Jazz im Kopfstand: Tingvall Trio – Beat (Review)

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hrm_logo_15x50Jazz im Kopfstand – das schwedisch-kubanisch-deutsche Tingvall Trio zwingt mit seinem neuen Album Beat den Jazz in neue Haltungen. Nichts Angestaubtes, nichts Verkopftes, nicht Lieblich-melodisches ist dominierend. Statt dessen gibt es beherzte Rhythmen und kräftige Soli.

Jazz hat so seine Regeln. Von Blue Notes über Swing Feel bis Wasnichtnochfürklischees findet sich allerhand, das dem Genre angelastet wird. Und im Gegenzug ohne schlagende Begründung verwachsen Fusion, World Music und Count Basie zu einer Mixtur skurriler Parallelwelten, die unter diesem einem Begriff zusammengefasst werden, weil sonst nichts passend scheint: Jazz. Aber im genrebreiten Wischiwaschi spielt das Tingvall Trio keinesfalls.

Die Harmonik ist meist skandinavisch dominiert: Klar, aufgeräumt, tragend und verständlich. Hamnen (Der Hafen) ist so ein Vertreter dieser musikalischen Klangauffassung. Spielerisch in der Dynamik, mit tragender Melodik und fein differenziertem Spiel, das die drei Musiker wunderbar ineinander verwebt.

Dass es auch anders geht, zeigt I Skuggorna (Im Schatten). Hier entfesselt das Trio, was an bedrohlichen Phantasien zu finden ist. Kräftig und schnell geht es zur Sache, jagen Piano, Bass und Schlagzeug durch die Takte, dass diese fast zu explodieren scheinen. Schon das Zuhören macht atemlos. Getoppt wird das Tempo noch von Beat Train, in dem sich die Musiker zu Spitzentempi antreiben. Auch Spöksteg (Geisterschritt) ist so ein rasantes Stück, das allerdings zwischen leisen und lauten Passagen noch einiges mehr an Dynamik-Registern zieht.

Den Gegenpol zur wilden Schattenwelt bildet Heligt (heilig). Sachte streicht der Bass um das mollige Piano, umspült von Beckenrauschen. Und das Titelstück Beat ist auch ein leiser Vertreter, der mit klassisch-melodischem Improvisations-Jazz eine Atempause zum Schwelgen bietet.


Tingvall Trio: Omar Rodriguez Calvo (Bass),  Martin Tingvall (Piano),  Jürgen Spiegel (Drums) (v.l.)

Tingvall Trio: Omar Rodriguez Calvo (Bass), Martin Tingvall (Piano), Jürgen Spiegel (Drums) (v.l.)


Mit Beat hat Pianist Martin Tingvall gemeinsam mit Bassist Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel an den Drums ein belebendes Album auf den Markt gebracht, dass die typischen Jazzklischees meidet und frische, muntere Musik liefert. Ein echter Hörtipp, der wie schon das Album Peak das Zeug hat, Platz 1 der deutschen Jazz-Charts zu erklimmen.

Das gilt noch mehr, wenn das Album wie in unserem Fall als FLAC mit 94 kHz und 24 Bit daher kommt. Der Klang ist üppig, auf mittelgroßer Bühne wunderbar transparent, mit guter Tiefe und feiner Staffelung. Die Feinheit von Beckenspiel und gestrichenem Bass ist bestechend, auch das Piano ist persönlich anwesend im Hörraum, so dass sich ein gelungenes Spiel mit einem ebenso gelungenem Klangbild vereint.


Album-Daten

Titel: Beat
Interpret: Tingvall Trio
Genre: Jazz
Label: Skip Records
Jahr: 2014
Spielzeit: 55:49 min
Format: FLAC 96/24
Preis: 16,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio


Audio-Setup
Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Skip Records

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