Plastik für die Ohren: Albat Handy Card

Check-Karte statt Scheck-Karte: Die Albat Handy Card zahlt mit Ohr-Gold

Check-Karte statt Scheck-Karte: Die Albat Handy Card zahlt mit Ohr-Gold



hrm_logo_15x50‘nem geschenkten Gaul schaut man nicht auf die Zähne, heißt es so in etwa. Und das selbe gilt für geschenkte Karten, besonders wenn sie das Format einer Kreditkarte haben, denn das ist fast schon wie ein Versprechen. Als ich kürzlich den Briefkasten öffnete und die Albat Holographic Sound Discs in ihrem Umschlag fand, lag dort zusätzlich eine Albat Handy Card. Auch ein Versprechen?


Allgemein

Die Albat Handy Card ist auf den ersten Blick ein nett illustriertes dünnes Stück Plastik mit einer rückseitig aufgedruckten Erläuterung. Der zu Folge leistet sie folgendes:

  • Sie lädt das Handy mit SM Energie auf
  • Sie harmonisiert negative Felder
  • Sie optimierte ganz allgemein die Funktionsfähigkeit
  • Sie sorgt für eine bessere Sprachverständlichkeit
  • Sie macht den Klang räumlicher und klarer

Das schaut nach einer üppigen To-Do-Liste für so ein kleines Objekt. Grund für Begierde? Mal ausprobieren.


Anwendung

Auch zur Anwendung steht etwas auf der Karten-Rückseite:

Platzieren Sie Ihr Handy / Smartphone für mindestens 3 Stunden ohne Unterbrechung auf der Handy-Card. Danach ist das Gerät für ca. 24 Stunden aufgeladen.

Wer mag, kann sein Telefon auch gleich mit Karte in der Handy-Hülle verpacken. Das habe ich mir aber gespart. Stattdessen einfach das iPhone über Nacht auf die Karte legen, einwirken lassen (falls da was wirkt) und am nächsten Tag:


Wirkung

Nun muss ich vorab noch etwas zu dem iPhone sagen. Es handelt sich beim Test-Opfer nämlich um ein inzwischen in die Jahre gekommenes iPhone 4s, das weder zu den High-Performern in Sachen Klanggüte gehört noch besonders eifrig wäre, wenn es darum geht, auf Eingaben zu reagieren – die stetigen Updates des Betriebssystems haben offenbar ausreichend Hemmschuhe in das Gerät geschaufelt, um es auszubremsen. Und ganz nebenbei wird es sich einfach hier und da ein bisschen verbraucht haben, schätze ich mal. Neben der Performance-Drosselung durch Apple selbst, dankeschön. Nun aber losgetestet.

Die erste Aktion ist natürlich, das iPhone zu entsperren. Das funktioniert noch ganz altmodisch ausschließlich über das Display: Pfeil nach rechts schubsen, Zahlencode eingeben, warten, staunen und bewundern. Klappt weiterhin. Das ist schön. Allerdings ist es auch schön, weil die Finger noch etwas Handcreme drauf haben, und da streikt der Eingabe-Versuch bisweilen und hartnäckig. Dieses Mal: Nicht. Hm… – Zufall oder Karten-Effekt?

Widmen wir uns iTunes, Apples hauseigenen Ton-Shop, der im Rahmen einer fast vergessenen Nebentätigkeit auch mitgebrachte Klänge wiedergibt. In diesem Fall sind das durchgängig ALAC-Files in 44,1 kHz und 24 Bit oder WAV-Files mit 44,1 kHz und 16 Bit, denn mehr kann der kleine weiße Taschen-Rechner nicht. Sollte aber trotzdem reichen.



Kleingedrucktes in übersichtlich: Was zu tun und zu erwarten ist, lässt sich auch knapp zusammen fassen

Kleingedrucktes in übersichtlich: Was zu tun und zu erwarten ist, lässt sich auch knapp zusammen fassen



Der Klang des iPhone ist merklich gestiegen, seit ich die Beyerdynamic Xelento Remote verwende. Ein bisschen kann der DAC-Chip also schon. Vollständig berauschend ist die Wiedergabe dennoch nicht. Das ist ganz ähnlich mit den Koss Sporta Pro, die ich, wie der Name sicher ahnen lässt, bevorzugt beim Sport verwende, weil sie beim Laufen keinen Trittschall ins Ohr stampfen, leider aber etwas dumpf sind – anders als bei ihrem Bruder Porta Pro ist ihr Gehäuse quasi-geschlossen. Und mit diesen Kopfhörern erfolgt der erste Hörversuch.

