Peter Gabriel – And I’ll Scratch Yours

peter_gabriel-and_i_ll_scratch_yours

hrm_logo_15x50Und jetzt die Retour-Kutsche: Nachdem Peter Gabriel vor drei Jahren mit „Scratch my back“ Coverversionen seiner Lieblingskollegen eingespielt hat, dürfen diese sich jetzt an seinen eigenen Stücken versuchen. Und wie das so ist, meist sind die Coversongs nicht da, wo das Original ist. Sei es, weil die Erwartung des Zuhörers einfach zu sehr auf den ursprünglichen Klang fixiert ist. Sei es, weil Künstler nicht ohne Grund unterschiedliche Dinge komponieren, die nicht ohne weiteres austauschbar sind, und der Stil des einen für das Lied eines anderen schlicht nicht passt. Ganz so schlimm ist „And I’ll Scratch Yours“ dann doch nicht, ein paar Songs sind durchaus hörenswert.

Die Liste der Interpreten ist illuster: David Byrne, Kopf der Talking Heads, ist ebenso vertreten, wie Gabriel-Entdeckung Joseph Arthur, Randy Newman, Elbow, Brian Eno, Lou Reed, Paul Simon und einige mehr. Insgesamt haben zwölf Musiker je ein Stück aus Gabriels Feder bearbeitet und interpretiert. Das öffnet manchmal neue Blicke auf altbekanntes, manchmal geht es auch schlicht in die Wicken.

Fehlschläge gibt es zum Beispiel bei „Not One Of Us“ von Stephin Merrit, der mit ältlichem Synthie-Pop und singenden Aliens kaum Atmosphäre aufbaut, die auch Stimmung erzeugt. Auch der Opener des Albums, „I Don’t Remember“ von David Byrne, funktioniert nicht recht. Der Versuch, die eher schleppenden Gabriel-Komposition mit Burning-down-the-House-Stimmung zu peppen, schafft weder klanglich noch musikalisch einen Hauch von Gewinn.

Im Mittelfeld bewegt sich unter anderem die Interpretation von Mercy Streets duch Elbow, den ich wie übrigens auch David Byrne durchaus schätze. Elbows Ansatz krankt an zu großer Nähe am Original, stimmlich wie von der Stimmung. Da kann man auch zum Original greifen. Josep Arhurs Versuch, mit stehenden, angezerrten Gitarren Shock the Monkey zu reanimieren, ist das schon interessanter, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Spaßig sind dagegen die Ideen, mit denen sich Lou Reed des Songs Solsbury Hill annimmt. Der Senior des Interpretenfeldes tut einfach so, als wäre es sowieso sein Song gewesen und plaudert das Stück lapidar ins Mikrofon, wobei sein mitunter leicht gähnender Gesang fast schon wie ein Kommentar wirkt. Anders Randy Newman, der auslotet, wie dehnbar Big Time tatsächlich ist, und zu einem munteren Ergebnissen kommt, dass ebenfalls – dem Projekt angemessen – ein bisschen ironisch klingt.

Durchweg gelungen sind die Versionen der beiden Frauen im Feld Blood of Eden, gesungen von Regina Spektor, weil sie das Stück akustisch in eine andere Atmosphäre überträgt und den Fokus so viel mehr auf den Text verschiebt. Ein lohnendes Experiment. In die andere Richtung ist Feist erfolgreich. Sie reduziert Don’t Give Up intrumental, bleibt sonst aber nah am Original. Das zusammen mit ihrer Frauenstimme für die Strophe im Dialog mit Timber Timbre als Sänger für den Refrain schafft eine neue Perspektive und hält überzeugend die Balance.

In Summe ist And I’ll Scratch Yours ein Cover-Sammelsurium von Peter Gabriel Songs und durchwachsene Kost. In CD-Qualität mit 44,1 kHz / 16 Bit FLAC oder ALAC ist es akustisch im höherwertigen, aber nicht im hochwertigen Bereich angesiedelt. Wesentlichen Zugewinn hätte aber auch das nicht gebracht.


Album-Daten

Album: And I’ll Scratch Yours
Interpret: Peter Gabriel
Genre: Rock
Label: Society of Sound
Jahr: 2013
Spielzeit: 54:43 min
Format: FLAC 44,1/24
Preis: Im Jahresabo für 40 Euro enthalten
Zu finden bei Society of Sound

Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Society of Sound

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