Ins rechte Licht gerückt: Geräte und Zubehör fotografieren

Selbst das Kleinzeug kann glaubwürdig und zugleich ästhetisch abgebildet werden

Selbst unscheinbares Zubehör wie Silent Plugs lässt sich glaubwürdig und zugleich ästhetisch ins rechte Licht rücken



hrm_logo_15x50Wie viele Jahre gehen in das Setup der eigenen Wiedergabekette? Und wie viel Geld? Beides strebt meist gen unendlich, weshalb es sinnvoll ist, die eigene Akustik-Habe sorgfältig zu dokumentieren, falls mal die Versicherung einspringen muss. Nur: Wie lassen sich die Geräte und Co auch optisch wertig fotografieren?

Einfach drauf

Im Prinzip sind Fotos ganz einfach zu machen: iPhone raus aus der Hosentasche und einmal alles abgeknipst. Fertig. Der Haken bei solchen Fotos ist allerdings, dass sie nicht im entferntesten den Wert einer hochwertigen Akustikkette widerspiegeln. Stattdessen tendelt ihr ästhetischer Wert mehr in Richtung Müllmeiers Wohnschlot. Und das ist nicht im Sinne einer positiv wirkenden Dokumentation.

Ähnlich verhält es sich mit der Kombination Spiegelreflex-Kamera und Systemblitz. Das liefert zwar ein sauber austariertes Verhältnis von Zeit zu Blende, nur sitzt der Blitz mittig und strahlt nach vorn oder oben oder zur Seite – in jedem Fall aber aus einer Ecke und mehr oder weniger gerichtet. Das sieht dann so aus:

Systemblitz auf Spiegelreflex – spiegelnde Reflexe sind dabei nur eines der Probleme

Systemblitz auf Spiegelreflex – spiegelnde Reflexe sind dabei nur eines der Probleme

Spiegelnde Reflexe sind dabei nur eines der Probleme. Ein anderes ist die sehr ungleichmäßige Lichtverteilung, selbst wenn eine Streuscheibe oder ein anders Licht streuendes Zubehör eingebunden wird. Prinzipiell ließe sich jetzt mit Aufhellschirmen, weißem Karton oder Alufolie allerlei an Lichtwannen und Reflektoren basteln und aufstellen, das Problem der singulären Lichtquelle bleibt allerdings bestehen. Was also tun?

Mehr Licht!

Wer weniger ausgeben möchte, als ein Systemblitz kostet, und trotzdem deutlich mehr Lichtqualität erzielen will, sollte sich beim Elektronikversand Pearl umschauen. Dort gibt es für kleines Geld Fotoleuchten, Hintergrundhalter und sogar Greenscreens, falls jemand auch ein paar Freisteller produzieren möchte. Dazu nachher noch ein Wort extra.

Die Softboxen des Hauses werden mit Stativ geliefert, das sich auf Rund zwei Meter ausziehen lässt. Außerdem gehört ein Schirm zum Lieferumfang, so dass man im Grunde drei Beleuchtungsoptionen erhält: Lampen pur, Reflektorschirm oder Softbox. Damit lässt sich einiges an Effekten erzielen, aber auch ganz einfach weiches, reflexionsarmes Licht bereit stellen.

Aufbau

Die Softboxen aufzubauen ist praktisch selbsterklärend:

  • Stativ aufstellen
  • den faltbaren Außenteil der Softbox über das Stativ nach unten auf die Stativ-Füge rutschen lasen (Erklärung folgt gleich)
  • Lampenhalter am Halte-Bolzen befestigen
  • die Fotolampen in die Fassungen schrauben
  • die vier flexiblen Stäbe für den Frontdiffusor in das Lampengehäuse stecken
  • den Frontdiffuser mit den Stangen aufspannen
  • und jetzt den Außenteil der Softbox wieder nach oben heben und mit den Kletterschlüssen am Frontdiffusor befestigen

Das ganze dauert mit etwas Übung keine fünf Minuten, bei zwei Softboxen also keine zehn. Wer lieber den Reflektorschirm statt einer Softbox verwenden möchte, hat es noch einfacher: Schirm Aufspannen und von vorn durch die Halteöffnung in der Mitte der vier Fotolampen schieben. Dabei ist etwas Druck nötig, damit die Klemmfeder für die Stange des Schirms öffnet.

