look: Fidelia 1.6

Fidelia 1.6 kommt im Gewand eines High-End Geräts – hält der Player die optischen Vorschuss-Lorbeeren?

Fidelia 1.6 kommt im Gewand eines High-End Geräts – hält der Player die optischen Vorschuss-Lorbeeren?



hrm_logo_15x50Erinnert sich noch jemand an die frühen Tage von Audirvana? Als Audirvana Free als silbernes HiFi-Gerät auf dem Monitor erschien und Audirvana Plus 1 als schwarzer HiFi-Baustein? Das ist längst vorbei, aber wer solche Optik mag, sollte sich Fidelia anschauen, den Music-Player von Audiofile Engineering. Der übrigens auch ganz ordentlich Musik spielt.


Audio Engineering

Das eigentliche Geschäftsfeld von Audio Engineering ist Software für die Musik-Produktion. Fidelia ist eines von sechs Produkten der Hersteller-Website, und das einzige für die Wiedergabe von Files. Wer sich so intensiv mit Musik und Produktion befasst, sollte wissen, worauf es bei Klang ankommt.

Da der Player aus Minneapolis zudem AAC, AIFF, ALAC, CAF, FLAC, Ogg Vorbis und WAV beherrscht, sind das gute Voraussetzungen für Fidelia, sollte man meinen. Also starten wir einfach die Player-Software und lassen uns überraschen.


Dicker Knopf für’s Digitale


Fidelia bietet fünf verschiedene Darstellungs-Größen für den Player an – passend für jeden Monitor und Einsatzzweck

Fidelia bietet fünf verschiedene Darstellungs-Größen für den Player an – passend für jeden Monitor und Einsatzzweck



Fidelia begrüßt den Anwender mit klassischer Geräte-Optik: Display, Drehregler, Button für verschiedene Funktionen – das ist vertraut und lässt das erste Mal entspannt ausatmen.

Zudem haben die Entwickler einige Anzeigen integriert:

  • Links oben werden Name von Interpret und Titel angezeigt, ein Lichtband illustriert die aktuelle Position im Stück, es gibt einen Peak-Meter und die Restspielzeit fehlt auch nicht.
  • Rechts des Displays findet sich ein großer runder Knopf, mit dem sich die Lautstärke regeln lässt. Wobei auch hier gilt: Vollausschlag ist besser, denn dann laufen die Daten unbehelligt in den DAC und die Lärmkontrolle unterliegt dem Verstärker.
  • Rechts des Reglers ist schließlich das Zahlenwerk zum Song platziert: Spieldauer, Format, Bitrate und Dateigröße. Es fehlt allerdings die Sample-Rate, so dass es ein Geheimnis bleibt, ob gerade ein 44,1 kHz oder ein 192 kHz Studio Master spielt. Schade eigentlich.
  • Unterhalb der Anzeigen sind die Bedienelemente angeordnet. Es sind von links nach rechts: Zufalls-Wiedergabe, Wiederholung, letzter Titel, Play/Pause, nächster Titel, DIM um die Lautstärke um 20 Prozent zu reduzieren, und Mute für komplette Stille.
  • Was nun noch bleibt, ist eine Gruppe von drei Auswahl-Feldern, mit denen sich Effekte auswählen lassen. Im Falle des verwendeten Macs sind es nur Effekte, die Apple von Hause aus mitliefert.

Wem die Standard-Darstellung nicht gefällt, kann zwischen insgesamt fünf Darstellungs-Varianten wählen, wobei Variante 1 ein Miniplayer für die Bildschirmecke ist, die übrigen vier Ansichten die selbe Optik in unterschiedlicher Größe bieten – passend zur jeweiligen Bildschirm-Auflösung von MacBook, iMac und Co.


Step 1: Import der Bibliothek

Damit Fidelia für fidele Momente sorgen kann, ist natürlich Klangmaterial nötig. Das lässt sich per Import-Befehl in die Bibliothek überführen. Eine Option für Drag&Drop von FIles oder Alben von einer Harddisk ist nicht möglich. Also markieren wir im Auswahldialog die Ordner mit CD-Rips, High-Res- und MQA-Files und lassen den Mac rödeln. Das Ergebnis:

Nach rund 6 Minuten war das erste Viertel der Musikbibliothek importiert, nach rund 22 Minuten dann alle Files über USB 2.0 eingelesen. Es sind 587,61 GB Daten, das entspricht 7938 Songs mit einer Gesamtspielzeit von 656.45:45 – alles Klar? 656 Stunden entspricht 27,3 Tagen – unser Referenz-Player Audirvana ist da lebensnaher in der Informations-Politik.


