Besser gesteckt oder lieber geschraubt? Lautsprecher-Kabel anschließen

hrm_logo_15x50

Den besten Klang bieten Boxen, wenn die Kabel… – tja, was denn nun? Mit der blanken Litze direkt am Terminal eingeklemmt werden? Mit Bananensteckern tief in die goldigen Aufnahmen eingeführt werden? Oder mittels Kabelschuh und Kontermutter fest an den Kontakten arretiert sind? Wir wollten es genau wissen und haben es ausprobiert – jedenfalls zum Teil.

Denn dass Kupferlitzen ungecrimpt mit dem Terminal verklemmt werden, sollte sich inzwischen als No-go herumgesprochen haben. Der Grund: Die Kupferdrähte oxidieren über die Zeit, was zu Klangeinbußen führt. Und ob sich zu crimpen lohnt, ist eine zweite Frage.

Zu überlegen ist in diesem Fall, dass die Crimphülsen aus OFC-Kupfer gefertigt sein sollten, um Übergangswiderstände zu reduzieren. Und dann ist eine professionelle Crimpzange nötig. Wobei die eigentliche Frage noch gar nicht gestellt ist: Welche Kabel werden heute noch angeboten, die selbst konfektioniert werden können – abgesehen von Standardstrippen? Eben.

Banana-Schuhe

Solide Lautsprecher-Kabel, die zumindest in Richtung High-End schielen, sind praktisch immer mit Banana-Steckern oder Kabelschuhen ausgestattet. Die Bananas gibt es dann noch als solche mit Federn – was aber recht selten ist – und in der Ausführung als Röhrchen, das im Zickzack aufgeschnitten ist, damit es perfekt klemmt.

Stecken oder schrauben – das ist hier die Frage

Stecken oder schrauben – das ist hier die Frage

Die meisten Hersteller setzen zuerst auf die Hohl-Bananas. Der Grund: Sie bieten die größtmögliche Fläche, um Kontakt zu den Terminals herzustellen. Sagen sie zumindest.

Aber auch Kabelschuhe haben durchaus ein bisschen Auflagefläche zu bieten, die zudem topfeben ist, denn dass ein Banana-Stecker immer den optimalen Vollflächenkontaktschluss findet, ist so sicher wie das beschreibende Wort zu lang ist.

Testmuster

Für den Test Banane gegen Schühchen haben wir von in-akustik zwei Kabel zum Testen bekommen. Es sind je drei Meter lange Reference LS-60, das eine Paar mit 45° gewinkelten BFA-Bananas, also Hohl-Steckern, das andere Kabel mit Kabelschuhen.

Sorgfalt als Maxime: in-akustik schützt die Stecker und liefert sogar Handschuhe für die Entnahme und Montage mit

Sorgfalt als Maxime: in-akustik schützt die Stecker und liefert sogar Handschuhe für die Entnahme und Montage mit

Interessant ist, dass in-akustik die Kabelenden mit kleinen Säckchen überzieht, so dass die Bananas und Kabelschuhe nicht wild in der Gegend herum flattern können. Und für die Freunde des fettfreien Kontakt-Schlusses liegen den Kabel-Paaren zudem schwarze Baumwoll-Handschuhe bei, die sich der geneigte Klang-Freund vorab überstreifen kann, um mit besonderer Reinlichkeit seinem Tun nachzugehen.

Clevere Idee, die zudem ein Gefühl besonderer Wertigkeit der Kabel assoziiert.

Musikauswahl

Für den Test wurde eine Gruppe von Stücken aus den Bereichen Akustik, Jazz, Klassik, Rock und Electro erst in der einen Anschluss-Variante und nach Umbau mit der anderen Anschlussvariante abgespielt und der Klang verglichen.

Um Vergleichbarkeit zu erhalten, belief sich der Lautstärkepegel in der Spitze auf maximal 90 dB, das ist ein bisschen über Zimmerlautstärke, aber noch nicht Gehör gefährdend. Nachdem die Hörlautstärke gefunden war, wurde der Poti auch nach dem Wechsel der Kabel nicht mehr bewegt.

Banana-Klang – voll Banane?

Als erstes durften die Bananas ran, aus dem simplen Grund, dass die aktuell verwendeten Kabel gleichfalls Bananas tragen und somit zum Start das Schrauben entfiel. Also: Kabel auspacken (mit Handschuhen, versteht sich), Säckchen abziehen, Kabel sorgfältig verlegen und an Verstärker und Boxen anschließen. Drücken wir Play.

