Amarra iRC(b) – Den Hörraum für Bässe einmessen


iRC(b) - ein kryptische Kürzel, das ein Plus an Klangqualität in Aussicht stellt

iRC(b) – ein kryptische Kürzel, das ein Plus an Klangqualität in Aussicht stellt


hrm_logo_15x50Vor einigen Tagen stellten wir den neuen High-Res Audioplayer Amarra 3.0 vor. Er bietet hinter dem Kürzel iRC(b) eine Extrafunktion an, mit der sich die Wiedergabe tiefer Frequenzen von etwa 24 bis 400 Hertz an die Raumakustik anpassen lässt. Leider muss iRC(b) separat lizenziert werden, und das ist mit 249 USD nicht gerade billig. Grund genug, das Add-on zu testen.

Der Raum als Akustikbremse

Die Hardware ist gut ausgewählt, DAC, Verstärker, Kabel und Boxen klingen im Grunde genommen gut. Aber ein bisschen geht immer noch, denn der Hörraum ist selten optimal und bevorzugt Frequenzen, dämpft andere und durch Reflexion kommen dritte verspätet ans Ohr. Genau dieses Phänomen adressiert Amarra-Hersteller Sonic Studio mit dem Add-on iRC(b). Das kryptische Kürzel steht für Impulse Response Correction und ist ohne das (b) vom Top-Player Amarra Symphony bekannt, wo iRC das gesamte Frequenzspektrum analysiert. Mit dem (b) hört iRC nur auf die tiefen Frequenzen zwischen 20 und 500 Hertz. Sonic Studio nimmt für sich in Anspruch, anders als die übrigen Anbieter mit iRC und iRC(b) nicht allein auf ein ausgewogenes Spektrum zu achten, sondern auch identische Impulstreue zu gewährleisten, um Klangverschiebung durch inkorrektes Timing entgegen zu wirken, wie es das Reflexionsverhalten von Wänden und Decken forciert.


iRC(b) lizenzieren…

Um die Filter von iRC(b) nutzen zu können, muss die Software separat lizenziert werden

Um die Filter von iRC(b) nutzen zu können, muss die Software separat lizenziert werden

Wer bei Amarra auf den iRC(b) Button klickt, bekommt zuerst ein leeres Fenster, in das die Lizenzdaten User und Passwort für die Lizenzierung einzutragen sind. Anschließend öffnet sich ein Auswahlfenster, das bereits erstellte Filter zur Auswahl anbietet. Wer bereits solche Filter hat, kann sie einfach nutzen. Anderenfalls müssen sie erst erstellt werden. Die hierfür nötige Einmess-Software iRC(b) ist allerdings nicht über den iRC(b)-Button von Amarra zu erreichen. Sie ist im Programmordner von Amarra abgelegt und muss hier geöffnet werden:

Die eigentliche Messsoftware iRC(b) wird im Programmordner von Amarra mitgeliefert

Die eigentliche Messsoftware iRC(b) wird im Programmordner von Amarra mitgeliefert


… und ein Messmikrofon kaufen

Um den Test starten zu können, ist ein spezielles Mikrofon nötig. Sonic Studio nennt einige Empfehlungen. Wir haben uns für den schwedischen Anbieter XTZ entschieden, der uns freundlicherweise eine Teststellung des Microphone Pro zur Verfügung stellte. Das Mikrofon kostet im XTZ-Shop 110 Euro, für einen optimalen Stand wird aber noch ein Stativ benötigt. Eine Alternative ist das Room Analyzer II Mikrofon, das mit einem Tischfuß mit integrierter USB-Soundkarte arbeitet und als Paket mit Windows-Software im XTZ-Shop für 170 Euro zu haben ist. Das von uns verwendete Mikrofon stellen wir separat vor, zusammen mit einer kurzen Erklärung, wie es für eine erfolgreiche Messung angeschlossen wird.


iRC(b) – Grundeinstellungen Sound-System

iRC(b) Setup - Schritt 1: Auswahl der Wiedergabe-Komponenten

iRC(b) Setup – Schritt 1: Auswahl der Wiedergabe-Komponenten

Die Einmesssoftware iRC(b) bedient sich praktisch selbsterklärend und liefert rechts in einer Spalte des Hauptfensters auch eine Schritt-für-Schritt Anleitung – leider nur auf Englisch. Unter dem ersten Reiter ist das Sound-System zu definieren. Als Klangquelle dient in unserem Fall ein Stereo-System, beim DAC entscheiden wir uns für den Cambridge Audio DAC Magic Plus.


