Update mit Sparschwein: Audirvana Plus 3 integriert eigenen MQA-Decoder

Audirvana Plus 3: Das Upgrade bringt als Zugewinn einen MQA-Decoder, der jeden DAC für das neue Format fit macht

Ein Detail verrät es: Das Upgrade auf Audirvana Plus 3 bringt als Zugewinn einen MQA-Decoder, der jeden DAC für das neue Format fit macht



hrm_logo_15x50Als erster Audioplayer im Markt integriert seit heute das neue Audirvana Plus 3 einen eigenen MQA-Decoder. Damit lassen sich erstmals MQA-codierte Musikfiles ohne speziellen MQA-fähigen DAC abspielen. Das ist prima gleich in doppelter Hinsicht: Die Software ist signifikant günstiger als ein DAC. Und dank Mac-eigener CPU kann der Decoder prinzipiell besser arbeiten. Wie der Player klingt und was MQA bringen kann, durften wir anhand des Release-Candidate testen.

Erst vor wenigen Wochen hat Damien Plisson ein Update für Audirvana Plus 2 vorgestellt, bei dem er die Performance der Datenbank erheblich beschleunigt hat. Dann folgte zum Start der CES die Ankündigung einer MQA-Integration. Jetzt folgt ein Upgrade auf Audirvana Plus 3. Die wesentliche Neuerung: Audirvana kann jetzt selber MQA-Files decodieren. MQA?



MQA

MQA wurde von Meridian-Mitgründer Bob Stuart und Peter Craven entwickelt und vor zwei Jahren vorgestellt. Das Verfahren soll authentischen Klang liefern und insbesondere die analoge Authentizität akustischer Instrumente in bisher nicht erreichter Qualität wiedergeben. Verarbeiten konnten entsprechende Files bisher nur eigens ausgestattete DACs, von denen es wenige gibt. Das liegt zum Teil auch daran, dass MQA die Nutzung des Verfahrens für Hardware, Software und auch für die Anbieter der MQA-Files mit Lizenzgebühren flankiert.

Die Preise für Audirvana Plus 3 werden daher gegenüber Audirvana Plus 2 leicht steigen:

  • Upgrade nach Erwerb ab 25.12.2016: kostenlos
  • Upgrade regulär: 34,00 EUR + MwSt.
  • Neukauf: 64,00 EUR + MwSt.

Das macht gegenüber Audirvana Plus 2 einen Aufschlag von 5 Euro bei Neukauf und von 3 Euro bei einem Upgrade. Netto, versteht sich.



Veränderungen

Dass Audirvana das MQA-Verfahren integriert hat, fällt auf den ersten Blick überhaupt nicht auf. Alles schaut aus wie gehabt, sieht man vom Lizenzierungsverfahren ab. Das erfolgt jetzt nicht mehr mit einer separaten Datei, sondern mit einem Lizenzcode. Der einzige dezente Hinweise auf den erheblichen Entwicklungs-Schritt findet sich in den Einstellungen unter Audio System und hier im Bereich Aktives Audiogerät.

Dort ist ganz unscheinbar lediglich ein Auswahlfeld hinzugekommen: No MQA device detected vermerkt es im Falle des Cambridge Audio DacMagic Plus und auch des Meridian Explorers korrekt. Rechts daneben befindet sich ein Ausklapp-Menü, das drei Auswahl-Optionen anbietet:

  • Not MQA device
  • MQA Renderer device
  • MQA Decoder device



Die erste Einstellung ist für alle DAC gedacht, die nativ MQA nicht unterstützen. Der zweite Eintrag ist für Geräte wie den Meridian Explorer 2, die selber decodieren können, der dritte entsprechend für Geräte wie den Audioquest Dragonfly Black oder Red, die zwar nicht decodieren können, wohl aber die decodierten Daten rendern, also korrekt zu einem Klangbild zusammenfügen.

