Musik-Mosaik: Slowly Rolling Camera – All Things

Endeckungsreise: All Things von Slowly Rolling Camera spielt mit den Möglichkeiten der Musik

Endeckungsreise: All Things von Slowly Rolling Camera spielt mit den Möglichkeiten der Musik



hrm_logo_15x50Es ist schwer zu sagen. Musik? Stimmungsbild? Was die Waliser Band Slowly Rolling Camera auf ihrem jüngsten Album All Things fortführen, ist eine Interpretation von Pop Jazz, Triphop, Progressive Rock und dem allgemeinen Vergnügen an Klängen und rhythmischer Varianz, dass die Ohren ins Staunen kommen.

Vor allem überrascht an dem Album die Virtuosität, mit der die Musiker die Verantwortung für den weiteren Verlauf eines Stückes immer wieder an Kollegen weiter reichen, nicht um sich aus ihr zu stehlen, sondern um den Klangcharakter auf den Kopf zustellen und Musik wie ein Mosaik aus Steinchen zusammen zu fügen. Und es überrascht die Harmonik, die Keyboarder und Komponist Dave Stapleton findet, mitunter Kontrastpaare wie Ying und Yang, die trotzdem zusammen gehören und einander ergänzen.

In diese Gemengelage fügt sich das Schlagzeug perfekt ein, denn Elliot Bennett hat seine ganz eigenen Vorstellung von rhythmischem Treiben. Klar, konventionell geht auch. Aber nicht nur. Immer wieder finden sich auch aufgelöste Strukturen, zurückgenommenes Trommeln, Akzente wie spärlich fallende Regentropfen, gerade genug, um die Struktur nicht zu verlieren, aber auch wenig genug, um die Stücke offen zu halten. Luft-Trommeln, quasi. Gut zu verfolgen in Oblivion ab Minute 2. Oder in Scintillation, in dem die gesamte Rhythmik etwas ausgefranst wirkt, aber trotzdem nicht zerfällt.

Bemerkenswert auch die Stimme von Sängerin Dionne Bennett: Ihre Spanne ist gewaltig und reicht von attackierender Skin bis tiefbluesiger Cassandra Wilson. Das liegt daran, dass sie farbig ist? Nope. Es liegt daran, dass sie singen kann. Und wie!

Flankiert wird sie hierbei von Chorgesang ihrer Mitmusiker oder Overdubs ihrer eigenen Stimme. Slowly Rolling Camera reizen die Möglichkeiten aus, ohne sich im Experiment um des Experimentieren willens zu verlieren. Es bleibt immer melodisch, harmonisch, hörbar, und wo der weit gespannte Rahmen der Verständlichkeit doch für für die Dramatik eines Titels aufgehoben wird, kehrt die Band schnell wieder zurück. Nadelstiche und Muntermacher zugleich.

Slowly Rolling Camera lassen neun Stücke und 45 Minuten lang keine Langeweile aufkommen. Die Struktur der Stücke ist so abwechslungsreich, dass die Musik selber Geschichten erzählt allein über die Stimmungen, die sie transportiert. Und die können in einem Lied auch schon mal kontrastieren oder gar kippen. Da bekommt der Ausdruck „Musik spielen“ eine ganz neue Dimension.

Das Kontrastprogramm hierzu ist Unsetting The Sun, das von Piano Streichern und Gesang besteht und seinen Charme langsam, getragen und melodisch entfaltet. Dass The Brink gleich im Anschluss rockig und mit 7/4 Takt die Welt aufrüttelt, versteht sich fast von selbst. Beide Stücke bilden den größten Kontrast des Albums und markieren zugleich seine stylistische Spannweite.

Bei den zahlreichen Akustik-Spielchen, dem Hall, den überlagernden Stimmen und vielen Details ist es schade, dass das Album nur als 44,1 kHz 16 Bit WAV-File vorlag. Die Lustigkeit und Transparenz der Einspielung würde mit besserer Samplingrate und höherer Auflösung sicher noch einiges an Details bis in zu Transienten liefern. Nah genug an Flöten und Klangwerk sind die Mikrofone jedenfalls, so präzise wie sie zu hören sind.

Die Freiheit, mit der die Musiker von Slowly Rolling Camera zu Werke gehen, zeigt, dass sie sich schon deutlich länger kennen als die vier Jahre, die es die Band gibt. Tatsächlich haben sie in verschiedenen Formationen schon seit mehr als zehn Jahren in der walisischen Hauptstadt Cardiff zusammen gespielt. Sie kennen sich aus verschiedensten Kombinationen und Kontexten. Das schafft die notwendige Basis, um mit solchen Freiheiten zu spielen.

Auf jeden Fall probehören!


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Album-Daten

Titel: All Things
Interpret: Slowly Rolling Camera
Genre: Pop, Triphop
Label: Edition Records
Jahr: 2016
Spielzeit: 45:05 min
Format: WAV 44,1/16
Preis: ca. 9,10 Euro (Online-Shop mit Preisen in britischen Pfund)
Zu finden bei Bandcamp





Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7



Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Edition Records



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