Beatmet: Christian Grøvlen – Bach – Inside Polyphony

Haucht Johann Sebastian Bach neues Leben ein: Christian Grøvlen mit seinem Album Bach - Inside Polyphony

Haucht Johann Sebastian Bach neues Leben ein: Christian Grøvlen mit seinem Album Bach – Inside Polyphony



hrm_logo_15x50Was ich an Bach nicht mag, ist das barocke Dahingeplätscher. Was ich an Bach mag, ist Christian Grøvlen. Weil er Bach fließen lässt. Zumindest auf seinem jüngsten Album Bach – Inside Polyphony.

Es gibt eine ganze Menge Aufnahmen von Johann Sebastian Bachs Oeuvre. Und wie bei Vivaldi und anderen Vertretern des Genre Barock bringen es viel zu viele Interpreten nicht übers Herz, neben Noten auch Musik zu spielen. Dabei war das Barock beileibe kein Trauerhaus!

Ganz im Gegenteil lebte es vom Aufbegehren gegen die Vanitas, jene Vergänglichkeit des Daseins. Das führte zu opulenten Freuden jeglicher Couleur, die sich bei Bach nicht nur in seinen 14 Kindern dokumentieren, sondern auch in seiner Musik. Das ist zumindest anzunehmen, da authentische Tonaufnahmen fehlen. Doch was passiert stattdessen in der akademisch geprägten Klassik-Degustation?

Viele buchstabieren die Notenblätter mit Tastatur, Flöte und Laute statt sie beherzt und eloquent vorzutragen. Genau das aber tut Christian Grøvlen gleich zum Auftakt in der Chromatic Fantasia und Fuge in B minor BV 903 – Fantasia. Flüssig fließen die Anschläge über die Klaviatur, rauschen die Klänge in den Raum, badet der Zuhörer in Musik, Dynamik und Klang.

Dieser Zustand hält sich praktisch die gesamten 78 Minuten oder auch 30 Stücke. Ob in den 15 Sinfonias, die sich einmal durch die Dur- und Moll-Tonlagen spielen. Ob in den sechs Sätzen der French Suite No. 3 in B minor. Oder in den sieben Sätzen der Partita No. 5 in G major: Grøvlen lässt der Musik die lange Leine. Wobei – jedes Album hat auch eine B-Seite.

Mitunter nämlich ist Grøvlens Leine zu lang. Ist sein Denken während des Spiels zu weit vorne. Eilt er zu geschwind durch die Tonreihen. Und dann bleibt ein Teil der musikalischen Möglichkeiten auf der Stecke und das Spiel wirkt wie eine Pflichtübung, die schnell absolviert sein will. Das ist ironischer Weise zum Beispiel der Fall bei der Chromatic Fantasia und Fuge in B minor BV 903 – Fugue, dem zweiten Satz des Album-Openers, der damit ungewollt zum mehrdimensionalen Kontrastprogramm wird.

Auffällig ist auch der teilweise sehr harte Anschlag Grøvlens, den die FLAC 24/176,4 Aufnahme von 2L schonungslos dokumentiert, gleichfalls die Pedalarbeit. Selten habe ich beim Zuhören momenteweise so direkt in die Mechanik eines Instruments schauen dürfen.

Der Flügel selbst präsentiert sich natürlich im Klang und praktisch in Originalgröße im Hörraum. Seine Bühne ist mittelgroß und mitteltief und in einen nicht all zu weiten Raum platziert. Das bewahrt die Intimität, mit der die Aufnahme den Zuhörer gleichfalls fesseln kann.

Trotz der kleinen Unebenheiten bleibt Bach – Inside Polyphony in Summe eine hörenswerte Einspielung, die Bach mit Frische vorstellt. Und das war auch das Ziel, das Grøvlen verfolgte: Bach von innen heraus zu präsentieren. Emotional wie auch in der klanglichen Vielfalt und Polyphony jeder einzelnen Komposition. Experiment gelungen!


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Album-Daten

Titel: Bach – Inside Polyphony
Interpret: Christian Grøvlen
Genre: Klassik
Label: 2L
Jahr: 2017
Spielzeit: 1.17:00 min
Format: FLAC 176,4/24
Preis: 21 Euro
Zu finden bei HighResAudio




Audio-Setup



Rechner stationär: Mac mini
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X Yosemite 10.10.5
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > DAC: Straight Wire USB
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Boxen: Hans Deutsch HD 311 Retro
LS-Kabel: Straight Wire Melody
Kopfhörer: Koss ESP 950, Bowers & Wilkins P7

Technik-Tuning:
Mac-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL1
DAC-Tuning: Aqvox USB Detoxer Terminator QL2
DAC-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (1 St.)
Amp-Tuning: Audio Exklusiv Silentplugs RCA (3 St.)
Amp-Tuning: inakustik Referenz High Tech Gel-Absorber
Amp-Netzkabel: Aqvox Netzkabel
Lautsprecherkabel-Tuning: inakustik Referenz Cable Base
Lautsprecher-Tuning: TritonAudio NeoLev

Raum-Tuning:
E-Smog: Kemp Elektronik Schumann Resonanz Plug
Strom: Gigawatt Sicherungs-Automat G-C20A
Strom: Gigawatt Steckdose G-044

Rechner mobil: MacBook
Software: Audirvana Plus 3, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.11.6 El Capitan
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Beyerdynamic Xelento Remote
Add-on: Aqvox USB-Low-Noise-Linear-Netzteil



Abbildungen: 2L


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