Ein bisschen Crossover zu ganz viel bluesiger Ruhe

Cassandra Wilson hat mit Coming Forth By Day ihre Hommage an Billie Holiday veröffentlicht

Cassandra Wilson hat mit Coming Forth By Day ihre Hommage an Billie Holiday veröffentlicht


hrm_logo_15x50Der Herr heißt Cassandra Wilson und ist bekannt für ein dunkles Timbre. So dunkel, dass es sogar Nina Simone in den Schatten stellt. Das gilt auch für Cassandra Wilsons mischfrisches Album Coming Forth By Day. Eine Hommage an Billie Holiday und dazu ein spannendes Album.

Es beginnt beinahe staubklassisch: Ruhiger Bluesiger Jazz, Piano, offene Trommeln, eine verhallte Halbakustik im Hintergrund, und im Grunde komplett berechenbar. Na gut, das Studio Master mit 24 Bit und kargen 44,1 kHz ist immerhin schön klar und transparent. Aber ein Atemräuber ist das Stück nicht. Soll es vermutlich auch nicht sein, eher ein Ohrschmeichler vor dem Crash.

Schön Stück zwei ändert den Charakter des Albums. Hat etwas Tom Waits mit gemischt? Blues, ja, aber munter fiepsiger Background und verzerrte Harmonika, schöne Größe von oder an Swordfishtrombone. Die Bar-Atmosphäre von Crazy He Calls Me nebst Besengestreich und Streichergewuschel beruhigt dann die aufgewählten Geister, bevor es in die nächste Runde geht.

You Got My Head bedient sich bei Pop-Rhythmik nebst -Akustik, bevor All Of Me mit Hall, Akkordeon und zum Teil beinahe geflüstertem Gesang die Stimmung zu einem ersten echten Highlight verdichtet. Die folgenden Titel The Way You Look Tonight und Good Morning Heartache huldigen dann wieder dem klassischen Bluesgenre in all seiner Berechenbarkeit, bevor What A Little Moonlight Can Do harmonisch und musikalisch wieder etwas Leben in die Ohren bringt.

Auch These Foolish Things erfreut mit zeitgemäßerer Akustik und Interpretation, beatmet den Hörer aber nicht halb so beeindruckend wie das folgende Strange Fruit mit beherzt-fetten Rockklängen. Den gesteigerten Herzschlag bremsen dann die beiden Schlussstücke I’ll Be Seeing You und ihr einziger eigener Song Last Song (For Lester) wieder ein, das in der finalen Minute noch einmal mit Akustikgitarre und Saxophon auflebt und einen schönen Nachhall erzeugt.

Coming Forth By Day ist ein ruhiges klassisch bluesiges Album, das geneigt ist, Blueslegenden zu huldigen. Mit mehr Puls von Strange Fruit und den akustischen Experimenten von All Of Me wäre es ein famoses Crossover-Album und würde vermutlich weit mehr Zuhörer mitreißen. So bleibt es, was es ist: ein akustisch und gesanglich schönes Album. Immerhin.



Album-Daten

Titel: Coming Forth By Day
Interpret: Cassandra Wilson
Genre: Soul
Label: Legacy
Jahr: 2015
Spielzeit: 55:22 min
Format: FLAC 44,1/24
Preis: 21,00 Euro
Zu finden bei HighResAudio



Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Audirvana Plus 2, Amarra 3.0
Betriebssystem: OS X 10.7 Lion
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m; Straightwire USB-Link
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus 2, Amarra 3.0
Betriebssystem: OS X 10.10 Yosemite
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil


Abbildungen: Legacy

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