Luft-Nummer: Terje Winge – Organism

Terje Winge - Organism: Norwegische Orgelmusik, die auch zum Boxentest taugt

Terje Winge – Organism: Norwegische Orgelmusik, die auch zum Boxentest taugt



hrm_logo_15x50Manchmal, da macht man ja so Sachen… – zum Beispiel Alben laden aus reiner Neugier. Interpret? Kenne ich nicht. Titel? Halt Buchstaben. Cover-Bild? Irgendwie irgendwas. Aber: Orgelmusik! In 192 kHz und 24 bit, bitte! Schön? Das war die Frage. Also: gekauft, entzippt und ab in die Luft.

Luft. Das ist schon das Stichwort. Während das Label ECM seine Alben mit 3 Sekunden Pause beginnt, startet Organism mit Luft. Nämlich der Luft, die vom Blasebalg in die Orgelpfeifen geblasen wird. Ein Hauchen der Technik, die den ersten Orgeltönen vorauseilt, sie ankündigt und zugleich verrät, dass Detailmangel gewiss kein Thema sein wird bei diesem Album.

Und dann greift Terje Winge in die Tasten. Sonata de Profundis, op. 143, Satz 1 – De profundis clamavis von Kjell Mork Karlsen. Kenne Sie nicht? Ich auch nicht, bis jetzt. Aber wenn Sie Ihre Boxen vom Donner gerührt sehen und sich selbst in diesem Zustand wiederfinden möchten, drehen Sie die Lautstärke mutig auf Konzertniveau und drücken Sie Play.

Ein Schwall von Orgelflöten ergießt sich in den Raum. Und während Sie den vielfältigen Pfeifen und Pfiffen lauschen, beginnt aus dem Untergrund etwas an Ihnen zu rütteln. Orgeln haben verdammt tiefe Pfeifen, und gute Lautsprecher sprechen deren Frequenzen laut in den Raum. Nur dass sich dieses Phänomen zum Teil schon im Grenzbereich des Hörbaren abspielt. Mit entsprechenden Überraschungen, wenn man’s dann mittig im Bauch wahrnehmen darf. Hollahopp!

Tatsächlich ist diese Aufnahme von erheblicher Dynamik und dabei sehr klar und aufgeräumt. Das macht jede Menge Spaß, selbst wenn Orgeln nicht im Katalog der persönlichen Lieblingsinstrumente verzeichnet sind – die Herausforderung ans Material sind martialisch, sobald die Lautstärke den nachbarschaftsverträglichen Bereich des Kammermusikalischen verlässt. Und der Reiz ist groß…

Insgesamt hat der 50-jährige Organist Winge Stücke von drei norwegischen Komponisten in der Ålesund Kirche eingespielt. Neben der schon erwähnten, in Teilen herausfordernden Sonata de Profundis von Kjell Mørk Karlsen auch La Tombeau de Dupre, op 62 von Trygve Madsen und Ecclesia in mundo von Kjell Flem.

Le Tombeau de Dupre sorgt für den entspannten Teil des Albums. Die Komposition ist melodischer und nutzt kaum Dissonanzen, wobei sie auch nicht durchgängig handzahme Kuschelakustik liefert. Verhalten modern wäre wohl eine passende Beschreibung, und auch hier liefert das Label 2L Orgelklänge in exquisiter akustischer Güte.

Das gilt natürlich ebenso für Ecclesia in mundo von Kjell Flem. Die atmosphärisch dichte Komposition entlockt mit ihren Läufen und Pfeifen-Einstellungen dem tönenden Blasebalg teilweise exotisch angehauchte Klänge. Sie erweitert den Blick auf das klassische Kirchenutensil und rückt die Orgel ein Stück weit ab von dem in die Jahre gekommenen Sonntagseinerlei aus dem abgewetzten Gesangbuch auf den Bänken.

Organism, dieses in Töne gefasste Wortspiel, ist als Hybrid SACD mit 2.0 LPCM 192/24, 5.1 DTS HDMA 192/24 u, 9.1 Auto 3D, Dolby Atmos, MQA und MP3 erhältlich. Dazu gibt es die Orgelspiele in zahlreichen Datei-Formaten. Sie umfassten Stereo-Aufnahmen in FLAC 96, FLAC 192, FLAC 352, MQA, DSD64, DSD128 und DSD256 sowie 5.1 FLAC 96 und 5.1 DSD64. Die MQA-Ausgabe hat die Originalauflösung des Master, einer DXD Aufnahme mit 352 kHz und 24 bit.

Organism von Organist Terje Winge gibt einen interessanten Einblick in aktuelle norwegische Orgelkompositionen, erweitert den Horizont und liefert mehr als eine gute Stunde spannende Musik in erstklassigem Klang. Das Fazit fällt dem sakralen Charakter zu huldigen heute lateinisch aus: Quod habet aures audiendi audiat! (Wer Ohren hat zum Hören, der höre!)



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Album-Daten

Titel: Organism
Interpret: Terje Winge
Genre: Klassik
Label: 2L
Jahr: 2016
Spielzeit: 1.08:17 min
Formate: Stereo: FLAC 96, 192, 352, DSD 64, 128, 256, MQA-Stereo 352/24; 5.1: FLAC 96, 5.1 DSD 64; Hybrid SACD
Preis: ab 17 Euro (Stereo-FLAC 96/24)
Zu finden bei 2L Musicshop



Audio-Setup

Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: 2L

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