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Musikgenuss ist ein weit verbreitetes Hobby – aber nicht jeder goutiert jede Darreichung (Foto: Spin von Luke Chesser auf Unsplash.com)

Musikgenuss ist ein weit verbreitetes Hobby – aber nicht jeder goutiert jede Darreichung (Foto: Spin von Luke Chesser auf Unsplash.com)



hrm_logo_15x50Kürzlich besuchte mich ein guter Freund, der gerne viel und laut Musik hört. Wir setzen uns in den Hörraum, er suchte sich das erste Album aus und drückte Start. Nach einer halben Stunde dann die Überraschung:

Lass uns mal Pause machen!

Was war passiert? Habe ich erst mich und dann ihn gefragt. Ergebnis: Zu viel Bühne, zu viel Detail, zu viel Durchhörbarkeit, in Summe zu viel Musik. Was High-Ender als ultimative Zielstellung erachten, sogte bei ihm für einen veritablen Information-Overflow.

Dabei ist seine Kette beileibe keine schlechte. Aber sein Fokus ist ein anderer: Wumms bis die Dachziegel wackeln. Wuchtig und satt darf es sein, oder wie er es nennt: rotzehrlich.

Damit könnte ich nach einer längeren Umbaupause vermutlich auch dienen. Aber will ich das? Ich mag Details, ich schätzen eine glaubhaft aufgefächerte Räumlichkeit. Ich halte viel von Transparenz und Durchhörbarkeit.

Das, was mir an Musikgenuss vorschwebt, versorgte ihn mit überbordenden Klangeindrücken. Und damit überfordernden Klangsynapsen. Das Resultat war schon nach kurzer Zeit Anstrengung statt Genuss.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Monate mit guter Akustik. Häufig hatte ich Kopfhörer auf, weil die weniger breit und tief gestaffelte Bühnen aufstellen. An die Fähigkeiten und Folgen gut ausgerichteter Boxen musste ich mich auch erst heranlernen.

Ebenso an die Wirkung diverser Tuning-Erfolge: Feinerer Musikfluss, freieres Spiel, entschlacktere Klanggebäude, präzisere Akustik, all das war eine Hör- und Lern-Aufgabe, die nicht sofort überzeugte.

Und deren Charme richtig durchdrang, als eine Schwelle überschritten war, nach der die musikalische Darbietung so fein, schnell und so sauber getimt war, dass sie den Raum durch Präzision unter Kontrolle brachte.

Heute kann ich Musik in ganz andere Weise genießen als noch vor einigen Jahren, wobei ich auch schon damals Qualität suchte. Nur eben an der falschen Stelle.

Mein Freund übrigens hat sich ein paar Spikes ausgeliehen. Der musikalische Höreindruck hat ihn zwar überrannt, aber die präzisere Basswiedergabe will er auch haben.

Das nennt der Volksmund dann wohl angefixt.





Abbildungen: “Spins” by Luke Chasser/Unsplash; bearbeitet von Tom Semmler



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