Step 2: Playlist


Die Playlist von Fidelia ist eine Liste - ausschließlich. Coverflow oder Lightbox  gibt es nicht, aber das Cover wird bei der Wiedergabe eingeblendet

Die Playlist von Fidelia ist eine Liste – ausschließlich. Coverflow oder Lightbox gibt es nicht, aber das Cover wird bei der Wiedergabe eingeblendet


Mit den Files in der Playlist ist der erste Schritt getan. Als Informationen bietet sie eine fortlaufende Nummerierung, gefolgt von Titel-Name, Künstler und Album. Er möchte, kann unter dem Menü-Punkt View diese Angaben um erweitern, darunter Sample-Rate, Bit-Rate, Länge und anderes mehr. Insgesamt stehen 15 Datenfelder zur Auswahl.

Die Spalten lassen sich auf Wunsch auch neu sortieren: Einfach in die Titel-Zeile klicken und mit der Maus an die Gewünschte Position bringen. Allerdings funktioniert das erst ab Zeile 3 – die Fortlaufende Nummer und der Name des Stückes sind fixiert. Zumindest letzteres finde ich misslich, weil ich mich anders orientiere: Künstler, Album, Titel wäre meine bevorzugte Reihenfolge. Aber was soll’s – zur Not hilft das Suchfenster oben rechts in der Library, das im übrigen sehr rasant Ergebnisse liefert.

Was Fidelia nicht bietet, ist eine Cover-Ansicht, weder als Cover-Flow noch als Dia-Sammlung mit neben einander gelegten Bildern. Wer optische Reize bevorzugt, ist hier leider außen vor. Erst bei der Wiedergabe blendet Fidelia ein Cover-Bild ein – unten links in der Playlist und nicht sonderlich groß. Das kann selbst iTunes besser.


Step 3: Einstellungen


Die Einstellungen von Fidelia umfassen fünf Bereich – in den Allgemeinen Einstellungen lässt sich beispielsweise der Audioausgang exklusiv für den Audioplayer reservieren

Die Einstellungen von Fidelia umfassen fünf Bereich – in den Allgemeinen Einstellungen lässt sich beispielsweise der Audioausgang exklusiv für den Audioplayer reservieren



Die Einstellungen von Fidelia, Preferences genannt, umfassen fünf Bereiche:

  1. Unter General können der Ausschlag des Pegelmeters und die Regelung des Lautstörke-Knopfes vorgegeben werden. Dazu, ob das Audio-Gerät exklusiv nur Fidelia zur Verfügung steht, ob die Files in das RAM des Computers geladen werden sollen und ob die iTunes-Liabray einbegunden werden soll. Dazu lässt sich der Dither regeln.
  2. Das Menu Commands bietet die Möglichkeit, sämtliche Inhalte der Menüleiste zu aktivieren oder zu deaktivieren. Wer also auf einen Menüpunkt verzichten möchte, klickt ihn hier einfach weg.
  3. Unter Format kann die bevorzugte Datei-Format gewählt werden, dazu Sample- und Bitrate, ferne die Kompressionsrate und ob Dither angewendet werden soll. Interessant ist, dass Fidelia per Mausklick auch Files in das bevorzugte Format konvertiert. Sie werden im selben Verzeichnis wie das Original abgelegt – und schon hat man eine Herde von Doubletten.
  4. Die Einstellungen unter Output bieten zuerst die Auswahl der Wiedergabe-Gerätes an. Der darunter zu findende Knopf Configure öffnet das Apple Midi-Setup, mit dem sich weitere Einstellungen für den Klang vornehmen lassen. Klar ist damit allerdings auch, dass Fidelia nicht Apples Cora Audio umgeht, Integer Mode wird nicht geboten. Im folgenden Auswahlbereich können die Ausgangs-Kanäle festgelegt werden. Anschließend gibt es die Möglichkeit, die Sample Rate zu bestimmen oder sie dem jeweiligen Stück automatisch anpassen zu lassen. Auch der Konvertierer kann gewählt werden – allerdings biete das Menü anders als im Manual angegeben nicht Goodhertz, iZotope und Apple AUConverter, sondern Goodhertz, Apple Standard, Apple Low Quality und Apple High Quality. Der Filter-Typ kann zwischen Linear und Minimal umgeschaltet werden und die Qualität lässt sich von schneller zu besser verändern – mit einem Hinweis auf die steigende CPU-Last. Dazu später noch ein paar Worte.
  5. Als fünfter Punkt bieten die Einstellungen noch den CanOpener, einen Kopfhörer-Prozessor. Er bietet die Möglichkeit, den Winkel der Boxen zu modellieren, Trennfrequenzen für Höhen und Bass festzulegen und die Balance zu verschieben.

