Nachzügler: 5 Weihnachts-Tipps für schönen Klang



Die Röhre "glüht" dank LED-Beleuchtung: Für Rock & Co. ist der inLine Kopfhörerverstärker und  DAC ein prima Stimmungsmacher

Die Röhre „glüht“ dank LED-Beleuchtung: Für Rock & Co. ist der inLine Kopfhörerverstärker und DAC ein prima Stimmungsmacher



Röhrst du schön? InLine Kopfhörer-Röhrenverstärker



Nun gut, wir haben jetzt die Kopfhörer, und ein optisch, haptisch und auch sonst perfektes Kopfhörer-Stativ zum Aufbewahren ebenfalls. Was noch fehlt: Schöner Klang.

Den sollen ja angeblich Röhren liefern, wobei die glühenden Klangvermittler natürlich auch diverse Gegenstimmen animieren: Röhren röhren, sind stumpf und tumb, altern und machen sowieso mit dem Klang alles mögliche, nur nichts gescheites. Das ist dann fast schon so etwas wie Oldschool-Voodoo, wenn jemand den guten Klang der klassischen Röhre beschwört. Aber was soll das Geschwätz – einfach mal ausprobieren:

Allgemeines

Der inLine AmpUSB ist kein Vollröhren-Verstärker. Vielmehr nutzt er eine Vakuum-Röhre Typ 12AU7 / ECC82 aus chinesischer Fertigung als zentrales Verstärker-Element, die restliche Platine ist mit anderem bestückt, unter anderem einem DAC-Chip. Damit ist gesagt, dass der Amp auch ein DAC ist, und somit zwischen Computer und Anlage oder Aktivboxen geschleift werden kann. Könnte nützlich sein.

Der Verstärker füttert Kopfhörer mit einer Impedanz von 16 bis 600 Ohm und schafft maximal 210 mW ans Ohr. Sein DAC-Chip ist ein Cirrus Logic CS4392, der Signale bis zu 192 kHz und DSD verarbeitet. InLine gibt allerdings an, der AmpUSB PCM konvertiere Audiosignalen bis 384 kHz und DSD Audiosignale bis 128-fach DSD bei SACD Auflösung. DSD wird nativ oder DoP unterstützt. Die rückwärtige 3,5mm Stereo-Buchse ist zugleich ein optischer Ausgang.


Lieferumfang

Ein bisschen ist es wie Weihnachten: Ganz viel auszupacken! Der inLine AmpUSB HiFI DSD Kopfhörer Röhrenverstärker kommt mit Netzteil, USB-Kabel, einem Verbindungskabel mit 3,5mm Stereo-Klinkenstecker auf zwei Cinch-Stecker, einer Bedienungsanleitung, einer CD mit Treibern für Windows-Rechner und der Software JRiver, die ebenfalls auf den Standard-PCs zu Hause ist, sowie dem dazu gehörigen Lizenzcode.


Verarbeitung und Qualität

Prinzipiell wirkt der inLine AmpUSB HiFI DSD Kopfhörer Röhrenverstärker recht robust: Er hat ein Metallgehäuse, die Deckelplatte aus Aluminium ist an vier Stellen verschraubt, die Front bietet eine 6,3 mm und eine 3,5 mm Kopfhörerbuchse, dazu einen Drehknopf, der zum Ein- und Ausschalten und zur Lautstärkeregelung dient. Rückwärtig bietet er eine USB-B Buchse für die Verbindung zum Mac, eine weitere 3,5 mm Buchse für den Anschluss an Verstärker oder Aktivboxen und natürlich die Buchse für das Netzteil.

Die Röhre ist von zwei kräftigen verchromten Bügeln geschützt und wenn der Verstärker eingeschaltet wird von unten per LED gelb illuminiert. Denn anders als in Opas Dampfradio glüht in der Röhre selber nämlich nichts.

Allerdings schien der inLine Kopfhörer Röhrenverstärker, der uns erreichte, gebeutelt – einer seiner beiden Schutz-Bögen um die Röhre wackelte und kam dem Glaskolben bedenklich nah. Also kam vor dem Test das muntere Basteln: Röhre aus dem Kunststoff-Sockel herausziehen, Knopf vom Poti abziehen, Mutter des Potis lösen, Schrauben des Deckels lösen, Deckel abheben und die vier Schrauben der zwei Schutzbügel festziehen, denn tatsächlich waren alle vier Verschraubungen nicht richtig fest. Und bei der Gelegenheit auch gleich einen Blick ins Innere werfen. Was da zu sehen ist?

