DAC-Tuning – eine gute Idee?

Mehr als 70 Bauteile tauscht Hoerwege im CambridgeAudio DAC-Magic Plus aus – ob sich das lohnt?
Jede Menge Bauteile tauscht Hoerwege im Cambridge Audio DAC-Magic Plus aus – ob sich das lohnt?

 

hrm_logo_15x50Wenn sich ein elementares Mitglied der Hörkette verabschiedet, quittiert man das selten mit Dank. So auch ich, als mein Cambridge Audio DacMagic Plus plötzlich zu quietschen begann. Grönemeyer lallte dazu passend „Was soll das?“ aus den Boxen und ich griff zum Telefon. Ziel des Anrufs: Stephan Horwege, der Inhaber von Hoerwege, denn er verspricht, mit einem Satz erlesener Bauteile den kleinen DAC groß zu machen. Und dann…

„Wenn es pfeift, ist die Ursache vermutlich ein Fehler in der Stromversorgung, da kann ich Ihnen nicht weiter helfen“, waren seine Worte, nebst der Empfehlung, es bei Ried in Stuttgart zu probieren, die deutschlandweit die Reparaturen für CambridgeAudio vornehmen. Und das Klang-Tuning?

„Nach der Reparatur können Sie gerne das Gerät von Ried direkt zu mir senden lassen“, war die Antwort, und damit auch der Weg beschrieben, den der DAC nehmen würde: Hameln – Stuttgart – Schwanewede – Hameln. Nur der Zeitfaktor fehlte noch (4 Wochen). Und das Ergebnis? Hat es sich gelohnt?

 

Vorab: Was passiert da?

Bevor ich mich zum Klang des frisierten DacMagic Plus äußere, sollte erst einmal erklärt werden, was da in Schwanewede eigentlich passiert. Bei Hoerwege wird zum einen das Gehäuse leicht bedämpft, zum anderen werden auf der Platine diverse Bauteile ausgetauscht, unter anderem:

  • 20 Elektrolyt-Kondensatoren
  • 8 Folien-Kondensatoren
  • 20 SMD – Widerstände
  • 6 bessere OP-AMPs „nach“ dem DAC 
  • 2 bessere OP-AMPs für den Kopfhörer-Ausgang
  • 12 Koppel-Kondensatoren werden überbrückt

In Summe macht das 68 Bauteile, an die Hoerwege Hand anlegt und die, wo getauscht, mit silberhaltigem Lötzinn neu auf der Platine fixiert wurden. Gut vier Stunden dauern die Arbeiten, dann ist die Platine fertig gepimpt.

Wer übrigens die erstaunlich große Teile-Zahl nicht glauben mag, kann die Bauteile gerne auf dem Foto oben abzählen. Es zeigt genau die Kondensatoren, Widerstände und Amps nebst kleinen Plastik-Distanzhaltern, die meiner ladenneuen Austausch-Platine entnommen und in einem Tütchen dem modifizierten DacMagic Plus beigelegt wurden. Quasi als stumme Zeugen der erfolgten Tat.

 

Erst: Auspacken

Als mein alter neuer Cambridge Audio DacMagic Plus schließlich bei mir ankam, schien alles wie gehabt: bekannte Silberkiste, bekanntes… – nö, neues Netzteil. Oh. Allerdings hat es Ried ausgetauscht, wie die beigefügten Papiere belegen. 

Das Netzteil ist bei identischen Leistungswerten etwas kleiner. Ob es allein schon den Klang verbessert, lässt sich leider nicht sagen, denn der DAC ist ja auch nicht mehr der alte.

Allerdings macht das Netzteil nicht den Eindruck, als sei es besonders hochwertig. Natürlich fehlt dem neuen Netzteil auch der biophotone-Sticker, der auf dem alten Netzteil appliziert war. Das lässt sich aber ändern (später).

 

Dann: Vorwärmen

Nun ist es an der Zeit, den Cambridge Audio DacMagic Plus anzuschließen: Cinch-Kabel zum Verstärker, USB-Kabel zum Mac, Stromkabel in die Audioplan-Dose und nun den Ein-Schalter gedrückt.

Kein Geheimnis ist, dass die ersten Höreindrücke eines quasi frisch ausgepackten Gerätes nie fair zu beurteilen sind. Daher darf sich der DAC über Nacht mit den Klängen der Isotek Full System Enhancer Files warm- und einspielen. Das hebt meiner Erfahrung nach das Niveau von Geräten in der Regel recht fix um ein gutes Stück. Zwar nicht bis Ultimo, aber klar wahrnehmbar besser.

 

Und: Hörtesten

Am Tag darauf dann der erste Lauschangriff. Ein paar ausgewählte Songs, die mir sehr vertraut sind, dürfen performen. Und das tun sie schon nach kurzer Einspielzeit erstaunlich bestrickend:

Brooke Sharkey intoniert Your Tomorrow vom Album Wandering Heart frisch und völlig unbekümmert. Die Klarheit ihres Tons ist überraschend, und noch mehr die Leichtigkeit, mit der plötzlich die vielfältigen Facetten ihrer Stimmeffekte im Raum erklingen. Dazu ist die Akustik offen und die Bühne unbekannt präzise sortiert. Gefühlt lässt sich die Position jedes Instruments mit einer Stecknadel fixieren. Das ist neu.

