Piazolla aufgefrischt: Tomás Cotik – Legacy

Mit Legacy zeigt Tomás Cotik, wie sich SPielfreude und Sensibilität mit Piazolla vertragen und neue Einblicke in den Tango Nuevo bieten

Mit Legacy zeigt Tomás Cotik, wie sich SPielfreude und Sensibilität mit Piazolla vertragen und neue Einblicke in den Tango Nuevo bieten



hrm_logo_15x50“Astor hätte das anders gespielt!” Meine innere Tante Maulig war sofort zur Stelle, als die ersten Klänge von Tomás Cotiks neuem Album Piazolla ertönten. Und die alte Dame zu bändigen war gar nicht so einfach. Sie springt immer gleich auf, wenn sie meint, früher sei alles besser gewesen, zumindest das, was von früher in vernebelter Erinnerung oder auf analogen Klangträgern herüber gerettet wurde. Und die jedweder Variation über ein Thema von A bis Z wenig aufgeschlossen gegenüber steht, wenn das Thema nicht von Paganini und der Variator Sergej Rachmaninov ist. Aber auch das – und hier stellt sie sich selbst ein Bein – ist von früher und zählt darum nicht.

Es galt also, erst einmal eine längere Diskussion in Gestalt eines inneren Dialogs zwischen aufgeschlossenem Ich und zugeknöpftem Tanten-Ich zu bestehen, bevor sich das Ohr relativ unbefangen dem Genre Tango in der Interpretation des Argentiniers Cotik nähern konnte. Aber: Das Ohr und ich, wir haben es geschafft. Zum Glück.

Cotik, gerade habe ich es geschrieben, ist Argentinier. Er ist auch Professor für Violine an der Portland State University. Und er ist relativ jung. Das spricht für eine spannende Mischung aus Wissen, Temperament und Mut. Und Cotik enttäuscht nicht.

Ja, Piazolla hat das anders gespielt. Nicht so knackig. Nicht so straßig. Nicht so echt. Und nicht so reduziert. Denn Piazolla spielte mit einer Band. Cotik hat den Pianisten Tao Lin an seiner Seite. In manchen Stücken dazu auch Jeffrey Kipperman am Kontrabass, Alfredo Lerida als Sänger und Alex Wadner und Bradley Loudis als Percussionisten. Und gemeinsam melken sie die Essenz piazollaschen Tangos aus den Noten.

Nehmen wir Escualo. Das Auftaktstück ist fix im Tempo, und das durchgehend. Wo Piazolla oder auch Gideon Kremer im Mittelbereich das Tempo rausnehmen und Besinnlichkeit Platz einräumen, rauschen Cotik und Lin in einem Zug weiter. Das irritiert für den Moment, hat aber Logik und führt Piazolla näher an den Tanz, was Tango ja eigentlich ist.

Vardarito dagegen atmet auch mal aus, bekommt eine Verschnaufpause, sehr reduziert und lyrisch von der Geige, sehr reduziert und sensibel vom Piano flankiert. Und dann setzen alle wieder ein, die Percussion, der Bass, das Piano, die Violine, jeder legt sich ins Zeug und die Musik pulst lebendig weiter.

Wer das große Gefühl sucht, taucht für sechs Minuten in Milonga del ángel ein. Denn Gefühl und Sensibilität können Cotik und Lin auch, und hier erzählen sie weit mehr als dass sie spielen.

Und im Gegenzug überraschen Las cuarto estaciones poereñas mit Tempo, aber auch einer in Teilen ungewöhnlich klingenden Percussion. Der Frühling schwingt sich munter auf, flattert dann lyrisch wie ein Schmetterling druch die Partitur,w während das Piano dunkelgrummelt, kurz vor der Explosion der bunten Blütenpracht. Die dann natürlich durchbricht. Der Sommer liegt schwer und dunkel im Ohr, wird schneller, drückt weiter – was Instrumente erzählen können, ist schon beachtlich.

Nun bin ich kein ausgeprägter Tango-Theoretiker, auch wenn ich Piazolla mag. Und in akademischer Präzision kann ich das Spiel Cotiks und seiner Mitstreiter nicht beurteilen, bewerten und verschubladen. Als Piazolla-Möger aber kann ich es – und verzichte auf die Schublade.

Stattdessen freue ich mich an einer sehr transparenter Akustik. An natürlich klingenden Instrumenten, denen man mitunter fast in den Bauch guckt. An einer aufgräumten Staffelung. Und das, weil all dieses die reduzierte, leicht raue und direkte Interpretation der Musiker erst recht zum Ausdruck bringt. Ihre Sensibilität, ihr intelligentes Zusammenspiel und das hieraus resultierende Erzähl-Potenzial aus dem Klangbild.

Auch so kann Piazolla Vergnügen bereiten: Als echt. Endlich mal.


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Album-Daten

Titel: Legacy
Interpret: Tomás Cotik
Genre: Tango
Label: Naxos
Jahr: 2017
Spielzeit: 1.03:48 min
Format: AIFF 44,1/16 (CD)
Preis: 9,99 Euro
Zu finden bei Amazon




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Technik-Tuning:
Geräte-Tuning: je 1 Albat Manufacturer Test Chip
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
DAC-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: Audio Selection Creaktiv Sound Control Base
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Rack-Tuning: Creaktiv Erdungs-Set ci2p
Lautsprecherkabel-Tuning: inakustik Referenz Cable Base
Lautsprecherkabel-Tuning: Albat LMC Loudspeaker Cable Chips
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev
Stromleisten-Tuning: creaktiv Netzstecker mit ci2p-Technologie
An diversen Stellen: biophotone Magic Akasha Sound Chips

Raum-Tuning:
E-Smog: Kemp Elektronik Schumann Resonanz Plug
Strom: Gigawatt Sicherungs-Automat G-C20A
Strom: Gigawatt Steckdose G-044
Strom: HiFi-Tuning Fremdgeräuschzerstörer & Quantenstecker
Raum: Creaktiv Air Field-Equalizer

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Beyerdynamic Xelento Remote
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildungen: Naxos


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