Was sich bei Fidelia übrigens nicht einstellen lässt, ist die Sprache. Die Software ist ausschließlich in Englisch erhältlich, Lokalisierungen gibt es (noch?) nicht.


Klang

Nachdem nun alles eingelesen, die Spalten sortiert und der Player organisiert ist, lassen wir ihn endlich seinen Dienst verrichten und drücken Play – doch bevor wir den Klang beschreiben, muss noch ein kleines Fensterchen erwähnt werden, dass bei jedem Titel-Wechsel den folgenden Titel als Meldung oben rechts im Monitor anzeigt. So, nun aber Ohren auf:

Der Titelsong vom 9Bach Album Anian spült mit Fülle aus den Lautsprechern, lässt es aber im Vergleich mit Audirvana Plus 3 an Fokussierung missen. Die Bühne ist bei Fidelia breiter, aber der Gesang ebenso. Hm, einen so deutlichen Unterschied hatte ich nicht erwartet.

Commit a Crime vom jüngsten Rolling Stones Album Blue & Lonesome klingt spritzig, aber leicht verschleiert. Auch hier liefert Audirvana mehr Brillanz und Transparenz.

Appear von John Metcalfes Album The Appearance of Colour spielt seidenweich und gebunden aus den HD 311 Retro, die Violine ist ortbar und natürlich, das Piano aber steht gespreizt auf der Bühne. Nun gibt es in der Realität keine gespreizten Pianos. Und in der Realität ist Appear nicht seidenweich. Fiedlia verschluckt Transiten ebenso wie die Atemgebäusche von Metcalfe und die raspeligen Bogenklänge selbst im Anstrich des zweiten Durchgangs, in dem sie besonders gut zu hören sind.

Und Klassik in Vollausstattung? Der zweite Satz von Brahms Deutschem Requiem mit dem Titel Denn alles Fleisch, es ist wie Gras in der Einspielung des LSO unter Valery Gergiev klingt sehr warm und kuschelig. Die Zischlaute des Chores sind gedämpft, das gilt aber auch für die Bläser und die Details wie den hörbar vibrierenden Anstrich der Bässe gleich zum Auftakt. Um ihn und andere Details zu bekommen, die andere Player auch bei geringer Lautstärke sichtbar aufliefern, ist bei Fidelia großzügige Zimmerlautstärke notwendig.

Wechseln wir das Genre: Peckinpah vom Stone Sour Album House of Gold and Bones 2 ist dicker fetter Heavy Metal. Und das passt: Kompromisslos rund und breit hauen Bassdrum und Bass zur Begrüßung aus den Boxen und auch der Rest lässt sich nicht lumpen. Corey Taylors rauchig-rauhe Stimme hat Körper und Druck, die Gitarren sind griffig, aber nicht giftig, das Keyboard schafft soliden Unterbau ohne fiepsiges Generve, die offene Hi-Hats rasseln, statt zu scheppern, selbst wenn die Lautstärke gehörgefährdendes Niveau erreicht. So macht Metal Spaß.

