Gregory Porter – Liquid Spirit

gregory_porter-liquid_spirit

hrm_logo_15x50Vokal-Jazz kann gehörig nerven: Von exaltiertem Rumgeträller bis disharmonischen Stimmimprovisationen reicht die Blacklist der Don’ts, um die sich zu viele nicht scheren. Und dann dieser Ruch von Big-Band-Kaufhauskunden-Bar-Am-Abend-Berieselung. Muss alles nicht sein. Und siehe da: Bei Gregory Porter ist es auch nicht. Statt dessen hautnahe Instrumentalisten, authentischer Gesang, ungekünstelt und unverstellt. Wie ein guter Freund, der einem von seinen jüngsten Erlebnissen erzählt. Und dann ist da auch noch diese Rhythmik bei einigen der Songs. Doch der Reihe nach:

Gregory Porter gilt als eines der größten Talente im aktuellen Jazz-Gesang. Nun ist das natürlich bei einem 43-jährigen so eine Sache mit dem Status „Talent“, zumal Liquid Spirit bereits sein drittes Album ist. Wohlmöglich liegt die Talentfrage in der Jazzwelt an ihrer etwas zurückhaltenderen Begeisterung, was dafür die Halbwertszeit der Jazz-Stars wesentlich verlängert, so dass Jazz-Stars über Perioden scheinen, in denen unzählige Pop-Sternchen kurz aufflackern um dann blitzgeschwind zu verglimmen.

Gregory Porter also hat ein drittes Album vorgelegt, und in diesem Fall hat sein Label Blue Note neben den handelsüblichen CDs auch ein FLAC-Album mit 94 kHz/24 bit zum Download produziert, wofür den Amerikanern gedankt sein sollte. Denn das Album beschert dem geneigten Zuhörer ein Jazz-Set direkt auf den Wohnzimmerteppich.

Zwei Dinge stechen schon beim ersten Hören unimittelbar heraus: Die körperliche Anwesenheit der Interpreten, was der exzellenten Aufnahmetechnik geschuldet ist, die ungewöhnliche viele Details eingefangen hat. Beispielsweise habe ich das letzte Mal einen Kontrabass so hautnah erfahren, als ich direkt neben ihm stand. Bei Liquid Spirit ist diese Erfahrung bei allen 14 Stücken zu haben. Auch das crispe Trommel- und Beckenspiel hat die Atmosphäre von mittendrin statt bloß davor. Und so geht es weiter durch die wechselnden Besetzungen: Ein klares, sensibles Piano, das auch bei fülligen Akkorden durchsichtig bleibt. Ein Saxophon mit feinsten Details bis zu den Anblasgeräuschen. Und dann natürlich der Gesang.

Gregory Porter hat ein äußerst warmes und angenehmes Timbre. Seine Stücke singt er herrlich unaufgeregt und mit viel Anteilnahme, er berichtet ohne zu schwelgen oder zu schwatzen, und führt den Zuhörer durch die Stimmungen des jeweiligen Liedes, wie man einen guten und vertrauten Freund Hand in Hand durch die jüngsten Erlebnisse führt. Porter klingt direkt und authentisch, und er beherrscht seine Stimme bis in feinste Nuancen, die wiederum die Aufnahme wiederzugeben beherrscht. Jedes ein Kunststück seiner jeweiligen Disziplin.

Das Album ist in der Zusammenstellung seiner Stücke vielfältig. Neben einem eingängig berechenbaren Jazz-Gesangsstück Lonesome Lover, das mit Big-Band Schwung daher kommt, findet sich eine weiche Ballade wie Water Under Bridges oder ein melodischer Song wie Hey Laura, die sämtlich problemlos auch für die Hintergrundbeschallung einer gediegenen Bar denkbar wären. Zum Glück ist das nicht alles, denn Porter überrascht bei einigen Stücken mit tanzbaren Rhythmen, frechen Stops und einer Menge Verve. Dazu gehört das spritzige Titelstück Liquid Spirit mit Gospel-Einfluss. Dazu gehört Musical Genocide, das rhythmisch wie harmonisch mit Erwartungen spielt, und gleichfalls Free mit seinem rhythmisch im Refrain verschobenem Gesang und laid back Rhythmen. Selbst die Ballade Brown Grass mit ihrem in die unteren Lagen sackenden Refrain ist eine Freude, nicht bloß für entspannte Abende.

Wie die Einleitung sicher erahnen lässt, bin ich kein Fan von Jazz-Gesang, so wenig wie ich ein ausgemachter Fan von Blues wäre. Aber während dort Little Axe und Luther Allison mit vitalisierenden Crossover-Varianten Aufmerksamkeit verdienen, weiß sich auch George Porter mit seiner intensiven Stimme, der sensibel austarierten Band und einem pfiffigen Genremix widerspenstigen Geistern zu empfehlen. Auf jeden Fall hineinhören!



Album-Daten

Titel: Liquid Spirit
Interpret: Gregory Porter
Genre: Jazz
Label: Blue Note Records
Jahr: 2013
Spielzeit: 1.02:21 min
Format: FLAC 96/24
Preis: 16,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio

Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Blue Note Records/em>

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