Zwei Fotolampen mit Softboxen – wahlweise auch mit Reflektorschirm – sorgen für lichte Momente

Zwei Fotolampen mit Softboxen – wahlweise auch mit Reflektorschirm – sorgen für lichte Momente

Stellplatz

Sind die Softboxen mit dem Stromnetz verbunden, kann es los gehen. Und zwar mit dem Ausrichten. Eine ganz taugliche Platzierung bei zwei Softboxen ist, eine von vorne links auf das Objekt leuchten zu lassen und die zweite rechts so zu platzieren, dass sie vor allem den Hintergrund ausleuchtet, dabei aber auch ein Teil des Lichts auf das Objekt abgibt. Das vermeidet harte Schatten, verhindert, dass der Hintergrund absäuft und minimiert das Helligkeitsgefälle von links nach rechts.

Da die Softboxen konstant leuchten, lässt sich das Lichtdesign sehr einfach kontrollieren. Sie sind übrigens in zwei Stufen schaltbar – mit einem Trick sogar in vier. Denn die Lampenköpfe der Softboxen haben zwei Lichtschalter, je einen für das linke und einen für das rechte Paar Fotolampen. Wer nur zwei Lampen einschraubt, kann mit weniger Licht arbeiten, und wer diese beiden Lampen auf die zwei möglichen Seiten sprich Schalter verteilt, kann noch feiner dosieren. Da aber mehr Licht auch eine kleinere Blenderöffnung erlaubt und damit die Tiefenschärfe erhöht, werden vier Fotolampen sicher die beste Wahl sein.

Hintergründig

Nicht jeder hat eine Rolle Fotohintergrund im Haus, daher kann als neutraler Hintergrund auch ein unifarbenes Bettlaken oder eine einfarbige Tischdecke ohne eingewebtes Muster verwendet werden. Damit sich der Hintergrund nicht in den Vordergrund spielt, sollte er glatt und straff unter dem Fotomotiv liegen. Ein harter Knick im Heck lässt sich verhindern, in dem der Stoff hinter dem Motiv mit etwas Abstand in einem Bogen nach oben geführt wird. Halt in der Luft bekommt er beispielsweise, in dem er an einem Haltesystem befestigt wird, zum Beispiel mit Klammern, die sich wie bei Gardinenstangen mit Ringen über das Querrohr eines Haltesystems schieben lassen, das Pearl ebenfalls für wenig Geld im Angebot hat und das die Studio-Ausstattung für die Versicherungs-Dokumentation komplettiert.

Platzwahl

Wichtig ist, dass die Gerätschaften mit Abstand zur Rückseite des Hintergrundes stehen, damit sie keine Schatten in ihrem Rücken produzieren. Für die Dokumentation, also den Nachweis gegenüber einer Versicherung, sind dann vor allem eindeutige Bilder nötig: Frontalen, durch die sich die Geräte klar identifizieren lassen, eventuell auch Rückansichten und Detailaufnahmen, wenn sie etwas über besondere Ausstattung oder Erhaltungsgrad verraten.

Mittig platziert, annähernd gleichmäßig ausgeleuchtet: und eindeutig identifizierbar – so kann ein Foto in der Dokumentation für die Versicherung aussehen

Mittig platziert, annähernd gleichmäßig ausgeleuchtet: und eindeutig identifizierbar – so kann ein Foto in der Dokumentation für die Versicherung aussehen

Aufnahmen von Rückseiten haben noch den Charme, dass sich hiermit auch Kabel oder anderes Zubehör wie Silent Plugs ablichten und eindeutig als eigener Besitz belegen lassen. Sonst könnte ja auch behauptet werden, dass die Fotos der Kleinteile aus irgend einem Katalog oder Magazin stammen, besonders, wenn die Kaufbelege nicht mehr vorhanden sind. Sie bewahren alles gut auf? Dann nimmt der unerwartete Hausbrand hoffentlich Rücksicht auf den betreffenden Ordner.

Natürlich könnte ein Brandschaden auch die Fotodokumentation vernichten. Wer alles wichtige, wozu übrigens auch Kopien von Ausweisen, Führerscheinen, Zeugnissen, Urkunden und anderen Papieren gehören, auf einem USB-Stick an einem sicheren Platz verwahrt und/oder wichtige Dateien verschlüsselt in einem Cloud-Speicher ablegt, hat aber einen klaren Vorteil.

Kameras sind dumm

Noch ein Tipp am Rande: Kameras sind dumm. Sie messen das verfügbare Licht und mitteln es zu einem Grauwert von 20 Prozent Lichtabsorption. Dummer Weise sind die meisten HiFi-Geräte aber silber oder schwarz. Beides ist für Fotoapparate schwer abzubilden, weil Silber und Schwarz quasi die Endpunkte der möglichen Kontraste bilden, also 0 Prozent oder aber 100 Prozent Licht absorbieren, keinesfalls aber 20 Prozent Grau entsprechen.