iRC(b) – Grundeinstellungen Mikrofon

iRC(b) Setup - Schritt 2: Mikrofon-Auswahl

iRC(b) Setup – Schritt 2: Mikrofon-Auswahl

Schritt zwei führt zur Mikrofon-Auswahl. Sie erfolgt unter Recording Device oben links, oben rechts ergänzt Recording Channel WASGENAU. Damit iRC(b) für das XTZ-Mikrofon passend kalibriert ist, fehlt noch die Kalibrierungs-Datei für das Mic. Sie gibt es gezippt auf der Sonic Studio Website. Ist sie geladen und entzippt, kann sie nach einem Klick auf Load File in der Software ganz einfach in einem Finder-Fenster ausgewählt werden. Nun ist iRC(b) arbeitsfähig.


iRC(b) – Grundeinstellungen Audio-Pegel

iRC(b) Setup - Schritt 3: Einstellen der Audio-Pegel

iRC(b) Setup – Schritt 3: Einstellen der Audio-Pegel

Im dritten Schritt folgt die Einstellung von Mikrofonpegel und Wiedergabe-Lautstärke. Das kann durch Steuerung des DAC durch die Software wie beim Meridian Explorer oder durch den Lautstärkeregler des Verstärkers erfolgen, wenn der DAC, wie beim Cambridge Audio DAC Magic Plus, keine Regelung über die Software ermöglicht. Schritt vier ist die Messung an sich.


iRC(b) – Messung vorbereiten

iRC(b) Setup - Schritt 4: Sitzmöbel auswählen und Mikrofon zur Messung vorbereiten

iRC(b) Setup – Schritt 4: Sitzmöbel auswählen und Mikrofon zur Messung vorbereiten

Vor der eigentlichen Messung sind noch einige Parameter zu bestimmen. Dazu gehört zum einen, ob das Sitzmöbel im Hörraum ein Sofa oder ein Sessel ist. Das hat unter anderem mit der Kopfhöhe zu tun, die sich hieraus ergibt. Nett ist, dass es drei Ansichten des Sitzmöbels und später auch des Messungsverlaufs gibt: von oben, von vorn und seitlich von oben, quasi dreidimensional. Als nächstes ist das Mikrofon zu fixieren. Die Position zeigt iRC(b) direkt auf der Sitzmöbel-Grafik an. Jetzt kann die Messung beginnen.


iRC(b) – Messung ausführen

iRC(b) Setup - Schritt 5: Messung ausführen – und Mikrofon nachführe

iRC(b) Setup – Schritt 5: Messung ausführen – und Mikrofon nachführe

Die Software nimmt mindestens fünf Messungen vor, die auf verschiedene Postionen zielen (s. Bild). Hierfür spielt der Emulator eine Tonkurve von tiefstem Bass bis zu höchsten Höhen ab, die ein bisschen an Slapstick-Effekte aus Stummfilmzeiten erinnert. Insgesamt ist dieses akustische Späßchen je Messpunkt drei Mal mal zu hören und bedarf einer gewissen Grundlautstärke, so dass verständnissvolle Mitbewohner zu wünschen sind. Minimal nimmt die Software fünf, maximal neun Messungen vor, um die Rauakustik rund um den Kopf möglichst optimal erfassen zu können. Hierfür markiert sie im Hauptfenster Messpunkte, an denen das Mikrofon zu positionieren ist.


iRC(b) – Filter sichern

iRC(b) Setup - Schritt 6: Zum Schluss der Messungen errechnet iRC(b) die Filter

iRC(b) Setup – Schritt 6: Zum Schluss der Messungen errechnet iRC(b) die Filter

Nach jeder Messung verarbeitet der Mac die Ergebnisse, zum Abschluss folgt die Berechnung des eigentlichen Filtesr. iRC(b) schlägt hierfür ein schmaleres Band von etwa 28 bis 320 Herzt vor. Diesen Vorschlag kann man sichern und anschließend die Grenzen verschieben bis zu einem Maximum von etwa 24 bis 400 Herzt. So lassen sich zeitsparend mehrere Filter-Varianten aus einer Messung generieren, von denen später die beste ausgewählt werden kann. Die Filter-Dateien sichert iRC(b) in einen Unterordner Filter, der im Ordner Dokumente des lokalen Benutzers abgelegt ist.

iRC(b) Setup - Schritt 7: Nach Auswahl der Filterbreite wird dieser gesichert

iRC(b) Setup – Schritt 7: Nach Auswahl der Filterbreite wird dieser gesichert


iRC(b) – Filter testen

Ist die erste Messung genommen, muss natürlich ihr Ergebnis ans Ohr. Denn nur so klärt sich, ob der Aufwand und die Ausgaben überhaupt lohnen. Der erste Eindruck: Durchaus. Das Klangbild ist eine Spur voller und zugleich luftiger, der Bass wirkt satter und präziser, insbesondere bei sehr bassnervösen Boxen wie den Hans Deutsch, die ihrer Basslust mit mehr Präzision frönen. Durch die kanalweise ausgepegelte Klangfülle und die hierdurch gewonnene Zusatz-Balance erwies sich vor allem bei der Lokalisation von Instrumenten und Stimmen als wertvoller Zugewinn. Damit dieser möglichst groß ausfällt, ist eine genaue Positionierung des Mikrofons wesentlich.

