Nachzügler: 5 Weihnachts-Tipps für schönen Klang

Meins: Die Beyerdynamic DT880 aus der Manufaktur zeigen eindeutig, wer mit ihnen Musik genießen möchte

Meins: Die Beyerdynamic DT880 aus der Manufaktur zeigen eindeutig, wer mit ihnen Musik genießen möchte



Design zum Fest: Beyerdynamic DT880 Manufaktur



Das Titelbild dieser Weihnachtsstrecke hat es ja schon angedeutet: Kopfhörer können viele, aber individuelle Kopfhörer? Die gibt es aktuell praktisch nur an einem Ort: In Heilbronn. Bei Beyerdynamic. Und nicht bloß als DT880 mit rotem Ring und der Aufschrift Weihnachtsmann. Wobei wir genau diesen Kopfhörer testen dürfen – selbst designt und mit Aufschrift HighResMac, versteht sich.

Allgemeines

Der Kopfhörer Beyerdynamic DT880 ist inzwischen ein Klassiker, der immer wieder überarbeitet wird. Seit einiger Zeit darf der Kunde dabei selbst Hand anlegen: mit der Manufaktur. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, seinen Kopfhörer in vielen Aspekten zu individualisieren.

Zu finden ist die Manufaktur auf der Beyerdynamic-Website für die Modelle DT880, DT990 und das Gaming-Headset MMX 300. Wir haben uns den Klassiker Beyerdynamic DT880 ausgewählt und wie folgt modifiziert:

Bügel, Gabel, Aufhängung, Gehäuse, Schlussstück, Kopfband, Ohrpolster in schwarz, den Zierring in rot, als Impedanz 600 Ohm, dazu ein 3 Meter Wendelkabel und auf dem linken Bügel natürlich eine Laser-Gravur: HighResMac.

Schade ist, dass zwar als Impedanz auch 600 Ohm gewählt werden können, aber das für das Anschlusskabel kein 6,3 mm Klinkenstecker als Option zur Verfügung steht. Die meisten Kopfhörer-Verstärker, die diese Impedanz bedienen können, haben schließlich den großen Anschluss.

Schön wäre auch, wenn das Kabel nicht fest verbaut wäre, denn dann ließe es sich später gegen ein so genanntes Hi-Res Kabel tauschen, wie es Beyerdynamic für die Tesla-Kopfhörer anbietet. Wobei die Zuleitung bei diesen hochwertigen wie -preisigen Klangbediensteten beidseitig angeschlossen sind – der DT880 erhält sein Kabel einseitig links zugeführt.



Manufaktur (links) und Realität (rechts): Der Online-Konfigurator der beyerdynamic Website vermittelt ein gutes Bild des zu erwartenden Ergebnisses

Manufaktur (links) und Realität (rechts): Der Online-Konfigurator der beyerdynamic Website vermittelt ein gutes Bild des zu erwartenden Ergebnisses



Jede Änderung stellt der Online-Konfigurator sofort dar, so dass die gewählte Kopfhörer-Optik immer direkt zu beurteilen ist. in wenigen Minuten zusammen gestellt und in einem benutzerfreundlichen Bestellprozess in Auftrag gegeben, kam die Bestätigungsmail inklusive aller gewählten Parameter gleich darauf per E-Mail an. Timestamp: 23. Oktober, 15.00 Uhr.

Beyerdynamic schreibt, man sei bemüht, jeden Individual-Kopfhörer binnen 14 Tagen auszuliefern. Der schwarz-rot frisierte HighResMac-Kopfhörer kam am 21. November per DHL – also einen Monat später. Grund war laut Beyerdynamic, dass das schwarze Schlussstück einen Lieferengpass hatte. Wer sich oder jemand anderem zu Weihnachten einen individualisierten Kopfhörer mit Namens-Gravur schenken möchte, sollte sich daher besser beeilen, falls der eigen-designte Kopfhörer pünktlich zum Fest da sein soll. Sonst wird es vielleicht zu eng.


Lieferumfang

Beyerdynamic liefert den DT880 Manufaktur komplett montiert mit dem Kabel der Wahl. Der Lieferumfang beschränkt sich aber netter Weise nicht auf den Kopfhörer als Solisten.

Er kommt vielmehr in einem Softcase, das rund 26 x 21 x 12 cm misst. Innen ist es mit einem in Form gebrachten Stück Schaumstoff aufgekleidet, das den Kopfhörer sicher umfängt und gegen Stöße von der Seite abschirmt. Für das Kabel gibt es allerdings keine zusätzlichen Assistenten, beispielsweise eine Tasche oder Hülle, damit es nicht vollständig entfesselt hin und her sausen und in den Kapseln eventuell Ungemach anrichten kann.

Der ebenfalls mitgelieferte und auf den Stecker geschraubte 6,3 auf 3,5 mm Adapter lässt sich dafür in einem von zwei kleinen Löchern im Schaumstoff beherbergen. So geht er nicht verloren, falls er mal ab muss.


Qualität und Verarbeitung

Der Beyerdynamic DT880 ist erwartbar wertig verarbeitet. Weiche Polster, angenehmer Druck am Kopf auch mit Brillenbügeln, dazu eine wertige Haptik und das Gefühl, einen langjährigen Begleiter in den Händen zu halten.

