Neue (Klang-)Welt: Daniel Herskedal – The Roc

Ohrenschmaus mit Tuba: Daniel Herskedal  – The Roc

Ohrenschmaus mit Tuba: Daniel Herskedal  – The Roc



hrm_logo_15x50Jazz mit Harfe kennen wir seit Laura Perudin, nun gibt es die zweite Auflage von Jazz mit Tuba (und Viola, Chello, Piano und Percussion): The Roc heißt das jüngste Album von Tubist Daniel Herskedal, das übermorgen in den Handel kommt. Und definitiv ein Test-Ohr lohnt.

Heskedal ist der Szene spätestens seit 2012 bekannt, als er gemeinsam mit Saxophonist Marius Neset das Album Neck Of The Woods veröffentlichte. Es folgte seine ureigene Premiere Slow Eastbound Train drei Jahre später. Und jetzt also The Roc.

Zehn Titel tummeln sich auf dem Album und bieten 48 Minuten und 11 Sekunden Abwechselung vom Jazz-Einerlei-Brei mit Saxophon, Klavier, Schlagzeug und Schon-Zehn-Mal-Gehört-Langeweile.

Zwar revolutioniert Hersekdal den Jazz nicht durch noch blauere Noten, bizarrere Harmonien, vertracktere Rhythmen oder analytischere Auslotungen des nervlich belastbaren. Aber er stellt das altehrwürdige Genre trotzdem ein bisschen auf den Kopf – durch die verwendeten Instrumente.

Das wären zum Beispiel Herskedals eigenes Instrument, die Tuba. Die trantütige Großtröte. Der Akustik gewordene Trägheitsmoment. Dazu eine leicht Diskant beraubte Viola von Bergmund Waal Skaslien. Und Svante Henrysons bassgeschmälertes Chello. Hören Sie es bereits? Wenn solche eine Trias zusammen kommt, ist der Klang oben und unten nicht so dick. Dazu ist so eine Tuba nicht trompeten-wiesel-geschwind.

Komplettiert mit Eyold Dale am Piano und mit Percussionist Helge Andreas Norbakken spielt The Roc also mit zehn entspannten und spannend entspannenden Stücken auf. Gemeinsam ist ihnen eine eher ruhige Grundstimmung, ein entspannendes Frequenzspektrum und Arrangements, die vor genretypischen Phrasierungen nicht zurückschrecken, sie aber durch die Instrumentierung neu colorieren und teilweise modernisieren.

In diesem Sinne eröffnet Seeds of Language das Album mit gestrichenen Passagen, über die Eyold Dale phasenweise schon lyrische Pianopassagen tröpfelt. The Roc übernimmt mit groovigem Rhythmus und erzählerischer Phrasierung, die von Herskedels Tuba angeführt wird, unisono von Klaviertönen und manchmal auch Gesang begleitet. Und dann der Übergang in den… – Refrain? Wie man’s nimmt. Auf jeden Fall eine vollmundige Angelegenheit, bei der die Musiker Arm in Arm den Klang hochtreiben um ihn in die Solopassagen zu überführen.

Schon diese zwei Stücke reichen aus, um der Akustik des Albums zu verfallen. Ausgeprägt harmonisch und instrumentell fair abgemischt ist es, dazu prima zu durchhören, das räumliche Abbild entspricht einer mittleren Bühne mit mäßiger Tiefe, eben groß genug, um ein Quintett darauf zu platzieren, das einen Flügel im Gepäck hat. Und die Solisten sind feinfühlig in den Vordergrund gehoben, während der Rest in den Hintergrund verlagert ist, wo er dezent, doch weiterhin gut vernehmlich seiner Arbeit nachgeht. Gut zu hören beispielsweise in der Ballade Eternal Sunshine Creates A Desert.

Mit The Roc legt Daniel Herskedal einen würdigen Nachfolger für sein Debut Slow Eastbound Train vor – und ein in Summe sehr angenehm unterhaltsames Jazz-Album.


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Album-Daten

Titel: The Roc
Interpret: Daniel Herskedal
Genre: Jazz
Label: Edition Records
Jahr: 2017
Spielzeit: 48:11 min
Format: WAV 88,2/24
Preis: ab 7,99 Euro (Digitales Album mit mp3, FLAC)
Zu finden bei Bandcamp





Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7



Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Edition Records


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