Eine ähnliche Stecknadel-Operation wäre bei Twenty Five Thousand Days von Ian Thomas wesentlich schwieriger. Der Song ist auf dem Album A Life In Song zu finden und mit den Prager Symphonikern eingespielt – worin auch der Grund für die Stecknadel-Problematik zu finden ist: Die Instrumentierung wechselt in dem Stück beständig. Es mäandert gleichsam durch Streicher, Harfen, Xylophone, hier von einem freundlichen Schlagzeug umsichtig flankiert, dort von Bläsern behutsam untermalt. Und genau diese Delikatess des Spiels gibt der DAC in vollem Sanftmut wieder. Wobei es keine Sekunde lang matschig ist, ganz im Gegenteil. Sicher sortiert er die Instrumente zu ihren Frequenzen und hält das Gefüge in jedem Moment durchsichtig und identifizierbar.

Auch der Klassiker Riders On The Storm der Doors profitiert spürbar von den neuen Fertigkeiten des hoerwege-DACs. Der fallende Regen ist dank neuer Schnelligkeit erstaunlich nass und platschig, die Bühne ist offener als bisher, hinter Jim Morrisions Gesang ist die geflüsterte zweite Stimme als leicht nach rechts versetzter akustischer Schatten fein zu vernehmen, die Orgel ist bestrickend brillant (und entlarvt nebenbei eine kleine Frequenzschwäche des neuen Hörraums… – dankeschön), ebenso toll ist die Dynamik im ganzen. Kleines Wow.

Und was sagt die Klassik zu den Neuerungen? Herbert von Karajan darf Mars – The Bringer of War aus der Suite The Planets von Gustav Holst in der Einspielung von 1979 bei der Deutschen Grammophon durch den Raum jagen. Die feinfingeringe Detailfülle, die sich in den ersten Takten mit gezupften Saiten nebst kleinen Dissonanzen im Bereich der Violen offenbart, ist ebenso bezaubernd, die die drangvolle Dynamik des explodierenden Orchesters in den treibenden Passagen. Und dann dieser Schluss-Tusch und noch mehr seine Transparenz. Ein weiteres Wow – schon etwas größer.

Gegentest: Kraftwerk. Roboter. Aus 3D – Der Katalog. Dass Elektronik so weich klingen kann… – das Sinuswellen-gestützte Equipment hilft zu verstehen, was unter anderem den Zugewinn durch das Hoerwege-Tuning ausmacht: Klang-Fluss. Die modifizierte Stromversorgung und die schnelleren Kondensatoren liefern das, was den Orsons mal eine Klage einbrachte: Schwung in die Kiste. Daneben auch hier: offenere Bühne, transparentere Darstellung, feinziselierte Ortung. In Summe beeindruckender Zugewinn an Klang. Herrlich.

 

Plus Hörtest 2: Kopfhörer-Ausgang

Was noch offen ist: Der Hörtest am Kopfhörer-Ausgang. Hierfür bemühe ich die beyerdynamic DT880, die mit ihrer Impedanz von 600 Ohm deutlich fixer sind als der Rest der Ohrenwärmer im Körbchen. An ihnen probiere ich den zweiten Teil der mir bestens bekannten Stücke aus – auch weil sonst das Lesen für Sie zu langweilig wird:

Den Auftakt bildet You And Your Friend, angeblich das einzige akustisch taugliche Stück vom Dire Straits Album On Every Street. Dessen Dobro scheppert zur Begrüßung liebenswert realistisch an die Ohrmuscheln, derweil das Schlagzeug die Hi-Hat präzise im Heck des Zentrums ticken lässt. Der Bass zärtelnd die Tiefen rücksichtsvoll ans Ohr, was allerdings etwas dicker ausfallen dürfte. Kopfhörer-Effekt? Hm… – … – während ich noch nachdenke, artikuliert sich Mark Knopfler in angenehm wirklichkeitsnaher Stimme und verschiebt den Fokus zurück zu Musik. So sollte das sein.
 
Stimmen sind überhaupt so ein Stolperstein. Darum als nächstes Little Swallow von Katie Melua und dem Gori Womens Choir, das wir mal kurz von ihrem Album In Winter ausborgen. Der Chor ist vielstimmig wie vielschichtig, bleibt aber immer durchhörbar. Dazu ist der Klang natürlich und auch in den sehr dynamischen Passagen klar und transparent. Die Solo-Stimme Meluas steht klar vor den Sängerinnen, die einen hörbaren Bogen um die Solistin spannen, mit einem sehr angenehmen Alt im rechten Eck, übrigens.
 