Eine dicht bestückte Platine, die auch die Gewinde für die Schrauben des Deckels trägt. Aus Kunststoff, was erklärt, warum die Schrauben etwas zäh drehten. Da ich kein Elektroniker bin, halte ich mich mit der restlichen Analyse lieber zurück.

Die Montage gestaltete sich nicht ganz so einfach, da die Buchsen offenbar mit einer gewissen Toleranz zum Gehäuse gelötet werden. Zwar nur minimal, aber ausreichend, um nicht gleich glatt zusammen zu flutschen. Geklappt hat es dann doch, so dass der inLine AmpUSB Kopfhörer Röhrenverstärker schließlich seinen Dienst antreten konnte. Das Ergebnis?


Klang

„Hm…“, könnte man sagen. Verglichen mit der sonst hier arbeitenden Lösung, die rein aus Transistoren besteht, wirkte der Klang … – anders. Und es macht den Eindruck, als müsse sich der Verstärker erst einmal einspielen. Warmspielen? Vielleicht auch das – war ja auch bei Opas Röhrenradio so. Also erst mal einen Nachmittag die Test-Playlist durchdudeln lassen. Und dann?

Gemischt. Manchmal wünschte ich mir von meinem Standard-Set-up mehr Wärme und Körper. Das schafft der kleine DAC-Röhren-Amp ganz leicht, so scheint es. Aber die Wärme geht auf Kosten der Details, der Weite und Offenheit – nicht eng geschnürt, aber kompakter gestellt. Und das kann durchaus ein Thema sein. Wie auch das andere Thema: Genre.

Unser kleiner Röhren-Freund hat Favoriten – sinniger Weise alles, was mit Röhren zu tun hat. Also den glimmenden Glaskolben, um die Gitarren zum Leben zu erwecken. Und ihre Begleiter in Gestalt von Lemmy Kilmister und Konsorten. Und da ist es egal, ob über Kopfhörer oder Verstärker gehört wird.

Rock, das kann der Kleine richtig süffig. Deep Purples Smoke On The Water vom Album Live In Japan serviert er so satt und rund an die Ohren, als stünde Richie Blackmore direkt links neben einem. Auch Alben jüngeren Datums profitieren von der Röhren-Wärme: Steven Wilson Drive Home oder Blue & Lonesome von den Rolling Stones bekommen diesen Schuss mehr Authentizität, der reinen Transistoren abgeht, und das Hörvergnügen steigert. Vorausgesetzt, man ist nicht der ausgeprägte Detail-Jäger. Denn das ist nicht die Domäne des inLine AMP USB HiFI DSD Kopfhörer Röhrenverstärker.

Im Kopfhörer-Betrieb fällt zudem noch einiges weiteres auf: Der inLine AMP USB HiFI DSD Kopfhörer Röhrenverstärker brummt. Das kenne ich zwar von Opas Röhrenradio, aber so direkt auf dem Ohr ist das nicht der Hit, denn auch wenn es im Crescendo spielend unter geht, in leisen Passagen ist es präsent. Das gilt auch für den drahtigen Singsang, wenn das eingesteckte Kopfhörerkabel des Bowers & Wilkins P7 irgendwo anstößt. Dazu rauscht der Verstärker hörbar im letzten Drittel der Lautstärkeregelung. Und das Poti bringt zuerst Ton an den rechten Kopfhörer und einen leichten Dreh später erst an den linken.


Fazit

Der inLine AMP USB HiFI DSD Kopfhörer Röhrenverstärker ist ein netter kleiner Spaßmacher, das ist schon mal sicher. Fledermausohren werden ihn zwar nicht goutieren, Rock- und Bluesfans dafür um so mehr, denn der Mini-Amp mit DAC liefert eine klasse Atmosphäre bei allem, das mit Röhren eingespielt wurde. Offenbar stimmt es in diesem Fall: Gleich und gleich gesellt sich gern. Zudem ist die Röhren-Röhre sehr klein und passt gut ins Handgepäck, falls es mal für unterwegs oder den Abend im Hotel ein bisschen mehr Klang-Charme sein darf.

Schade nur, dass der Weihnachtsmann seinen Sack nie vergisst – ein Travelcase stünde dem inLine Röhren-Amp nämlich noch gut zu Gesicht.


Produkt-Daten

Produkt: Kopfhörer-Verstärker und DAC
Hersteller: inLine
Modell: AMP USB HiFI DSD Kopfhörer Röhrenverstärker
Besonderheit: Vakuum-Röhre zur Verstärkung
Maße: 11 x 8,1 x 8 cm
Gewicht: 286 gr
Preis: 230,00 Euro
Hersteller-Website: inLine
Zu beziehen bei Amazon




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Abbildungen: HighResMac/Tom Semmler

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