Luftige Aufhängung

Macht auch Musik: Christian Schorege, CEO von ROOM's

Macht auch Musik: Christian Schorege, CEO von ROOM’s



hrm_logo_15x50Nicht jeder mag Kopfhörer, aber wer sie regelmäßig verwendet, kennt das Problem: Nach der Hörsession liegen sie herum. Oder sie wandern zurück in ihre Tasche, ihren Karton oder eine Schublade. Optimal? Nicht unbedingt. Denn was rumliegt, kann auch runterfallen. Und was in dichten Behältern verschwindet, lüftet nicht aus. Abhilfe schaffen Kopfhörerständer – ein Thema, das Christian Schorege und sein Unternehmen ROOM’s sei 1989 antreibt.

Zum Interview trafen wir uns am Hersteller-Standort in Bielefeld, aber nicht in der Werkstatt, sondern in einem Café – man kann ja das Informative mit dem Angenehmen verbinden. Und zwischen Keks und Kaffee die ein oder andere Frage einstreuen:





HighResMac: Herr Schorege, wie kommt man dazu, Kopfhörerständer zu bauen?

Christian Schorege: (Lacht) Ich brauchte Geld für eine Bandmaschine, sowas gab es 1989 noch. Und ich habe mich gefragt, was kannst du leicht herstellen, für das es keine Konkurrenz auf dem Markt gibt.





HighResMac: Es gab keine Kopfhörerständer? Ich erinnere mich an Beethoven-Köpfe.

Christian Schorege: Stimmt, die gab es. Stax hatte auch einen Halter aus Plexiglas im Angebot, aus dem ein Rundholz herausguckte. Und es gab umgewidmete Perückenköpfe. Aber ein richtiges Stativ, das gab es nicht.





HighResMac: Stativ?

Christian Schorege: Ja, wir sagen Stative, weil ein Stativ nicht bloß etwas irgendwie festhält. Ein Stativ hat immer einen schweren Fuß und einen guten Schwerpunkt. Es soll ein Objekt sicher und schnell aufnehmen, eben wie unsere Kopfhörerstative.





HighResMac: Nun ist schnell aufnehmen sicher keine Kernanforderung audiophiler Connaisseure…

Christian Schorege: Stimmt, aber wir haben auch Kunden im Studiobereich oder bei Rundfunkanstalten. Da müssen die Kopfhörer unter Umständen schnell mal vom Kopf. Und ohne Stativ liegen sie dann auf dem Mischpult oder neben der Kaffeetasse. Beides nicht die optimale Lösung.





HighResMac: Das sehe ich ein. Kommen wir noch mal auf die Anfänge zurück. Sie haben die Idee mit den Stativen gehabt und die dann selber gebaut?

Christian Schorege: Ja, ich habe das Design entwickelt und die ersten Produkte gebaut. Wir fertigen bis heute fast alles selber. Nur die Metallarbeiten der neuen FS-Professional Serie haben wir an einen spezialisierten Betrieb ausgelagert, der nach unseren Vorgaben in entsprechend hoher Qualität fertigt.





HighResMac: Und die Stative schlugen vom Start weg ein?

ROOM's I – mit ihm fing alles an

ROOM’s I – mit ihm fing alles an

Christian Schorege: Am Anfang bin ich praktisch mit dem Koffer unter dem Arm in alle HiFi-Läden der größeren deutschen Städten gefahren und habe die Stative vorgestellt. Sie sahen damals noch anders aus, hatten aber schon Elemente der aktuellen FS-Stative. Richtig Fahrt aufgenommen hat das Thema Stative, als 1992 der Chef des Essener Lautsprecher-Herstellers IQ – die es damals auch noch gab – den Vertrieb angeschoben hat. Damit hat sich der Erfolg quasi verselbstständigt.





HighResMac: Dann lassen Sie inzwischen Maschinen für sich arbeiten?

Christian Schorege: Nein, ich habe eine kleine Belegschaft und wir sind nach wie vor eine Manufaktur. Alles wird per Hand gemacht, auch die Werkzeuge, mit denen wir die Holzelemente in Form bringen. Und entsprechend sind auch die Stückzahlen nicht sehr hoch. Ein Room’s Kopfhörerstativ ist exklusiv, aber trotzdem erschwinglich.





HighResMac: Im aktuellen Flyer finden sich drei Produkt-Reihen. Waren das schon immer die ROOM’s Produkte?