Aber die Bass-Frage ist ja noch offen. Louka schnappt sich Dominosteine von ihrem Album Lametta und widerspricht: Bass geht durchaus, aber sehr klar und definiert. Wenn also im Rock-Feld vom schön dickem Bass geschwärmt wird, sollte man genauer hinhören: Ist es vielleicht nur angenehm verwuschelter Bass? Denn auch im Übungsraum und von der Bühne kommt es selten so genau, wie es gespielt wird. Und vor allem nicht mit so viel identifizierbarem Detail. Falls im Einzelfall dieser Vorteil der Präzision dem Genuss zum Nachteil gereichen sollte, einfach ein paar wuschelige Kopfhörer anschließen. Schon ist die Welt wieder in Ordnung.
 
Jetzt wüsste ich aber gerne, wie es denn mit dem Thema Klassik und dem angeblichen Beyerpeak steht: Marianne Thorsen & TrondheimSolistene spielen hierzu Mozarts Violin Concerto in D-Major KV 218, Part I. Allegro in der MQA-Variante ihres Albums Mozart Violin Concertos, das aus dem Mischpult von 2L stammt. Somit dürfte die Quelle über jeden Zweifel erhaben sein. Und der Klang? Dito. Die Violinen sind wunderbar klar und prägnant, die Höhen herrlich hell ohne zu fiepsen oder zu nerven, das Holz plaudert immer wieder vernehmlich mit und schafft eine beglückende Authentizität. Dazu liefern die orchestralen Passagen ein Spektrum an Klangfülle und Dynamik, das ich mir öfter wünschen würde. Und jetzt wohl auch bekommen werde. Merci!
 
Geschwiegen hat bisher die Elektronik-Fraktion. Was meint sie zum Update der Kopfhörer-Seite des Cambridge Audio DacMagic Plus? Moments In Love von The Art Of Noise erobern sich schon mit dem ersten Ton eine beachtliche Klanghalle, die weit spannt, ohne die akustische Güte der Musik zu verlieren. Die Impulse der Glöckchen und Triangeln sind messerpräzise, aber nicht scharf. Die Synthesizer-Klänge emulierten die Streicher und Flöten erstaunlich sanft und fein. Und die Stimmen? Rufen authentisch aus dem Off ins Ohr. Charmant.
 
Ok, es fehlt noch Rock. Dafür teste ich etwas, das ich gar nicht gut kenne, denn es kommt erst in zwei Wochen auf den Markt und ist daher erst ein paar Tage zum Vorlauschen hier. Aber über Lautsprecher hat es schon heftig gepunktet: Who’s Laughing Now vom neuen Album Rise der Hollywood Vampires – das sind Alice Cooper, Johnny Depp und Joe Perry. Und auch hier: Offener Klang, mäßig fett, aber ausreichend rockig, mit überzeugenden Drive bei überraschendem Detail. Selbst Feinheiten wie die verhaltenen Streicher im Refrain sind gut zu hören – und zu orten obendrein. (Den Album-Review gibt es demnächst hier).
 
In Summe lässt sich sagen, dass der ge-hoerwegte Kopfhörer-Verstärker den bisher leicht kristallinen Klang des DT880 in eine warme Klang-Oase gewandelt hat, in der der Kopfhörer seine Stärken in Wohlfühl-Fülle ausspielen kann, namentlich Tempo und Auflösung.

 

Fazit

Das Hoerwege-Umrüstkit für den Cambridge Audio DacMagic Plus ist fraglos eine gute Investition. Dynamik, Klarheit und Natürlichkeit der Musik nehmen deutlich zu, die Bühne ist fast durchgängig weiter, aufgeräumter, offener, zudem gewinnt die Darbietung an Transparenz und – bisher eher zwischen den Zeilen angedeutet – an Fokus.

Das Plus an Tempo in der Signalverarbeitung tritt mit jedem Ton deutlich zu Tage . So viel Feindetail hat die Kette bisher noch nicht ausgeliefert. Und das in einem Hörraum, dem die meisten Tuning-Add-ons noch fehlten:

Sicherung, Sicherungsautomat, Fremdgeräusch-Zerstörer, Quantenstecker, Air Field Equalizer, Twister Stop Glaslinsen und Cubes für die Raumecken… – teils auf Grund einer Umstell-Aktion temporär ausgelagert, teils noch nicht vom Elektriker eingebaut. Und dennoch: Ein super Klang!

Wen die Preise interessieren: Die Bauteile mit Foto-Anleitung gibt es für 240 Euro, den Umbau durch Hoerwege gibt es laut Preisliste für 210 Euro zusätzlich. Derzeit bietet Hoerwege die Bauteile nebst Einbau allerdings zusammen für 360 Euro an, zwei Jahre Garantie inklusive.

Wer lieber den CambridgeAudio DAC-Magic Plus vollständig umgebaut als Neugerät kaufen möchte, bekommt ihn bei Hoerwege derzeit für 720 Euro statt 799 Euro. Für den Preis spielt er manch deutlich teureres Gerät mit Leichtigkeit in die Ecke.

Großes WOW!

 


Abbildungen: HighResMac



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