Nette Idee: Marius Neset fordert Klassik mit Jazz heraus

Mit Snowmelt legt Marius Neset ein interessantes Album vor, das sowohl zwischen als auch mit Klassik und Jazz oszilliert

Mit Snowmelt legt Marius Neset ein interessantes Album vor, das sowohl zwischen als auch mit Klassik und Jazz oszilliert



hrm_logo_15x50Braucht noch jemand ein enfant terrible für den Jazz? Dumme Frage. Da der Jazz per se vollgestopft ist mit enfants terribles, muss die Frage ganz anders gestellt sein: Braucht noch jemand ein enfant terrible für die Klassik? Dann hätten wir mit dem norwegischen Saxophonisten Marius Neset eines im Angebot, denn er hat sein jüngstes Album Snowmelt mit der London Sinfonietta eingespielt. Knackige Sache, das.

Dass sich mir keiner von der Harmonie der Arches of Nature: Rainbow einlullen lässt. Aber so richtig klappt das eh nicht, schon nach 3.35 Minuten folgen die Arches of Nature: Pyramids, und die sind jazzkantig und saxophonfrechig, dass einem das Herz aufgeht. Jedenfalls wenn es für Jazz schlägt. Meines tut das, also schwelge ich mal weiter.

Es macht jede Menge Spaß zu hören, wie klassische Musiker offenbar Spaß daran haben, mit ihren Flöten zu rotzen und zu protzen und zu spielen, was das Notenblatt hergibt. Plus Herzblut. Zum Beispiel.

Temporeich, dynamisch und mit einem so expressiven wie vielfältigen Klangbild schmilzt Snowmelt aus den Lautsprechern, flink und frech und munter, dass gar keine Zeit zum Luftholen bleibt. Die Präzision lässt ebenso staunen, wie das integrative Spiel von Jazz-Musikern auf der einen und Klassik-Musikern auf der anderen Seite. Wobei, Seiten gibt es eigentlich nicht, eher „Wie spielen alle im selben Boot“.

Wäre es ein Boot, wäre das allerdings schlecht für die Bühne. Diese hier schwankt kein bisschen. Sie ist grundsolide und breit, aber nicht überspreizt. Sie lässt Raum für Transparenz in dem mitunter sehr dichten Klanggefüge, hält dafür die Tiefe etwas minimierter, so dass sich trotz allem ein eher kompakte Jazz-Gefühl erhält.

Marius Neset ist mit Snowmelt etwas gelungen, das nicht allzu häufig passiert: Ein Orchester wie eine Jazzband, eher noch wie eine Jazzcombo auf die Musik einzuschwören und in ein harmonisierendes Klangbild zu überführen, das mit Ecken und Kanten nicht spart, und trotzdem durchgängig charmant klingt. Das hat ein bisschen was von Frank Zappas Album The Yellow Shark mit dem Frankfurter Ensemble Modern. Nur dass Zappa experimenteller war, was die Noten betraf.

Trotzdem: Snowmelt von Marius Neset ist ganz klar ein Ohrenspaß für Entdecker.


Album-Daten

Titel: Snowmelt
Interpret: Marius Neset & London Sinfonietta
Genre: Jazz
Label: ACT
Jahr: 2016
Spielzeit: 52:03 min
Format: FLAC 88.2/24
Preis: 17,50 Euro
Zu finden bei HighResAudio



Audio-Setup

Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.10.5 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: ACT

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