Ausklappen und auswählen: Audirvana Plus 3 bietet drei Optionen für die Integration von MQA in die eigene HiFi-Kette

Ausklappen und auswählen: Audirvana Plus 3 bietet drei Optionen für die Integration von MQA in die eigene HiFi-Kette



Grün und blau

Ebenfalls über der Haube, und zwar im regulären Player-Fenster, findet sich ein weitere Hinweis auf MQA. Wird ein entsprechend codiertes Stück abgespielt, erscheint neben den Angaben zu Dateityp, Samplerate und Bittiefe ein kleines MQA-Logo nebst einem Indikator:

Grün bestätigt: Dies ist ein MQA-File
Grün bestätigt: Dies ist ein MQA-File


Blau besagt: Der Musiker hat diesen File autorisiert
Blau besagt: Der Musiker hat diesen File autorisiert

Aber ist das Thema MQA wirklich so einfach? Kurz die Preferences justieren, einen passenden File auswählen, auf Play drücken und auf das farbige Lämpchen warten. Für High-Res klingt das schon sehr simpel und provoziert geradezu die Frage: Bringt MQA klanglich wirklich etwas?



Vergleichsmaterial

Prinzipiell lassen sich MQA-Files auch ohne MQA-Decoding abspielen, sie liefern dann allerdings nur einen Klang, der unwesentlich besser als CD-Qualität ist. Sagt der Hersteller.

Um den Unterschied von MQA-Files gegenüber regulären Audio-Files beurteilen zu können und um zu hören, welcher Vorteil sich möglicherweise aus dem Verfahren ergibt, haben wir neun Stücke aus der Testbench des Labels 2L herunter geladen, und zwar jeweils in den Formaten MQA, FLAC 192/24 resp. FLAC 176,4/24 sowie – falls verfügbar – als FLAC 44,1/16, also in CD-Qualität. Es sind:

Interpret Album Stück MQA FLAC Std.Ma. FLAC CD Genre Instrumentierung
Engegård Quartet String Quartetts vol. I Haydn – Solberg – Grieg Haydn String Quartet In D Op. 76 No. 5 – Finale – Presto x x x Klassik Streichquartett
Hoff Enselble Quiet Winter Night Blågutten x x x Jazz/Easy Listening Piano – Trompete – Bass – Gesang
Jan Gunnar Hoff Living Living x x x Jazz Solo Piano
Marianne Beate Kielland & Sergej Osadchuk Come Away Death Finzi: from Let Us Garlands Bring op.18 Come Away Death x x Klassik Sopran & Piano
Nidarosdomens jentekor & TrondheimSolistene Magnificat Arnesen: Magnificat 4. Et misericordia x x x Klassik Orchester Chor Sopran Orgel
Ola Gjelio Piano Improvisations Ubi Caritas x x x Jazz/Easy Listening Solo-Piano
Ola Gjelio Stone Rose North Country II x x Jazz/Easy Listening Solo-Piano
Tone Wik & Barokkanerne Bellezza Crudel – Vivaldi Vivaldi Cantata Rv 679: Che Giova Il Sospirar – Povero Core – Recitativo II x x x Klassik Barock-Orchester – Sopran
Tone Wik & Barokkanerne Bellezza Crudel – Vivaldi Vivaldi Cantata Rv 679: Che Giova Il Sospirar – Povero Core – Aria: Cupido Tu Vedi x x x Klassik Barock-Orchester – Sopran
TrondheimSolistene Divertimenti Britten: Simple Symphony Op 4: I. Boisterous Bourree x x Klassik Orchester
TrondheimSolistene Reflections Frank Bridges Variations: 4. Romance x x x Klassik Streicher



MQA vs. Studio Master FLAC

Gegenüber Studio Master FLAC-Files wirkt MQA-Decoding feinfühliger und geschmeidiger. Die Töne fügen sich natürlich an- und ineinander. Magnificat präsentiert sich mit mehr Fülle im gesamten Klangspektrum und wirkt dabei wärmer und zarter. Ähnlich auch Blågutten des Hoff Ensembles, das als MQA voller und zugleich weicher erscheint, aber dennoch detailreich aufspielt.

Freuen wird sich auch, wem manche Höhen zu spitz in die Ohren stechen: MQA erspart dem Hörer akustische Nadelspitzen im Trommelfell, gut hörbar beispielsweise im Ausklang der Frank Bridges Variations: 4. Romance des Albums Reflections, das in einem langgezogenen Violinenton endet. Auch der Auftakt von Brittens Simple Symphony Op 4: I. Boisterous Bourree aus dem Album Divertimenti ist weniger kantig und bietet statt dessen ein kleines Plus an harmonischer Frequenzfülle.