Der eigentliche Charme liegt aber in der Individualisierung. Für in unserem Fall 35 Euro extra gibt es hohe Impedanz und damit schnellere Membrane, einen roten Ring zum pechschwarzen Outfit und vor allem die gelaserte HighResMac-Gravur. Spätestens sie macht den Kopfhörer unverwechselbar. Oder wie Rammstein so schön trällern: „Es ist mein Teil!“

Allerdings gibt es ein paar Diffenzen zwischen Original und Konfigurator: Der Aluring ist nicht glänzend, sondern matt, und auch nicht satt rot, sondern verhalten rot, eben wie eloxiertes Aluminium rot sein kann. Dafür sind die schwarzen Teile durchgängig gleich schwarz und matt, so dass es wie aus einem Guss aussieht. Optisch hat der Beyerdynamic DT880 Manufaktur schon mal gewonnen. Und klanglich?


Klang

Der Beyerdynamic DT880 soll ja einen deutlichen Beyerpeak haben – also die Höhen anheben und den Bass abschwächen. Darüber lässt sich trefflich streiten, wenn diverse Kopfhörer den Bass aufschwemmen und Höhen abbügeln, um mehr Beats an die Lauscher zu schaufeln und damit eine Art hersteller-übergreifenden Normsound kreieren, der mit Musik nur bedingt zu tun hat. Und mit Hi-End überhaupt nichts.

Um die Beyerdynamic DT880 Manufaktur zu testen, haben wir sie zuerst bei mittlerer Lautstärke mit 120 Minuten rosa Rauschen beschallt und anschließend die IsoTek Burn-in- und Demagnetisier-Files in Standard- und High-Res-Auflösung über sie abgespielt, wiederum bei mittlerer Lautstärke. Damit hatten sie weitere 47 Minuten Zeit zum Trainieren. Anschließend kam die böse Wirklichkeit.

Am Verstärker angeschlossen offenbaren sie tatsächlich ein höhenlastiges Klangbild mit einem unnatürlich dicken Bass im unteren Drittel – ein klarer Fall menschlichen Versagens. Denn der Vollverstärker bespielt an seinem Kopfhörerausgang lediglich 32 Ohm Cans, er ist damit so lausig wie jedes beliebige Smartphone. Um die Güte der 600 Ohm zu erleben, ist der Anschluss an den DAC erforderlich, denn nur er hat die entsprechende Leistung in petto. Und da klingt die Sache schon ganz anders.



Sieht gut aus, hört sich gut an: Der beyerdynamic DT880 individualisiert mit der Manufaktur

Sieht gut aus, hört sich gut an: Der beyerdynamic DT880 individualisiert in der Manufaktur (und auf einem Room’s Kopfhörersativ FS Professional)



Merkte ich mal an, der Cambridge Audio DacMagic Plus sei ein kühl neutraler Vertreter? Prinzipiell mag das stimmen, mit den Beyerdynamic DT880 kann er aber ganz offenbar auch anders. Das vielfältige Klangbild überrascht und erfreut das genussbedürftige Ohr. In den Höhen vielleicht eine Spur harsch, in den tiefen Tiefen vielleicht etwas zu rund, dabei aber nie schwammig. Die Bühne mäßig weit, so dass Rock und Pop gut platziert sind, ein großes Symphonieorchester aber gerne noch einen halben Meter nach links und rechts haben dürfte. Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau.

Sometimes von Yello kommt sehr füllig in die Ohren und offenbart ein paar Details, die mir bisher nicht so deutlich aufgefallen waren. You And Your Friend von Dires Straits klingen ausgewogen, sehr nah und etwas kompakter als über die Elektrostaten, mit denen ich sonst meist höre. Ist eine Aufnahme dagegen wie Mercy Street von Peter Gabriel luftig gemischt, stellt sie der DT880 eben so dar – und die Details wie den gedoppelten Gesang verheimlicht er auch nicht.

Epistrophy von Thelonius Monk klingt aufnahme-technisch bedingt korrekt leicht in den Hintergrund eines Jazzkellers verschoben, mit authentischen Instrumenten und auch hier viel Detail wie beispielsweise den hauchenden Becken-Beiklang. Da Stimmen viel über Authentizität verraten, darf Katie Melua mit dem Gori Womens Choir The Swallow ihres Albums In Winter anstimmen. Die Vielschichtigkeit der Komposition hält der Beyerdynamic sauber auseinander, wobei die Sch-Laute des russischen Textes manchmal etwas scharf gewürzt wirken. In Summe aber trotzdem ein schönes Klangbild.


Fazit

Die Beyerdynamic DT880 Manufaktur sind bewährte Kopfhörer-Klassiker, die mit ihrem Klang begeistern können: Die von uns gewählte Variante mit 600 Ohm Impedanz ist blitzgeschwind und detailverliebt, macht bei Rock und Pop jede Menge Spaß und liefert auch Klassik und Jazz sehr angenehm ans Ohr.

Die Option, die Beyerdynamic DT880 in der Manufaktur zu individualisieren, ist natürlich noch viel toller, zumal mit Schriftzug nach Wahl und als Weihnachts-Geschenk. Denn selbst ein Limit von 14 Zeichen bietet genug Buchstaben für „Bester Papa“, „Helden-Hörer“ und „Fledermaus-Ohr“. Auch „Heinz-Werner’s“ oder „Finger weg!“ lassen sich problemlos unterbringen.

Nur eine Gavur ist nicht zu empfehlen: „Weihnachtsmann“. Dann verschwinden die Kopfhörer nämlich in der Weihnachts-Nacht durch den Kamin.


Produkt-Daten

Produkt: Kopfhörer
Hersteller: Beyerdynamic
Modell: DT880 Manufaktur
Besonderheit: Individualisierung von Gehäuse, Kabel, Polstern und Impedanz, Lasergravur möglich
Preis: von 199,00 bis 235,00 Euro, je nach Zusammenstellung
Hersteller-Website: Beyerdynamic
Zu beziehen bei Beyerdynamic Manufaktur




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Abbildungen: HighResMac/Tom Semmler

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