Um die Belichtung perfekt hinzubekommen, können Sie eine so genannte Graukarte anmessen. Sie hat genau den Grauwert, den Kameras erwarten, und garantiert so eine perfekte Belichtung. Alternativ können Sie für die passende Kombination von Zeit und Blende Ihre Hand vor das jeweilige Foto-Objekt platzieren und diese anmessen. Oder den Papprücken eine Zeichenblocks. Zwar weicht dann die Belichtung etwas vom optimalen Wert ab, aber die halbe bis ganze Blende, die hierdurch verloren geht oder hinzu kommt, lässt sich deutlich einfacher mit einer Bildbearbeitung-Software ausgleichen als ein vollkommen überstrahltes oder abgesoffenes Bild.

Ich glaub es sticht

Freisteller, also Fotos, bei denen ein Gerät oder Zubehör völlig ohne Hintergrund, Schatten und sonstiges abgebildet ist, sind nicht unbedingt nötig, aber vielleicht trotzdem gewünscht. Profis verwenden hierfür einen sogenannte Greenscreen, ein grünes Tuch, auf dem das Objekt platziert wird. Zu empfehlen sind Fotokarton oder Baumwolltuch, weil sie sehr wenig bis gar keine Reflexe erzeugen und damit sehr leicht retuschiert werden können. Baumwolltuch sollte vorab allerdings penibel gebügelt werden, denn Falten und Knicke haben andere Farbwerte und können die Zeit für die Nachbearbeitung massiv in die Höhe schrauben.

Vorsicht Falte: Wer Baumwolltücher als Greenscreen verwendet, solltest vorher bügeln, denn Falten und Knicke können die Nachbearbeitungszeit immens erhöhen.

Vorsicht Falte: Baumwolltücher sollten vor der Aufnahme gebügelt werden.

Wichtig ist auch, dass die zu fotografierenden Objekte etwas Abstand zur grünen Fläche haben, und zwar nach hinten ebenso wie nach unten und zur Seite. Der Grund ist, dass die grünen Flächen natürlich selber auch Licht reflektieren – und zwar grünstichiges. Zu erkennen ist das sehr gut am folgenden Foto: Das Logo der Boxen, das im Original schwarz-gold ist, wirkt grünlich. Die Schrauben der Lautsprecher belegen aber, dass weiß beleuchtet wurde:

Freigestellt und mit Farbstich: Wenn ein Objekt zu nah am Greenscreen steht, kann es leicht zu Farbverfälschungen kommen

Freigestellt und mit Farbstich: Wenn ein Objekt zu nah am Greenscreen steht, kann es leicht zu Farbverfälschungen kommen

Fazit

Ein tauglicher Systemblitz von Canon, Nikon und Freunden kostet in der Regel ab rund 500 Euro – und liefert genau ein Licht. Ausgewogene Beleuchtung braucht aber deutlich mehr Lichtquellen, und das Licht sollte weich sein. Das Test-Paar Softboxen nebst Hintergrundhalter und eventuell Greenscreen von Pearl macht hierbei eine sehr gute Figur: Für 307 Euro ohne und 346,90 Euro mit Greenscreen ist es auf jeden Fall günstiger im Preis, es ist einfach zu handhaben und liefert ein besseres Ergebnis. Dokumentatoren-Herz, was willst du mehr? Vielleicht eine dritte Softbox? Die wäre sogar auch noch drin, ohne dass die Gesamtsumme am Preis des Systemblitzes kratzt. Warum also nicht?




Verwendete Artikel
Das für die professionelle Ausleuchtung der Fotos verwendete und im Artikel beschriebene Equipment wurde von Pearl leihweise zur Verfügung gestellt. Die Komponenten entnehmen Sie bitte der Tabelle:

Foto Bezeichnung Preis
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fotolampe 5400 kelvin http://www.highresmac.de/wp-content/uploads/2016/10/nx3064_0-150x150.jpg 150w http://www.highresmac.de/wp-content/uploads/2016/10/nx3064_0-160x160.jpg 160w http://www.highresmac.de/wp-content/uploads/2016/10/nx3064_0-320x320.jpg 320w" sizes="(max-width: 200px) 100vw 200px" /> Fotolampe 5400 K
4 Stück je Softbox nötig
5.90 EUR
pearl halter für fotohintergrund Hintergrund-System 3×2.5 m max. 59.90 EUR
pearl greenscreen baumwolle Greenscreen Baumwolle 3×4 m 39.90 EUR


Abbildungen: HighResMac



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