Gegen Langeweile: Morten Schantz – Godspeed

Godspeed von Morten Schantz ist endlich mal wieder ein abwechslungsreiches Jazz-Album

Godspeed von Morten Schantz ist endlich mal wieder ein abwechslungsreiches Jazz-Album



hrm_logo_15x50Haben Sie Langeweile wegen dödeliger Jazz-Rekapitulation aus vielerlei (Blas-)Rohren? Wegen immer gleicher Phrasierungen, teils überakademischer, teils gelangweilter, teils mutlos-minimalistischer, teils melodisch-marodierender Klingklang-Wunder zeitgenössischer Jazz-Darbietungen? Dann kann geholfen werden: Morten Schantz heißt der Protagonist der mutig-munteren Jazz-Degustation, die sich auf seinem jüngsten Album Godspeed nicht um Gefälligkeit schert und lieber auf Dynamik, Entdeckung, Abenteuer und Grenzauslotung setzt. Ein Hörbeispiel:

Da hagelt es trommelstock-gepeitschtes Glockengeklingel in einem durchgängig mit Highspeed vorpreschendem Spiel, während das Piano in aller Ruhe über den Ostinato hetzenden Moog-Bass soliert. Der Titel des Stücks? Escape Velocity. Das ist spielerisch wie humoristisch auf den Punkt, zumal das Piano – natürlich – verzögert einsetzt.

Das Gleichgewicht zu diesem Sturm hält anschließend Growing Sense, eine sehr ruhige, ausgewogene Nummer, die weniger durch Frechheit, als durch sehr sensible Ausgewogenheit brilliert und durch fein verwobenes Zusammenspiel besticht. Natürlich knackt es auch hier, so ab Minute 5:57, wenn sich nach und nach die mögliche Dynamik zu entfalten beginnt und ab 6:32 Marius Nesets Saxophon und Anton Egers Schlagwerk beherzt einstimmen und das Trio komplettiert loslegt.

Und Airglow? In der Tat eine Stimmungs-Schwankung, von akustisch zu elektronisch, von greifbar zu sphärisch, von Down-to-earth zu Up-in-the-sky. Das alles auf ein Album zu laden und mit weiteren 9 Stücken zu ergänzen braucht Mut wie Überblick, denn bei aller Verschiedenheit wirkt Godspeed trotz alledem als Einheit.

Denn in jedem Stück finden sich Brüche seines Charakters: herausgehobene Anblasgeräusche des Saxophons im vielfältigen Airglow. Ein altmodischer Synthieklang im Fusion-Stück Ceasefire. Ein grooviger Rock-Rhythmus des Schlagzeugs als Basis des phasenweise heftig überlagernd solierenden Drill. Das alles erinnert in seiner musikalischen Spielweise von Ferne an Bands wie Weather Report oder Passport und macht auf jeden Fall viel Spaß.

Dabei hilft auch die recht ausgewogene Aufnahme des Dänen, die zum einen bei den akustisch geprägten Stücken und Passagen gute Ortbarkeit ermöglicht, aber auch je nach Charakter des Stücks einen variablen Raum bereit stellt. Bei den eher elektronisch geprägten Passagen liefert sie dagegen Atmosphäre, was auch nicht zu verachten ist.

Das Fazit? Godspeed ist auf jeden Fall ein Test-Ohr wert.


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Album-Daten

Titel: Godspeed
Interpret: Morten Schantz
Genre: Jazz
Label: Edition Records
Jahr: 2017 (Veröffentlichung am 27. Januar 2017)
Spielzeit: 58:57 min
Format: WAV 88,2/24
Preis: ab 8,20 £/GBP
Zu finden bei BandCamp





Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7



Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Edition Records

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