Das Ergebnis: Interessant. Die bisher eher dumpfen Sporta Pro leben merklich auf. Sie bieten plötzlich auch Mitten und Diskant in veritablem Umfang. Die Musik ist heller und offener, spielt leichtfüßiger und wirkt ausgeglichener. Anesthesize vom Porcupine Tree-Album Atlanta spielt mit signifikant mehr Detail ins Ohr, ist weiter und der bisher arg betonte Punch ist gemildert. Nun ist das Album nicht gerade ein Meisterwerk der Mischkunst, so dass vielleicht eher etwas klassisches ans Ohr sollte – und auch gleich die Kopfhörer tauschen und die Xelento Remote einbeziehen. Also gut:

Denn alles Fleisch, es ist wie Gras, der zweite Satz aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms eingespielt vom London Symphony Orchestra unter der Leitung von Valerie Gergiev, bietet ausreichend Klangfülle, Bühne, Dynamik und Detail. Auch auf dem Handy-Oldie? Die Antwort ist eindeutig: Ja, wenn auch nicht in Hi-End Güte, aber das wäre auch ein Witz. Die Violinen sind voll und prägnant, aber nicht scharf. Der Chor singt differenziert und seine Crescendo-Passagen stark, ohne zu brüllen oder zu verzerren. Er intoniert auf weiter Bühne, was die Differenzierung der Gruppen und sogar einzelner Stimmen erleichtert. Nur etwas mehr Bauch könnte die Darbietung vertragen. Ein Karten-Effekt?

Fragen wir Jan Delay. Sein Album Hammer und Michel ist kräftig genug gemischt, um Druck aufzubauen, falls dazu jemand bereit ist. Die feinfühligen Xelento Remote neigen zwar eher zu Filigran-Operationen, die Albat-Soundtechnologie zu holographischen Klangbildern, luftig, offen, weit und entschlackt, das iPhone 4s neigt zu… – sei‘s drum. Soll Jan mal machen…

Zuerst muss ich flugs die Lautstärke aus dem geröteten Bereich der eher leise eingespielten Brahms-Aufnahme runter in die weißen Kästchen regeln, denn Pop ist einfach lauter in der Wiedergabe. Und die Wiedergabe selber ist beeindruckend: Liebe ist toll differenziert. Das Schlagzeug in seinen Einzelteilen ist realistisch im Hintergrund aufgestellt, der Bass drückt schön von unten, die Gitarre zerrt definiert von leicht rechts. Und in der Mitte vor diesem feinen Klang sing Delay sehr körperlich und nah. Über Lautsprecher würde man sagen „er steht direkt im Raum“. Den gibt‘s bei Kopfhörern allerdings nicht.

Was ich gerade schon andeutete: Die Lautstärke pendelt sich generell um ein bis zwei Kästchen unterhalb der sonst gewählten Stellung ein, so als liefere das iPhone mehr Leitung an seine 3,5 mm-Klinkenbuchse. Und das gilt auch für Telefonate, die analog zur Musik definierter und klarer ans Ohr kommen, auch über den eingebauten Lautsprecher des Telefons. Zudem ist die Verbindung besser, wenn ich Gespräche im Büro annehme – das hat eine denkbar schlechte Funkversorgung mit zum Teil -110 dB, also praktisch am Verbindungsabbruch.


Fazit

Die Albat Handy Card ist ein überraschendes Stückchen Plastik. Sie scheint tatsächlich etwas zu verändern, und das sogar in Richtung des Guten. Generell wird Klang, sei es von Musik, sei es beim Telefonat, definierter, klarer, offener und damit verständlicher. Die Oberfläche des Telefons reagiert meist fixer und verlässlicher, und auch die Verbindungsqualität ist besser, selbst unter den schlechten Bedingungen in meinem Büro.

Damit hält die Albat Handy Card tatsächlich die gemachten Versprechen: verbesserter Klang, verbesserte Gesprächsqualität, bessere Verbindungsqualität. Nur die Frage der Funkbelastung kann ich nicht klären – das passende Messgerät fehlt leider.


Abbildungen: HighResMac



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