Auffällig wird der Umgang mit prominentem Diskant auch beim Auftakt des Haydn String Quartet In D, Op. 76, No. 5 – Finale – Presto: Der dynamische Anstrich klingt bei MQA natürlicher bis in den Nachhall hinein, der zudem mehr Klangfülle aufweist. Die Violinen bieten mehr Holz, das Cello glänzt durch zusätzliche Mitten, der Gesamtklang ist luftiger – und das gegen eine ehedem schon fantastische FLAC 192-Einspielung.

Generell zeigt sich mit MQA-Decoding eine Spur mehr Fülle im Bass und ausgewogenere Mitten, zumal im unteren Bereich. Das Harmoniegefüge der Musik scheint bei dem Verfahren besser aufgehoben, so wie auch wie auch die Authentizität akustischer Instrumente und Stimmen. Dazu ist oft ein feines Plus an Transparenz zu bemerken. Und dieser Genuss ist dank Audirvana Plus 3 ohne dedizierten MQA-DAC zu haben.



MQA vs. CD Files

Auch gegenüber Files in CD-Auflösung zeigt MQA-Decodierung Vorteile. Hier allerdings weniger in Fragen schriller Höhen, sondern in der Detailfülle, -tiefe und der Räumlichkeit. Die MQA-Files klingen luftiger und offener, der Klang entfaltet sich frischer und natürlicher, die gesamte Präsentation ist voller und klangreicher.

Das Plus an Räumlichkeit und Auflösung verrät Et misericordia bereits nach Sekunde 0:10, wenn die Streicher zum zweiten Durchgang ansetzen und die tieferen Lagen präsenter und raumfüllender aufspielen. Auch Romance der Frank Bridges Variations klingt offener und durchhörbarer, mit vielfältigeren Klangnuancen und feinen Transienten wiederum beim Ausklang. Die werden von der 44,1 kHz Aufnahme dezent unterschlagen.

Insgesamt klingen CD-Files im Vergleich – und wenig überraschend – schmalbandiger, wenn auch auf bereits recht hohem Niveau. Die MQA-Aufnahmen wirken dagegen nicht so gestopft, wobei sich dieser Eindruck nur im direkten Vergleich einstellt – wie bei den etwas schrilleren Höhen der Studio Master FLACs auch. Für sich abgespielt sind auch die CD- und Studio-Master Aufnahmen sehr gut und mit Freude hörbar. Bis MQA ins Spiel kommt…



…und dann noch Tidal

Dass Audirvana seit Version 2.5 den Streamingdienst Tidal integriert, haben wir schon berichtet. Mit Jahresbeginn hat Tidal auch MQA-Files im Programm, was besonders für all jene interessant ist, die bisher noch keine MQA-Files haben – oder erst mal hören möchten, ob es wirklich so viel toller ist und sich die Investition lohnt.

Die Tidal Masters, wie der Dienst sein MQA-Angebot betitelt, finden sich bei Audrivana Plus 3 in drei Schritten:

  1. In der linken Seitenleiste des Players unter Tidal den Bereich Neuheiten anklicken.
  2. Im Startfenster ober links das Aufklappmenü anklicken, das per Default auf Neu steht.
  3. Ist es aufgeklappt, bietet es als letzten Punkt Masters an. Diesen auswählen und schon stehen aktuell (Anfang Februar 2017) 440 Alben zur Verfügung.

Audirvana Plus 3 integriert auch das MQA-Streaming von Tidal

Audirvana Plus 3 integriert auch das MQA-Streaming von Tidal



Das Angebot umfasst vor allem Klassik, Jazz, Rock und Pop. Bei den Alben reicht die Spanne von älterem bis zu aktuellen Charts. Zu finden sind unter anderem Ray Charles und John Coltrane, Jethro Tull, ELP, Deep Purple, Led Zeppelin, Iron Maiden, Yes, Madonna, The Smiths, Phil Collins, David Bowie, Coldplay, Blur, Jason Derulo und sogar Biffy Clyro. Das ist schon einiges, wenn auch bei weitem nicht alles, denn bis auf Warner Music hat noch kein weitere Pop- und Rock-Label MQA lizenziert. Doch was vorhanden ist, lässt sich über Audirvana Plus 3 problemlos streamen.



