Munter durch die Jahrhunderte: Streichquartette mit dem Engegård Quartet

Eloquent erspielt sich das Engegård Quartet vier Jahrhunderte Streich-Quartette

Eloquent erspielt sich das Engegård Quartet vier Jahrhunderte Streich-Quartette


hrm_logo_15x50Sie sitzen mitten im Schnee, vor schneebemäntelten Bergen, unter blauem Himmel, auf blau gepolsterten Stühlen, und die Atmosphäre des Bildes ist kühl, sagenhaft kühl, wären da nicht die drei Violinen und das Cello, die sich zusammen mit den blassrosa Gesichtern ihrer Spieler von der Frostatmosphäre holzwarm abheben. Holzwarm ist auch die Interpretation von Schubert, Ratkje, Britten und Haydn, mit der das Engegård Quartet auf ihrem jüngsten Album String Quartetts vol IV je ein Streichquartett der Komponisten präsentieren.

Ein Jahrhundert, ein Quartett. So scheint die Auswahl ausgefallen zu sein: Haydn für das 18. Jahrhundert, Schubert für das 19., Britten für das 20. und für das Jetzt Maja Ratkje. Wobei den Auftakt Schubert macht, viersätzig und formkorrekt durchwandert sein Quartett in a-Moll Allegro ma non troppo, Andante, Minette und Allegro moderato. Wobei das Menuett schon etwas tänzelt und sich das abschließende Allegro moderato fast schon beschwingt über die Saiten artikuliert.

Der Kontrast könnte kräftiger kaum sein. Dem leichten Schubert folgt Ratkje mit ein bisschen Charles Ives, ein bisschen Zappa und jeder Menge Zeitgeist. Keine schlechte Sache, das, aber eindeutig mit Hallo-Wach-Effekt, so eine Kollision mit dem Jetzt. Besonders nach Schubert-Romantik. Witziger Weise klingt die Einspielung der Tale of Lead and Light viel wärmer und fülliger, aufgeweckter und aufgewachter. Ob es an den Dissonanzen liegt? Den rhythmischen Wechseln? Oder daran, dass sich Jetzt -Musiker und Jetzt-Komposition gut verstehen?

Vielleicht passt zeitnah besser zum Engegård Quartett. Denn auch Benjamin Britten wirkt unter ihrem Bogenstrich greifbar und präsent, mit Persönlichkeit und Aussage. Die verteilten Rollen und springenden Übergaben im Allegro calmo des Quartetts No. 2 meistern die Norweger spielerisch brillant und klanglich sicher und munter. Das Vivace ist ein mit verteilten Rollen lebendig entworfener Vortrag. Während sich das Chacony sostenuto als vielstimmige, atmosphärisch dichte 16-Minuten Erzählung offenbart.

Das Haydns Streichquartett in C-Dur Op. 76 im Anschluss folgt, bietet barocke Erholung mit berechenbarer Harmonik und harmonischer Berechenbarkeit. Auch ihm gönnt das Quartett Pulsschlag und Spielfreude. Das Allegro pendelt im Tempo zu einer fein abgestimmten Dynamik. Das Poco adagio cantabile, im übrigen die Melodie der deutschen Nationalhymne, würde so gefühlvoll interpretiert auch deutscher Politik und deutschem Selbstverständnis gut anstehen. Das Menuett liefert gute vier Minuten Munterkeit. Und dem Finale Presto entlockt dem Engegård Quartett noch mal schwungvolle Dynamik mit Gefühl, als würdigen Abschied aus dem Ohr des geneigten Zuhörers.

Dass die Streicher insbesondere bei Schubert etwas trocken wirken, liegt zumindest zum Teil an der Aufnahme: Selten liegt das Ohr so dicht auf dem Korpus der Instrumente, ist der heisere Anstrich des Bogens fast zum Anfassen nah zu vernehmen. Nebst Atmen des ein oder anderen Musikers übrigens. Ratkje, Britten und Haydn scheinen kaum mehr Abstand zu haben, aber hier ist das Klangbild ausgewogener. Wobei ein Studium der Partituren sicher auch ein paar Unterschiede in der Spreizung der Instrumente zu Tage fördern wird.

Sei es drum: Wer Streichquartette mag, wird mit der Einspielung des Engegård Quartetts sicher seine Freude haben. Die offene Akustik, die Aufnahmen von 2L kennzeichnet, gepaart mit der spielerischen Klasse der Musiker sind eine gute Mischung für echtes High-Res Hörvergnügen.

Die Streich-Quartette:

  • Franz Schubert – String Quartett No. 13 in A minor D. 804, Op. 29, „Rosamunde“
  • Maja Solveig Kjelstrup Ratkje – String Quartet No. 1 „Tale of Lead and Light“
  • Benjamin Britten – String Quartett No. 2 in C major, Op. 36
  • Joseph Haydn – String Quartett in C major, Op. 76, No. 3 „Emperor“



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Album-Daten

Titel: Sting Quartetts vol IV – Schubert, Ratkje, Britten, Haydn
Interpret: Engegård Quartett
Genre: Klassik
Label: 2L
Jahr: 2015
Spielzeit: 97:35 min
Format: Flac 192/24
Preis: 24,00 EUR (je nach Dateiformat ab 9,00 Euro)
Zu finden bei 2L Shop



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: 2L

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