Alles Banane? Zuerst dürfen die Banana-Kabel zeigen, wie sie ausliefern

vAlles Banane? Zuerst dürfen die Banana-Kabel zeigen, wie sie ausliefern

Aha. Das klingt doch schon mal ordentlich. Blitzsauberer Fokus, realistische Bühne, ausgewogener Klang – per se schon mal ordentlich. Und im Detail?

Old Friend von Hollie Stephenson liefert eine gut sortierte Bühne. Der Kontrabass zupft authentisch, die trommeln sind leicht im Hintergrund eingeordnet und von der Ausdehnung und Position realistisch durchsortiert. Der Gesang ist klar und schön im Vordergrund platziert, während das Vibraphon sensibel vor sich schwingt.

Die instrumentelle wie klangliche Vielfalt, die Ian Thomas in Twenty Five Thousand Days ausbreitet, ist mit identischer Qualität dargeboten. Besonders die oft zu findenden Übergänge zwischen Instrumenten, bei denen eines die Töne des anderen fortführt, sind sehr flüssig.

Booke Sharkeys Vibrato in Your Tomorrow ist klar im Raum platziert und auch sonst lassen sich ihre oralen Kapriolen sehr gut verfolgen – und genießen.

Die Percussion Ensemble (Improvisation) vom AYA Album Authentic Audio Check schaufelt eine Extra-Grube für den Tiefbass. Die Stereo-Effekte der wandernden Instrumente bewegen schön klar über die Bühne und greifen in Breite wie Tiefe klar Raum.

Nun, gut sortierte Klang also. Und wenn jetzt Kabelschuhe die Signal-Vermittlung übernehmen?

Kabelschuhe = warme Ohren?

Kabelschuhe werden mit den Rundmuttern am Terminal verschraubt, ähnlich Kabeln, die eingeklemmt werden. Was zu dem selben Diskussions-Punkt führt: Lockern sich die Verschraubungen nicht irgendwann durch die musikalisch bedingten Vibrationen? Und ist dann nicht der Kontaktschluss unzureichend, wodurch der Klang leidet?

Mit Schub-Kraft: Im Anschluss zeigen die Kabelschuh-Kabel, was in ihnen steckt

Mit Schub-Kraft: Im Anschluss zeigen die Kabelschuh-Kabel, was in ihnen steckt

Die Fragen sind gut und werden sich im Verlauf der Tests vermutlich beantworten lassen. Vorher allerdings müssen die Kabelschuhe an die Terminals von Boxen und Verstärker, und das ist gelinde gesagt eine elende Fummelei. Nach getaner Arbeit dann der Klangversuch. Ergebnis?

Ein Bass so schwarz wie wässriger Kaffee. Hm, das ist nicht überzeugend. Aber wie war das mit der festen Verschraubung? Lieber noch mal einen Kontrollgang einlegen. Und – siehe da: An der linken Box ist der Plus-Kontakt nicht am Limit – eben Fummelei und nicht so leicht zu fixieren, selbst mit relativ kleinen Händen. Terminals sind vermutlich gar nicht für Kabelschuhe gemacht…

Auf in Runde 2.2: Da sich der Bass durch relative Abwesenheit so auffällig hervorhob nehmen wir gleich wieder die AYA-Aufnahme zur Hand. Und siehe da: Jetzt gibt’s Körper satt. Und zugleich wirkt der Bass eine Spur wärmer, wie der Gesamtklang eine Spur weicher zu sein scheint.

Ian Thomas könnte ein bisschen mehr Fokus zu haben als vorhin, ebenso Brooke Sharkey, bei der die Trommeln einen Hauch entschiedener wirken. Und der Old Friend von Hollie Stepehenson? Ist weiterhin wohlgestimmt und wohlgesonnen. Aber deutlich anders?

Fragen wir die Elektroniker. Kraftwerks Die Roboter piepsen sich annähernd analog zu den Bananas durch die Klangwelt. Auch hier also keine gesicherte Erkenntnis, wie auch sonst mit keinem Stück, auch nicht bei Klassik oder Jazz.

Fazit

Ich muss ehrlich gestehen: Zwar hatte ich den Eindruck, dass die Wiedergabe mit Kabelschuhen etwas musikalischer und die mit Bananas etwas analytischer ist, aber die Unterschiede sind so marginal, dass es auch nur Illusion sein kann.

Wirklich klare Verschiebungen, die nicht auch von der Tageszeit oder einer anderen Wohlfühl-Komponente des Innenlebens beeinflusst sein könnten, finden nicht statt. Womit die Frage, ob gesteckt oder geschraubt besser klingt, zwei Antworten zulässt:

Egal.

Oder:

Versuch’s selber.

Abbildungen: HighResMac/Tom Semmler

Das könnte dich auch interessieren …