Kritik an MQA

Wer auf Facebook den Account von HighResAudio verfolgt, wird gesehen haben, dass der Audio-Shop kürzlich alle MQA-Files aus dem Angebot genommen hat. Hintergrund ist, dass HRA nach verschiedenen Messungen zu dem Ergebnis gekommen ist, dass MQA nicht, wie vom Anbieter behauptet, lossless ist, sondern ein verlustbehafterter Codec, der unter anderem die Bit-Tiefe reduziert und in den hohen Höhenlagen ab 17.000 Hertz verzerren kann. Unterlagen, die HRM zur Verfügung stehen, bestätigen diese Vermutungen, ein Artikel hierzu folgt in wenigen Tagen.

Gleichfalls kritisiert wird, dass MQA selber kein Messverfahren zur Verfügung stellt, um die Files kontrollieren zu können, und ferner, dass MQA zu lizenzieren ist, und zwar von jedem, der es verwenden möchte. Damit sind Hard- und Softwareanbieter ebenso betroffen wie Studios und Label, die Files in MQA anbieten möchten. Der proprietäre Codec wird entsprechend nicht wie WAV oder FLAC von praktisch jedem Device vom Software-Player bis zum DAC unterstützt. MQA uss man also schon wollen, mit allen Konsequenzen.



Fazit

Audirvana Plus 3 bietet mit seinem eigenen MQA-Decoder ein weiteres Plus: War der Player bisher schon ein äußerst brillanter Vertreter seiner Art, ist der akustische Zugewinn durch MQA hörbar, und das schon bei mittlerer Lautstärke. Das Verfahren bringt mehr Natürlichkeit in die Wiedergabe und mit Audirvana Plus 3 nun sogar, ohne einen speziellen MQA-fähigen DAC kaufen zu müssen.

Wer meint, das Harmonie-Plus gehe auf Kosten des leicht kühleren analytischen Klangs, den typische Studio-Master Files liefern, braucht sich nicht sorgen. Auch der ist mit Audirvana Plus 3 zu haben, wenn der Player mit Files ohne MQA-Codierung gefüttert wird.

Erwähnenswert ist in jedem Fall, dass Audirvana schon kurz nach dem Start der MQA-Distribution durch Tidal auch diesen Service mit einbindet. Damit kann der Kauf von entsprechenden Alben entfallen – zumindest theoretisch.

Dass der Preis für den Player jetzt bei 64 Euro netto liegt, ist zu verschmerzen. Ein MAQ-fähiger DAC ist nicht unter rund 250 Euro zu haben – das kostet der Meridian Explorer 2, der vornehmlich für mobilen Betrieb gedacht ist. Und ein ausgewachsener audiophiler MQA-DAC fordert gleich vierstellige Euro-Summen ein.

Damit ist Audirvana Plus 3 der derzeit flexibelste HighRes Audioplayer für Mac OS: Zahlreiche Dateitypen integriert, drei Streamingdienste an Bord und ab sofort den Wohlklang nativ auf MQA erweitert. Ein perfektes Paket, das mit jedem DAC klingt. Und sogar mit Apple’s Core Audio allein.



Test High-Res Audio-Player Audirvana Plus 3 - Ergebnis: 5 Sterne und Referenz


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Produkt-Daten

Produkt: Audirvana Plus 3
Hersteller: Audirvana
Typ: HighRes-Audio Player Software
Besonderheit: u.a. eigener MQA-Decoder
Preis: 64 Euro (Neu), 34 Euro (Upgrade), kostenlos (bei Kauf nach 25.12.2016)
Hersteller-Website: Audirvana



Audio-Setup

Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Kabel Verstärker > Boxen: Straight Wire Melody
Lautsprecher: Hans Deutsch HD 311 Retro
Boxen-Tuning: in-akustik Spike Pic-40 mit Protection Plate-40
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: HighResMac/Tom Semmler

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