Guter Klang: Erst wenn sonst nichts mehr hilft die Geräte wechseln

Wer es richtig anfängt kann in vier Schritten zum guten Klang kommen

Wer es richtig anfängt kann in vier Schritten zum guten Klang kommen



hrm_logo_15x50Nach dem Test von Power Cable Stromkabel und Power-Conditioner von Audio Exklusiv führte ich ein längeres Gespräch mit Andreas Schönberg zum Thema Strom und Kabel im allgemeinen und Klang im besonderen. Mit interessanten Ergebnissen, denn der Weg zum Guten Klang führt seiner Meinung nach nicht über den verzweifelten Wechsel von Geräten zu teureren Geräten, sondern kümmert sich vor allem erst einmal um das Umfeld, in dem die Technik ihre Wonnen entfalten soll.

Hier das Interview:



HighResMac: Als ich Ihr Strom-Kabel und den Netz-Conditioner testete, konnte ich Klangveränderungen wahrnehmen. Was ist die Ursache für solche Klangverschiebungen im Hörraum?

Schönberg: Um den Effekt zu verstehen, muss eines vorab geklärt sein: Ein gutes Netzkabel macht den Klang sauberer, schafft weniger Verzerrungen, eine bessere Ortbarkeit und bessere, quasi echtere Räumlichkeit. Sobald sich der Klang frequenzseitig, also tonal deutlich ändert, stimmt etwas nicht. Dass bei Ihnen die Bässe in die zweite Reihe traten, lag an einer deutlichen Netzverschmutzung beziehungsweise daran, dass die 50 Hz Komponente deutlich durchgeschlagen ist.



HighResMac: Die 50 Hz Komponente ist wer genau?

Schönberg: Die Netzfrequenz.



HighResMac: Dann liegt die Klangverschiebung also an den Komponenten der Kette und ihrem internen Zusammenspiel sowie dem mit den Gegebenheiten des Hörraums?

Schönberg: Sie haben Ihre Kette unter den bisherigen Gegebenheiten abgestimmt – deswegen erschien Ihnen der Klangeindruck nach dem Einfügen des Conditioners und der Kabel teilweise nicht richtig. Zwei Schwachstellen beseitigt – und schon treten andere deutlicher hervor.



HighResMac: Andere Kabel und Netzfilter haben allerdings auch Klangeffekte…

Schönberg: Stimmt, es gibt sowohl Filter als auch Kabel, die einen Mordseffekt haben…..aber leider sind das dann nur (gewollte) Fehler, was sich auch physikalisch beweisen lässt. Gleiches gilt auch für den Netzfilter. Jede große tonale Veränderung bedeutet: Fehler.
Es gibt keinen universellen Netzfilter – für eine korrekte Wirkungsweise müsste er auf ein bestimmtes Gerät exakt ausgelegt sein – den Aufwand betreibt niemand. Und Netzkabel können klanglich von warm, weich und ruhig bis hin zu dünn, spitz und nervös variieren.



HighResMac: Die Quintessenz dessen hieße dann ja „Hab erst mal deinen Strom im Griff, bevor du am Klang rumdokterst“!?

Schönberg: Leider ist es nach meinen Erfahrungen nicht so einfach. Warum? Nun, der Klang setzt sich aus vier elementaren Dingen zusammen:

  1. mit 35 Prozent aus der Mechanik
  2. mit 25 Prozent aus Elektrosmog
  3. mit 25 Prozent aus Netz und Netzteil
  4. mit 15 Prozent aus der Schaltung an sich und Bauteilen.



HighResMac: Mechanik meint die Entkopplung?

Schönberg: Genau. Schon allein mit der Mechanik kann ich Ihnen jeden Verstärker zum Beispiel von der warmen weichen Schmuseröhre bis hin zum harten und drahtigen Typen verändern – beim gleichen Verstärker wohlgemerkt. Das ist mit Abstand der größte Faktor.



HighResMac: Also erst einmal alle Komponenten mechanisch entkoppeln, sagen Sie.

Schönberg: Ich empfehle allen meinen Kunden zuerst ein vernünftiges Rack, das klanglich keine all zu großen negativen Auswirkungen hat. Dann die Bestückung des Racks mit unseren entkoppelnden Basen und / oder Füßen. In der Regel sind die Kunden dann schon geschockt, wie sich ihre Anlage um Klassen verbessert hat und auf wie viel sie bisher verzichtet haben. Wenn die Reifen eines Fahrzeugs nicht passen, können Sie auch das Fahrwerk nicht beurteilen.



HighResMac: Das klingt vielversprechend und einfach. Schritt zwei wäre dann Elektrosmog? Oder Strom? Beides haben sie mit 25 Prozent angegeben.

Schönberg: Dann kommt das Netz und das Netzteil. Leider kann man als Konsument nicht das Netzteil verändern, das lässt sich nur sinnvoll bei Neuentwicklungen machen. Also bleiben nur Kabel und Netzreinigungsprodukte wie unser Conditioner, den Sie übrigens nicht mit einem Netzfilter verwechseln dürfen. Vernünftige Netzkabel ohne Effekte und ein paar Conditioner oder die sehr kostspielige Netzneuaufbereitung über Netzsynthesizer – dann kann man das Thema Strom getrost abhaken und hat sich auch von dieser Seite eine vernünftige Basis geschaffen.