Das selbe gilt für Progressive Rock: Anesthetize vom Porcupine Tree Livealbum Atlanta klingt füllig und satt. Mit Dynamik und Druck flankiert die Band Sänger und Band-Kopf Steve Wilson, dessen Stimme realistisch in den Raum ruft. Besonders das tiefe Nachschwingen der Bassdrum, das sich im Untergrund ständig wieder in den Bausch drückt, macht Spaß. Allerdings fällt auch auf, dass Fidelia die Bühne enger stellt als Audirvana und die Wiedergabe Details einbüßt, beispielsweise im Swing des Hi-Hat und an Transparenz im Double-Bassdrum Spiel von Gavin Harrison.


Die Last mit der CPU-Last


Beim Titelwechsel schnellt die CPU-Last auf gut 75 Prozent - das ist ok. Aber bei der Wiedergabe pendelt sie bei um die 43 Prozent – zu viel für mobilen Gebrauch.

Beim Titelwechsel schnellt die CPU-Last auf gut 75 Prozent – das ist ok. Aber bei der Wiedergabe pendelt sie bei um die 43 Prozent – zu viel für mobilen Gebrauch.



Fidelia klingt schön warm und ist prima rockig. Aber warum erzeugt die Software so viel CPU-Last? An der Auswahl Beste Qualität allein kann es nicht liegen. Denn selbst wenn die Wiedergabe gestoppt war, weist Apples Hilfsprogramm Aktivitätsanzeige einen Wert von konstant 41,1 Prozent aus. Das ist mehr als üppig für’s Nichtstun. Beim Wechseln von Titeln schnellt die Anzeige bis auf knapp 75 Prozent hoch, bei der regulären Wiedergabe bleibt der Wert bei rund 43 Prozent angesiedelt.

Zum Vergleich: Audirvana Plus 3 schnellt bei Titelwechseln zwar kurzfristig auf 147 Prozent, erzeugt mit der selben Playlist aber eine durchschnittliche CPU-Last von unter 3 Prozent. Im Leerlauf fällt der Prozentwert sogar auf 0 – in Worten: Null.

Nun könnte man sagen, was soll’s, Zuhause gibt’s ’ne Steckdose. Das stimmt natürlich, aber unterwegs kürzt solcher Leistungshunger das Audio-Vergnügen empfindlich ab, wenn nur der Akku des Notebooks Saft und Kraft spendet.


Fazit

Fidelia ist ein Vertreter des warmen Klangs. Statt auf analytische Hochpräzision setzt er auf Wohlfühl-Atmosphäre und das mit schönem Timbre. Das Klangbild ist natürlich, Stimmen klingen wirklich, akustische Instrumente authentisch. Ingesamt ist der Klang sehr rund und Schärfen im Diskant sind Mangelware. Den zarten Schmelz fürs Ohr erkauft sich der geneigte Hörer allerdings mit Abstrichen bei der Präzision und Feinauflösung.

Abstriche machen muss auch der mobile Nutzer, da Fidelia gerne die CPU beschäftigt. Das kostet Strom, selbst beim Nichtstun. Und auch wer sich eine Cover-Ansicht wünscht, statt in Listen suchen zu müssen, wird mit Fidelia vermutlich nicht glücklich.

Positiv ist dagegen, dass der Player fünf verschiedene Ansichten bietet – vom Mini-Player für die Bildschirmecke bis zum riesigen Klotz für eine vernünftige Darstellung bei hochauflösenden 27 Zoll iMacs.
Somit bleibt ein durchwachsenes Ergebnis: Kein Feingeist, aber auch kein Player für’s Grobe. Eher ein Power-Player für Dampf und Spaß.



testergebnis fidelia 1.6 highresmac 2017 3,5 sterne


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Produkt-Daten

Produkt: Fidelia 1.6
Hersteller: Audio Engineering
Typ: High-Res Audio-Player
Besonderheit: Geräte-Optik, 5 Player-Größen
Preis: 79,99 USD
Hersteller-Website: Audio Engineering



Audio-Setup

Rechner stationär: Mac mini
Software: Fidelia 1.6; als Referenz Audirvana Plus 3
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Kabel Verstärker > Boxen: Straight Wire Melody
Lautsprecher: Hans Deutsch HD 311 Retro
Boxen-Tuning: in-akustik Spike Pic-40 mit Protection Plate-40
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Rechner mobil: MacBook
Software: Fidelia 1.6; als Referenz Audirvana Plus 3
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: HighResMac/Tom Semmler

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