OffTrack(s) ’19: Fünf andere Alben – nicht nur zu Weihnachten

 

 

 

Doppelschlag: Robin Ticiatti – Duruflé Requiem – Debussy Nocturnes

hrm_logo_15x50Wenn „Requiem“ im Programmheft steht, ruften die meisten sofort Mozart! Wenn das nicht stimmt, folgt schnurstracks Brahms. Und gibt es die Ergänzung „ein Franzose“, ist die Reaktion „Ah, Faure!“ Aber das ist immer noch falsch, denn auch Maurice Duruflé hat ein Requiem komponiert, das Robin Ticciati jetzt für Linn Records eingespielt hat. 

Duruflé lebte von 1902 bis 1984, sein Requiem veröffentlichte er 1947 als Requiem Op. 9  – es ist eines von überhaupt nur 14 Werken, die der Komponist zu Lebzeiten freigab, obwohl er lange Jahre kompnierte. Ein Perfektionist? Vielleicht.

Sein Requiem ist in jedem  Fall so klang- wie gefühlvoll in Ton gesetzt. Und dazu ist es kein Trauermarsch, sondern hoffnungsvoll – keine schlechte Botschaft, zumal kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Ticiatti nimmt diese Stimmung auf und überführt sie mit Chor, Orchester und Solistin zu einem Klangerlebnis von seltener Güte.

Doch was führt den sakralen Durufé mit dem atheistischen Debussy auf ein gemeinsames Album? Es ist die französische Geschichte, genauer die typisch französische Polyphonie in der Komposition, die bis zurück in das späte zwölfte Jahrhundert zu Léonin und Pérotin und der Schule von Notre-Dame zurückreicht.

Debussys Nocturnes sind ein Orchesterwerk, bei dem nicht sicher ist, wann genau es entstand und die Vermutung besteht, sein erster Teil Nuages beziehe sich auf zwei Gemälde von James McNeill Whistler: Nocturne Blue and Gold – Old Battersea Bridge und Nocturne Blue and Silver – Chelsea.

Debussys Nocturnes sind für ein großes Orchster geschrieben, obwohl er mit einem solchen gar keine Erfahrung hatte. Dennoch ist sein Gefühl für Klangbalance und Harmonie exzellent und die Komposition perfekt austariert.

Ticciati hat den französischen Dopplepack Duruflé und Debussy  gemeinsam mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin, dem Rundfunkchor Berlin und der Mezzo-Soranistin Magdalena Kožená eingespielt. Die Aufnahme ist fantastisch, sehr offen und klar, sie stellt für Duruflé ein Kirchenschiff in den Raum, gefüllt mit Chor, Orchester und sensibel in den Hintergrund gerückter Orgel. Debussy bekommt ein fein ausdiffereziertes Orchester, das den Glanz seiner Komposition in ein adäquates Klangbild überführt.

Das Urteil? Ein Ohrenschmaus nicht nur zum Fest.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (No Ratings Yet)


Album-Daten

Interpert: Robin Ticciati, Deutsches Symphonieorchester Berlin, Rundfunkchor Berlin, Magdalena Kožená
Titel: Duruflé Requiem – Debussy Nocturnes
Genre: Klassik
Label: Linn Reocrds
Jahr: 2019
Spielzeit: 1.05:01 min
Format: FLAC 192/24
Als digitales Album für £15 bei Linn Records



Abbildungen: Linn Reocrds


icon artikel mailen

Das könnte Dich auch interessieren …