Christian Schorege: Das ROOM’s I, mit dem ich touren ging, hatte eine Aufnahme ähnlich der FS-Serie und eine Höhenverstellung, die ich modifiziert bei der FS-Professional Serie wieder aufgenommen habe. Nach dem Room’s I gab es ab 1994 das ROOM’s II, ein Stativ, bei dem auf einer Basis ein rund gebogenes Holz stand, wie ein Omega oder ein abstrahierter Kopf. Das Design hat später ein anderer Anbieter vereinfacht und ist damit nach wie vor im Markt aktiv.





HighResMac: Inzwischen haben Sie aber keinen abstrahierten Kopf mehr im Programm…?

Notwehr: Der ROOM's FS – Vielfalt in Holz und ein Erfolg

Notwehr: Der ROOM’s FS – Vielfalt in Holz und ein Erfolg

Christian Schorege: Doch, das ROOM’s II haben wir überarbeitet als Room’s III weiterhin im Angebot. Aber als die abgewandelte Form unseres Modells von dem Mitbewerbers auf den Markt kam, musste ich mir etwas neues ausdenken. Das war die klassische Krisen-Situation: Etwas bedroht die eigene Existenz, da wird man zur Kreativität quasi gezwungen. Ich habe dann das Konzept des Kopfhörerstativs komplett neu durchdacht und habe die FS-Serie entwickelt.





HighResMac: Der breite Boomerang mit dem Mond oben drauf, wenn ich das so salopp sagen darf?

Christian Schorege: Ich sage manchmal Bogenlampe (lacht). Ja, genau! Dadurch haben wir mehrere Vorteile: Der Schwerpunkt ist noch besser austariert. Der Kopfhörer ist viel leichter zugänglich. Die Spannkraft des Kopfhörerbügels bleibt erhalten. Die Polster werden nicht gedrückt und somit geschont. Und die Kapseln können perfekt auslüften.
Den FS gab es zuerst nur in Holz und mit festem Maß. Inzwischen habe ich die Palette um den FS-Professional erweitert, mit schwerem Stahlfuß für noch bessere Standfestigkeit, und mit einer höhenverstellbaren Aufnahme.





HighResMac: Für die langen Elektrostaten?

ROOM's FS-Professional – mit Stahlfuß und höhenverstellbar

ROOM’s FS-Professional – mit Stahlfuß und höhenverstellbar

Christian Schorege: Nicht nur. Eigentlich hatte ich dabei im Sinn, dass der jeweilige Nutzer die Einstellung seiner Bügellänge nicht ändern muss. Wenn ein Stativ zu kurz ist muss man ja die Hörkapseln immer wieder in den Bügel schieben, das ist unpraktisch, besonders da, wo mit Kopfhörern gearbeitet wird. Und mit mehr Platz nach unten werden natürlich auch die Kabel vor Knicken geschützt.





HighResMac: Am 4. und 5. November ist die 5. CanJam Europe in Berlin – ist der Markt für Kopfhörerständer besser geworden?

Christian Schorege: Zwischendurch waren Kopfhörer mal fast schon out, aber das Smartphone hat den Markt komplett neu belebt und Kopfhörer sind heute auch im HiFi und High-End wieder so beliebt, dass sie in größeren Stückzahlen verkauft werden als Lautsprecher. Das ist wirklich immens viel. Damit werden unsere Köpfhörerstative natürlich auch wieder interessanter, besonders bei hochwertigen Kopfhörern.





HighResMac: Haben Sie für die Messe auch etwas neues im Gepäck?

Update im Anflug – der ROOM's Wandhalter bekommt zur CanJam einen Nachfolger

Update im Anflug – der ROOM’s Wandhalter bekommt zur CanJam einen Nachfolger

Christian Schorege: Ja, hoffentlich. Ich habe das Wandstativ, das es bis vor kurzem gab, überarbeitet und verbessert. Ich hoffe, die erste Produktion ist zur Messe fertig. Sonst könnte ich nur die Skizzen zeigen…





HighResMac: Und wenn ich ein Stativ von Ihnen kaufen möchte, rufe ich einfach an? Oder haben Sie einen Online-Shop?

Christian Schorege: Weder noch. Wie verkaufen ausschließlich über den Fachhandel. Und Online gibt es unsere Stative bei Thomann.





HighResMac: Herr Schorege, vielen Dank für den Kaffee und das Gespräch!






Abbildungen: ROOM’s



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