MQA = Mehr audiophiler Quatsch?

Das A-B-C des guten Klangs: Bob Stuart von Meridian erläutert,wie MQA funktioniert – und welche Bereiche eines Musikfiles welchen Zweck haben

Das A-B-C des guten Klangs: Bob Stuart von Meridian erläutert,wie MQA funktioniert – und welche Bereiche eines Musikfiles welchen Zweck haben



hrm_logo_15x50Als Bob Stuart von Meridian gemeinsam mit Peter Craven vor drei Jahren das erste Mal die Idee des Master Quality Authenticated, kurz MQA, vorstellte, hielten sich Applaus und Kopfschütteln in etwas die Waage – und sie tun es bis heute noch weitgehend. Warum?

MQA ist ein Codec. Oder auch nicht. Und MQA ist lossless. [Update: MQA ist als lossy einzustufen, zeigt eine umfangreiche Analyse durch Xivero.] Oder auch nicht. Je nach Einsatz und Betrachtungsweise stimmt die eine oder andere Sichtweise. Denn MQA nutzt FLAC, ALAC und WAV, und die MQA-codierten FLAC-, ALAC- und WAV-Container kann jedes kompatiblen Gerät abspielen, selbst wenn es kein MQA versteht. Dann allerdings gibt es die konservierten Klänge ohne die MQA-Goodies.

Lossless ist MQA, weil es die Atmosphäre einer Aufnahme ebenso wie die Studio Master Qualität abbilden kann. Wohlgemerkt: Kann. Denn ohne passenden Decoder gibt es lediglich bessere CD-Qualität, was dann verlustbehaftet wäre. Somit ist MQA immer nur dann verlustfrei, wenn die Datei dekodiert wiedergegeben wird.

Eines allerdings ist inzwischen klar: Einige Musiker und Tontechniker mögen MQA, denn die entsprechend codierten Dateien liefern ein anderes, nuancierteres Klangbild. Spezielle Hardware vorausgesetzt, die aus den Dateien die versteckten Informationen heben kann. Bob Stuart spricht allerdings nicht von verstecken, sondern von Musik-Origami, weil die zusätzlichen Informationen kunstvoll gefaltet und im Rauschen versteckt seien.

Mein lieber MQA-Origami-Schwan. Das wirkt wie die wundersame Verquickung von HiFi-Voodoo, Esoterik und Hamburger Fischmarkt. Bob Stuart erklärt das Verfahren allerdings anders und durchaus plausibel:

  1. Mittels eines ausgeklügelten digitalen Bearbeitungsverfahrens wird zuerst der Tonbereich oberhalb von 48.000 Hertz, der für die Präzision der musikalischen Wiedergabe relevant ist, in den nicht hörbaren Daten des Eigenrauschens einer Aufnahme versteckt.
  2. In einem zweiten Schritt werden auch die Frequenzen oberhalb von 20.000 Hertz, die für die Mikrostruktur der hörbaren Klänge wichtig sind, in den Daten des Grundrauschens versteckt.
  3. Dazu enthält jeder File einen Marker für den A/D-Wandler, der im Aufnahmestudio die analogen Signale in digitale Signale gewandelt hat. MQA-Decoder kennen die Klangspezifika jedes dieser Wandler und kompensieren beim Dekodier-Prozess dessen Einflüsse auf den Klang.
  4. Um das System zu komplettieren kennen die MQA-Decoder auch ihren eigenen D/A-Wandler, mit dem sie die Rückübersetzung von Digital in analog vollziehen sollen. Sie können also auch dessen Eigenheiten berücksichtigen und in Summe den Klang aus dem Studio praktisch naturidentisch reproduzieren.

Nur: Wozu das ganze? Klingt nicht Studio Master längst schon gut genug?

Wie man es nimmt. Unbestritten ist, dass Studio Master Files erheblich mehr Informationen bieten als eine CD. Leider steigt die Güte eines Tonsignals nicht linear mit der Samplingrate:

Ein File mit 96 kHz hat zwar die doppelte Speichergröße des Files mit 48 kHz, aber nicht auch die doppelte Menge an Informationen. Ein File mit 192 kHz hat die doppelte Größe des 96 kHz-Files, aber nur noch minimal mehr Audioinformation als dieser.

Rauschen und für die Steuerung relevante Frequenzen sind unter dem hörbaren Anteil des regulären Musiksignals versteckt

Rauschen und für die Steuerung relevante Frequenzen sind unter dem hörbaren Anteil des regulären Musiksignals versteckt




Mit MQA wollen Stuart und Craven nun die eierlegende Wollmilchsau der Audiophilie vorgelegt haben: Ein Plus an Klang mit einem Minus an Speicherbedarf. Oder sind beide doch bloß Audiophilister?

Die Ohren sagen: „Nö!“ Besonders im direkten Vergleich, zum Beispiel zwischen Studio Master FLAC mit 192 kHz/24 Bit und den selben Stücken in MQA-Codierung – Entschuldigung – Faltung. Mehr Details, feinere Zeichnung der Instrumente, natürlicherer Klang und natürlichere Klangentwicklung, authentische Wärme gerade bei akustischen Instrumenten und Stimmen: MQA liefert tatsächlich ein Plus an Genuss. [Update: Allerdings lossy.]

Also kein Märchen? So wie es scheint nein. Kein Märchen, sondern erlebbare Realität, die in Kürze erstmals auch in audiophiler Software zu haben sein wird, und zwar mit der Neuauflage des Audioplayers Audirvana Plus 3, der MQA direkt auf dem Mac decodiert und anschließend streamt.

MQA über das Internet bietet seit dem 1. Januar auch der Streamingdienst Tidal an, wobei der Player-Software von Tidal der audiophile Komplex in Gestalt von Integer Mode und Core Audio fehlt.

Gemeinsam ist Soft- wie Hardware übrigens, dass sie mittels Farben anzeigen, wie authentifiziert ein File tatsächlich ist: Leuchtet die LED am DAC oder das entsprechende Symbol bei Audirvana Plus 3 grün, ist es ein verfizierter MQA-File. Ist die Farbe blau, wurde er zudem vom Künstler autorisiert. Was dann doch wieder in die Voodoo-Ecke führt:

Zum Beispiel hat Duke Ellington sein Album Afro Bossa gewiss nicht MQA-autorisiert. Warum? Ellington starb am 24. Mai 1974 – 40 Jahre vor der Präsentation von MQA.


Abbildungen: MQA



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