Gesprächig: Ben Wendel – High Heart

Das neue Album High Heart von Ben Wendel ist ein vielschichtiges Klangspiel
Das neue Album High Heart von Ben Wendel ist ein vielschichtiges Klangspiel

hrm_logo_15x50Nun ist es da: Das fünfte Album des US-Saxohpnisten Ben Wendel. High Heart heißt es und es soll definieren, wo sich Wendel derzeit befindet – als Musiker und auch mit Blick auf seinen Platz in der Welt an sich. Interessant dabei ist vor allem der Anspruch, mit Jazzmusik ein Positionslicht zu platzieren, das Stellung nimmt zu einer Gesellschaft, die zunehmend komplex, diversifiziert und in sozialem Ungleichgewicht ist. Kann das wirklich gehen?

Mit Michael Mayo als Sänger steht zwar eine menschliche Stimme für die Artikulation zur Verfügung, indes: Es mangelt der Worte. Zumindest all jenen, die auf klare Ansagen setzen und ihr Statement in Majuskeln in fremde Hirne gebrannt wissen möchten. Wendels Ansatz ist filigraner.

Das Titelstück High Heart lässt aufhorchen, zuerst allerdings aus anderen Gründen: Ist das die Pat Metheny Group? Nein, ist es nicht, und nach einige Takten vaporisiert die Frage auch bei mancher Anleihe im Off der Gedanken. Denn inzwischen ist etwas passiert:

Den geneigten Zuhörer hat das Schicksal des Klanghäftlings ereilt. Von der wogenden Melodik, dem tragenden Gesang, dem geschwätzigen Solo und der im Hintergrund momenteweise brechenden Musik eingesogen wird schnell klar, worin die Klangaussage Wendels liegt: In der Emotionalität, die sich im Klang mal dezent mal robust manifestiert.

Nun kann es mit den Klängen eine ähnlich wackelige Angelegenheit wie mit den Wörtern sein: Man ahnt die Bedeutung, aber sicher sein kann man sich nie. Gelerntes, Geahntes, Gefühltes und Unbekanntes verführen zu Fehlschlüssen auf Basis einer inkonsistenten Melange des möglich Geglaubten. Da hilft es, wenn klare Worte fallen. Oder eindeutige Klänge.

Doch hat Musik einen entscheidenden Vorteil: Als Fortführung menschlichen Ausdrucks unter Zuhilfenahme künstlicher Stimmen ist ihr Kern weit universeller als jedes Wort es jemals sein kann. Und damit steigt ihre Verständlichkeit.

Dass Ehrlichkeit ein Anspruch des Albums zu sein scheint, verrät sich nicht allein an den Stücken, die jedes für sich stimmungsladen aussagefähig und -willig sind. Es sind auch Details neben dem Notenblatt, die dezent auf die Zielsetzung verweisen könnten: Joe Sanders – Upright Bass heißt es in der Linernote. Upright Bass? Das kann Standbass heißen, aber auch aufrichtiger Bass. Ein nettes Wortspiel, in der Tat.

Ebenfalls mit von der Partie ist der sehr zurückgenommene Schlagzeuger Nate Wood und das Fender Rhodes und Piano-Duo Shai Maestro und Gerald Clayton.

Wendel hat aber noch größeres im Sinn:

Technology has potentially democratized culture to the point of irrelevance. There is no longer high versus low or culture versus entertainment – it has become about relevance or irrelevance.

Der Haken an der Sache ist allerdings: Das war eigentlich schon immer so, nur war die Reichweite mangels potenter Werkzeuge oft nicht so groß wie heute. YouTube, Bandcamp, Social Media bieten reichweitenstarke Plattformen für jedermann. Und empfohlen wird weiterhin nur, was interessiert – bei der Masse selten Klasse. Doch auch die Klasse hat ihren Raum, und dort entfaltet sie, was notwendig ist: Relevanz. Aussage als Orientierung. Qualität als Maßstab. Güte als Garant. So wie immer.

Güte bietet High Heart in vielfacher Hinsicht, natürlich auch mit dem Ohr in der Tiefe der Bühne, ihrem Volumen, ihrer Trennschärfe und an der Balance der Instrumentalisten im Abbild der Stereo-Reproduktion. Da ist viel Herz drin, und auch viel Herzschlag. Was dazu führt, dass ein Stück wie Drawn Away ganz im Kontrast zum Titel direkt in seinen Bann zieht.

Ein tolles Album.

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Album-Daten

Interpret: Ben Wendel
Titel: High Heart
Genre: Jazz
Label: Edition Records
Jahr: 2020
Spielzeit: 45:03 min
Format: FLAC 96/24
Als Studio Master für 15,00 Euro bei HighResAudio

 




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Kabel Amp > Koss E90: in-akustik NF-104 Micro Air
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Albedo Air I
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Technik-Tuning:
Geräte-Tuning: je 1 Albat Manufacturer Test Chip
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Hoerwege DAC-Tuning
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
DAC-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: Audio Selection Creaktiv Sound Control Base
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Rack-Tuning: Creaktiv Erdungs-Set ci2p
Lautsprecherkabel-Tuning: inakustik Referenz Cable Base
Lautsprecherkabel-Tuning: Albat LMC Loudspeaker Cable Chips
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev
Stromleisten-Tuning: creaktiv Systems Power-Plug Optimizer Abschlußstecker
An diversen Stellen: biophotone Magic Akasha Sound Chips
Steckerleiste NAS und Router: iFi Audio AC iPurifier

Raum-Tuning:
E-Smog: Kemp Elektronik Schumann Resonanz Plug
Strom: Gigawatt Sicherungs-Automat G-C20A
Strom: Gigawatt Steckdose G-044
Strom: HiFi-Tuning Fremdgeräuschzerstörer & Quantenstecker
Raum: Creaktiv Air Field-Equalizer
Heizkörper: 4 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar
Fenster Hörraum: 2 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar
Spiegel Bad gegenüber Hörraum: 2 creaktiv Systems TwisterStop Glaslinsen 30 mm klar

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Beyerdynamic Xelento Remote
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildungen: Edition Records


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