Melphi – Through The Looking Glass

Through The Looking Glass heißt das neue Album von Melphi

Through The Looking Glass heißt das neue Album von Melphi

hrm_logo_15x50 Das Schöne an akustischem Jazz ist, dass er schon mit dem ersten Ton zeigt, ob jemand etwas kann – oder eben nicht. Skepsis überwog, als ich Through The Looking Glass von Melphi in die Hand bekam: Das Cover wie eine 50-er Jahre Persiflage, dazu kommt die Band aus den Niederlanden, die eher für Tulpen, Käse und Alte Meister bekannt sind. Weit gefehlt.

Schon der erste Ton von Sängerin Lotte van Drunen genügt, den Skeptiker eines Besseren zu belehren: Fall, zu Deutsch Herbst, eröffnet das neue Album des niederländischen Quartetts. Der Song ist eine Klasse für sich. Ruhig und verhalten ist der musikalische Unterbau, auf dem van Drunen ihren Text singt – die Beobachtung eines Kindes, das auf dem Weg die Treppe hinauf im Augenwinkel mit erlebt, wie zwischen den Eltern ein entspannt wirkendes Bild in ein plötzliches Gewitter umkippt. Pianist Rogier Telderman hat seine Komposition bis ins Detail mit dem Text verflochten, zum Beispiel wenn sein Piano die Zeile „As I leave my shoulders hanging“ mit einem absteigenden Klavier-Einwurf flankiert. Oder wenn nach dem Streit die Klänge für eine Weile orientierungslos und suchend im Gefüge der Möglichkeiten hin und her mäandern. Doch auch der Streit selber, gesungen mit Effet und dem Aufschrei von Protest – alles fügt sich zu einem Gesamtkunstwerk, das Freude macht.

Auch bei Slow Motion ist der Titel Programm und trägt den Gesang geruhsam über die Zeit, nicht fein ineinander verflochten wie in Fall, sondern als verlässlisches Fundament, wobei auch diese sehr gut zum Inhalt des Textes passt. Überhaupt – die Texte. Jedes der elf Lieder lebt auch vom Gesang, zum einen durch die äußerst warme und unangestrengte Präsenz von Lotte van Drunen, zum anderen durch ihre wirklich lesenswerten Lyrics, die erfreulicher Weise alle im Booklet mit abgedruckt sind.

Die meisten der Songs auf Through The Looking Glass folgen allerdings recht konventionellen Formaten: Jazz, gemischt mit einer Prise Pop, einer Spur Fusion oder Classic Jazz. Doch auch diese Formate vermögen Melphi mit Charme auszufüllen, denn sich spielen mit Ihnen, lassen Sie leben und dynamisch aufblühen, statt sie wie viele andere routiniert abzuspulen.

Der Puls des Albums ist in Teilen auch der Aufnahme selbst zu verdanken: Produzent Marjin Kooy ließ die Band alle Stücke live einspielen und nahm nicht eine Spur nach der anderen auf, um diese anschließend zusammen zu mischen. Dieses Vorgehen ist für Studio-Aufnahmen untypisch und forderte den Musikern ein hohes Maß an Konzentration ab. Oder besser Aufmerksamkeit, denn Through The Looking Glass klingt ansteckend locker und entspannt. Dazu ist das Album sehr gut gestaffelt und sauber sortiert, so dass auch feine Nuancen im Zusammenspiel von Pianist Telderman, Sängerin van Drunen, Bassist Jurriaan Dekker und Willem van der Krabben am Schlagzeug zur Geltung kommen. Auch das macht das Album zu einem vollumfänglichen Genuss.

 

Album-Daten

Name – Thorough The Looking Glass
Interpreten – Melphi: Lotte van Drunen (Vocals), Rogier Teldermann (Piano, Fender Rhodes), Willem van der Krabben (Drums), Jurriaan Dekker (Bass)
Label – Snip Records
Jahr – 2014
Spielzeit – 46:05 min
Format – FLAC 96/24
Preis – 21,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Snip Records

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