Harfen-Jazz: Laura Perrudin – Impressions

Harfenklänge mal anders: Laura Perrudin - Impressions

Harfenklänge mal anders: Laura Perrudin – Impressions


hrm_logo_15x50Erinnert sich noch jemand an das distinguierte Kopfschütteln, mit dem mancher Jean-Luc Ponty im Jazz willkommen hieß, als er sich seine Geige unter’s Kinn klemmte, um Frank Zappa, Stéphane Grapelli und John McLaughlins Mahavishnu Orchestra zu begleiten? „Na und“, hat sich Laura Perrudin wohl gedacht und kümmert sich um Blue Notes und Co mit ihrer – Harfe!

Natürlich nicht mir irgendeiner Harfe. Es ist weder eines jener vergoldeten, gekrönten und pedalierten Saitengewächse, die sich im Hintergrund großer Synphonieorchester aufhalten, noch eine jener kleinen, handlichen keltischen Gute-Laune-Hölzchen. Perrudin hat sich eine eigene, chromatische Harfe bauen lassen, allerdings ohne Pedale, dafür mit mehr Freiheit. Und auf ihr zirpt sie sich durch Klassiker und Selbstgemachtes, ein bisschen poppig, ein bisschen funkig, ein bisschen jazzig. Halt was frau so macht, in Zeiten, in denen alles erlaubt ist, damit wenigstens ein bisschen passiert.

Was nicht Perrudins Musik schmälern soll. Ganz im Gegenteil. Die Art, wie sie sich aus den Genreschubladen bedient, sie gegeneinander aus- und miteinander einspielt, hat schon Charme. Nebst Esprit, versteht sich. Frankreich verpflichtet, ließe sich noch anfügen, aber es scheint weniger Nationalstolz als angeborene Freude am Spiel wie Spielen zu sein, die zu diesen vielschichtigen, frech-zarten Stücken verlockt.

Zum einen nämlich spielt Perrudin mit der Metrik – glatte vier Viertel sind Ihre Sache nicht so unbedingt. Ein bisschen krumm, tatsächlich oder gefühlt, gefallen ihr schon eher. Und auch die begleitende Instrumentierung atmet Exotik, wenn nicht an sich, wie das bei Handtrommeln und mancher Percussion der Fall ist, oder bei der Elektronik, dann durch die Art des Einsatzes, beispielsweise des Background-Gesangs bei Sonnet VII. Sonnet VII?

Richtig. Shakespeare in diesem Fall. Auch Yeates, Joyce, Poe und Oskar Wilde finden sich als Textgeber für die insgesamt 13 Stücke. Eine Französin also, die sich weit überwiegend bei verstorbenen englischsprachigen Lyrikern bedient, um ihre Worte mit Tönen zu umflechten. Jazz-Tönen zudem. Auch hier gerät manches durcheinander, was das bequeme Kostüm der Vorurteile so behaglich macht. Sollte aber nicht weiter stören, denn wer Jazz hören will und nicht überrascht werden möchte, sollte bekanntlich lieber in’s seichte Bar-Jazz-Regal greifen.

Bleiben die typischen High-Res-Fragen: Bühne? Raum? Auflösung? Transienten? Abhängig vom Stück variiert all das, was nicht weiter überrascht. Wobei zum Reinhören nur eine CD zur Verfügung stand, die nicht die ganze Fülle des Möglichen zeigt, wohl aber genug, um Perrudin mit Vergnügen zuzuhören. Auch mehrfach, genießend.



Album-Daten

Titel: Impressions
Interpret: Laura Perrudin
Genre: Jazz
Label: Colore
Jahr: 2015
Spielzeit: 46:54 min
Format: AIFF 44,1/16
Preis: 16,99 Euro
Zu finden bei AMazon



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus 2, Amarra 3.0
Betriebssystem: OS X 10.7 Lion
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m; Straightwire USB-Link
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus 2, Amarra 3.0
Betriebssystem: OS X 10.10 Yosemite
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Nicolas Joubard/Laura Perrudin

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