HighResMac: Kommt der Elektrosmog. Das ist ja so ein Voodoo-Thema, das für viele kleine Aufkleber und jede Menge großer Aufreger sorgt. Sie haben es trotzdem mit 25 Prozent und als zweiten Punkt genannt – spricht für die Aufkleber.

Schönberg: Mittlerweile haben wir mit Anti-Elektrosmog Bauteilen so vielfältige Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit den Produkten von Creaktiv, dass wir jedem Kunden nahelegen, lieber in so etwas zu investieren als in neue Komponenten. Klangliche Probleme, wie sie durch Störquellen im Raum, der Wohnung, dem Haus entstehen, werden oftmals mit Kabel kompensiert – das ist für mich das Schlimmste bei einem Anlagenkonzept, Fehler durch ein scheinbares Korrektiv zu mildern statt sie konsequent abzustellen. Und selbst Resonanzen können so reduziert werden. Wir verwendeten früher in unserem Hörraum diverse Bassfallen und Absorber – nach dem Einsatz der Twister Stops von Creaktiv konnten sie alle entfernt werden.



HighResMac: Aber wenn es danach besser klingt…?

Schönberg: Wenn Sie ein Steak kaufen und es schmeckt nicht gut, dann macht es doch keinen Sinn, eine halbe Flasche Ketchup darüber zu kippen. Sie kaschieren dabei doch bloß einen Mangel mit einem anderen Mangel. Sinnvoll wäre beim Steak ein bisschen schwarzen groben Pfeffer und etwas Fleur de sel zu nehmen – und Sie erwartet ein wahrer Genuss. Bei High-End bedeutet das entsprechend, die elektromagnetischen Einflüsse gezielt zu mindern. Wenn ich nicht sämtliche WLAN-Router, dLan-Plugs, Bluetooth- und Dect-Geräte oder auch nur die digitalen Netzteile ausschalten kann, muss ich ihre Effekte eben anders kompensieren. Aber ich muss sie kompensieren bzw. eliminieren und nicht bloß kaschieren, wenn ich echten Genuss möchte.



HighResMac: Bleiben der Verstärker und seine Gespielinnen.

Schönberg: Die Schaltung an sich ist eher Nebensache, wenn man bei der Entwicklung keine groben Fehler gemacht hat. Das hört sich nun ziemlich provokant an – ich kann aber jederzeit den Beweis antreten.



HighResMac: Dann heißt das für alle Leid geplagten Enthusiasten, statt dem Händler des Vertrauens seine Regale mit Amps, Boxen und Kabeln leer zu kaufen, lieber erst einmal die mechanischen Einflüsse durch Vibrationen, den Elektrosmog und den Strom in den Griff zu bekommen.

Schönberg: Genau. Nicht einfach nur planlos neue Komponenten kaufen, die dann nur geringfügig ihr Potenzial ausspielen können, weil einfach die Umgebung immer noch nicht passt.
Erst wenn es dann immer noch nicht so klingt wie gewünscht, kann man über neue Geräte nachdenken. Die Basis ist nun bereitet.



HighResMac: In ihrer Aufzählung fehlt allerdings noch etwas: Der Hörraum. Was machen wir mit dem? Basstraps? Absorber? Oder lieber Gardinen und dicker Teppich? Oder geht es auch ohne?

Schönberg: Ein ganz schwieriges Thema. Natürlich kann man mittels Computerprogrammen und Firmen versuchen, seine Nachhallzeiten im „idealen“ Bereich anzusiedeln. Erstaunlicherweise klingen solche Räume aber fast immer leblos und langweilig.
Der Raum ist ein Thema, das andere Thema ist, inwieweit sich die raumspezifischen klanglichen Eigenheiten auf die Geräte einwirken können.
Hier gibt es deutliche Wechselwirkungen wie Tritt- und Luftschall und akustische Rückkopplungen, die sich zum Teil stark aufschaukeln können.
Unserer Erfahrung nach ist eine leichte Dämpfung mittels Teppich, Möbeln und evtl. Gardinen hilfreich. Bücher- oder Platten/CD-Regale arbeiten wunderbar als Diffussoren, nehmen aber keine Energie weg.
Entkoppelungen der Geräte, z.B. mit unseren Basen/Füßen bringen gerade in solchen Umgebungen viel – und ja, auch durch den Einsatz der Anti-Smogelemente verändern sich die Raumeigenschaften. Entstörung der Glasflächen, der Raumecken, das bringt einen deutlichen Schritt nach vorn. Erst wenn man alle herkömmlichen Maßnahmen ausgereizt hat, und es gibt immer noch hörbare Probleme, dann kann man vorsichtig und einfühlig mit Absorbern wie Basstrapps arbeiten. Ich empfehle aber eher schmalbandig wirkende zu nehmen – sonst fehlt es komplett an Energie.



HighResMac: Vielen Dank für das Gespräch.





andreas schönberg, inhaber audio exklusiv

Andreas Schönberg hat 2009 die deutsche High-End Edelschmniede Audio Exklusiv von der Familie des Gründers Gerd Pütz übernommen. Schönberg ist ein Brancheninsider und war vor seinem Sprung zum High-End Hersteller rund 20 Jahre bei Denon und JVC tätig, wo er Bereiche wie Vertrieb, Produktmanagement, PR und Marketing leitete.





Abbildungen: Ocal/Clker.com; Audio Exklusiv



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