Durchwachsen: Viktoria Tolstoy – Meet Me At The Movies

Handwerklich sehr sauber, aber nicht immer mit Musen-Kuss: Viktoria Tolstoy – Meet Me At The Movies

Handwerklich sehr sauber, aber nicht immer mit Musen-Kuss: Viktoria Tolstoy – Meet Me At The Movies



hrm_logo_15x50Filmmusik. Eher Filmschlager. Eingängige Ohrwürmer und vertraute Melodien. Das hat die schwedisch-russische Sängerin Viktoria Tolstoy auf ihrem Album Meet Me At The Movies versammelt. Hörenswert? Wie man es nimmt.

Jazzig sind die Arrangements, die von Halbakustik, Bass und Schlagzeug begleitet werden, in jedem Fall. Hat schließlich Nils Landgren produziert, der auch als Gastmusiker zur Posaune greift.

Und sonst? Gibt es Spreu und Weizen, was allerdings nicht mit der Darbietung an sich zu tun hat, sondern mit dem Umstand, dass manche Stücke zwar souverän und professionell, aber auch konventionell belanglos aus dem Lautsprecher säuseln. Da kommt Bar-Atmosphäre auf und der Wunsch nach zwei Wiskey nebst einem Gesprächspartner am Tisch.

Der Fall ist das zum Beispiel bei As Time Goes By, das Louis Armstrong mutmaßlich nicht beklatscht hätte, so sauber die Stimme, so gut auch die musikalische Flankierung sind. Technisch gesehen. Der Flair des Klassikers ist dagegen durch nichts ersetzt.

Auch Smile von Harpo büßt umfänglich ein: Dynamik, Frische, Aussagekaft – was bei dem Schweden an Optimismus und Trotzdem aus den Noten sprühte, ist hier die müde Rezitation eines Zivilisations-Mantras, mit mundgerechter Jazzgitarre garniert. Das mag mit einem anderen Text durchaus funktionieren. So ist es leider gut gewollt, aber nicht gut gemacht.

Zwischen den Stühlen sitzt Kiss From A Rose: Relativ dicht am Original von Seal, aber weder das Original noch ein gleichwertiger Ersatz. Immerhin spart die Nähe von Original und Fälsch… – besser: Interpretation – die Suche nach dem Stattdessen, dem Mehrwert im Anderssein und erlöst den Klang von der Not, sich über seine Exisenz hinaus beweisen zu müssen.

Aber es gibt auch andere Stücke. Dazu gehört Calling You, der Opener des Albums und zugleich Titelsong des Films Out Of Rosenheim mit Marianne Sägebrecht. Das Original ist ja schon klasse, aber Tolstoy legt noch eine Schippe drauf. Wobei ihr zweifelsfei auch die sehr gelungene Abmischung des Albums hilft, die die Klangkraft Ihrer Stimme und ihren wohldosierten Einsatz bis in die feinen Nuancen zu dokumentieren vermag. Das ist jetzt sehr geschwurbelt für „klingt total ergreifend!“.

Eine Überlegung wert ist auch New World. Kein Jazz, sondern Pop bildet den Untergrund, auf dem sich Tolstoy gesanglich bewegt, und das so konsequent – Gesang wie Unterbau – dass es schon wieder gut ist. Wobei die gebürtige Russin durchaus mit noch mehr Körper singen dürfte, gerade bei der massigen Präsenz der instrumentellen Begleitung.

So bleibt ein musikalisch durchwachsener Eindruck, dem seine große Klanggüte aber nicht abzusprechen ist. Und dann gibt es ja auch viele Menschen, die Barjazz und ruhigeren Klanggenuss mögen – Filmscore hin, Originalvergleich her. Und Originalität sowieso. Hauptsach‘ is, die Musi macht Spass!


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Album-Daten

Titel: Meet Me At The Movies
Interpret: Viktoria Tolstoy feat. Iiro Rantala
Genre: Jazz
Label: ACT
Jahr: 2017
Spielzeit: 48:39 min
Format: FLAC 96/24
Preis: 17,50 Euro
Zu finden bei HighResAudio





Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (4 St.)
Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7



Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 2, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil




Abbildungen: ACT


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