iRC(b) Setup - Schritt 8: Jetzt kann in der Player-Software Amarra 3.0 der iRC(b)-Filter ausgewählt werden

iRC(b) Setup – Schritt 8: Jetzt kann in der Player-Software Amarra 3.0 der iRC(b)-Filter ausgewählt werden


Worst Case Test

Die Probe auf’s Exempel liefert schließlih eine ganz andere Kandidatin, die außer der Reihe für einen Vergleich herhalten musste, sozusagen als akustischer Worst-Case für Audiophile: Eine gut 15 Jahre alte Denon-Kompaktanlage mit Regalboxen, bei der Limitationen im Bass, in der Bühne und in der Ausgewogenheit gleichermaßen gegeben sind. Sie nach der Messung über Amarra mit und ohne Filter zu befeuern, brachte deutliche Unterschiede in jeder Dimension zu Tage. Der Klang war wesentlich luftiger und aufgeräumter, auf breiterer Bühne klarer lokalisiert und wirkte nicht länger ausgesprochen bemüht. Die Pegelregler für Bass und Höhen blieben wie bei allen Tests auch hier in Neutralstellung.

Für verschiedene Abspiel-Situationen können individuelle Filter hinterlegt werden - für Lautsprecher, Räume oder Endgeräte

Für verschiedene Abspiel-Situationen können individuelle Filter hinterlegt werden – für Lautsprecher, Räume oder Endgeräte


Tipps für die Messung

Damit die Messung möglichst optimal verlauft, ist ein Stativ empfehlenswert, mit dem das Mikrofon auf Kopfhöhe positioniert werden kann, optimaler Weise direkt im Sitzmöbel. Umgebungslärm ist zu vermeiden, dazu zählt Straßenlärm ebenso wie Radau von Nachbarn oder in der eigenen Wohnung. Auch Musik sollte nicht parallel abgespielt werden. Die Verarbeitung der Messungen erzeugt viel Rechenlast, so dass ältere Macs mit weniger Prozessorpower und kleinere Macs mit schlechterer Wärmeabfuhr leicht ins Lüfter-Rödeln kommen. Hier hilft nur, die Messungen mit Pausen durchzuführen, so dass der Mac nicht die hohen Frequenzen beeinträchtigt. Wer mehrere Boxenpaare sein eigen nennt, kann die Messung mit jedem der Paare und auch mit einer Kobination durchführen, so dass für jedes Setup die passenden Filter verfügbar sind.

Nebeneffekte

Als ein Nebeneffekt der Messung stellte sich heraus, dass die leichte Asymetrie des Hörraumes erheblichen Einfluss auf die Wiedergabe der Bassfrequenzen hatte. Bei jeder Messung zeigte die Kurve des rechten Kanals durchweg die selben kleinen Bäuche, auch nachdem die Lautsprecher getauscht worden waren.

Fazit mit Kritikpunkt

Wer Wert auf eine optimal auf den Raum abgestimmte Wiedergabe legt, sollte den Versuch wagen und den HighRes-Audioplayer Amarra 3.0 mit Dateien der Messsoftware Amarra iRC(b) aufwerten. Der Zugewinn an Bühne, Präzision und Klang ist hörbar, selbst bei hochwertigen Komponenten. Noch ohrenfälliger wird das Akustik-Plus allerdings bei weniger gutem Equipment. Mit mehreren Messungen lassen sich Filter für verschiedene Lautsprecher speichern, ebenso Pre-sets für verschiedene Hörräume. Einen Kritikpunkt an der Software gibt es aber doch: Sie merkt sich nicht, wo die Kalibrierungsdateien für ein Mikrofon abgelegt sind, so dass bei jedem Programmstart diese Datei neu eingelesen werden muss. Das ist unsinnig, aber nur eine Marginalie. In Summe ist iRC(b) eine gute Ergänzung zu Amarra 3.0 – wenn einem der Spaß einschließlich Mikrofon rund 400 Euro Wert ist.




Audio-Setup

Rechner: Mac Mini 1,83 GHz Intel Core 2 Duo
Software: Amarra 3.0, Amarra iRC(b)
Betriebssystem: OS X 10.6 Snow Leopard Server
DAC stationär: Cambridge Audio DacMagic Plus
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 1,7 m
Kabel Dac > Amp: Aqvox NF-Kabel OFC-Kupfer Cinch/Cinch
Verstärker: Yamaha A-S 1000
Stromkabel Verstärker: Aqvox Netzkabel
Boxen: Hans Deutsch Light Style 2
LS-Kabel: Straight Wire Melody

Rechner mobil: MacBook white
Software: Audirvana Plus, Pure Music
Betriebssystem: OS X 10.9 Mavericks
DAC mobil: Meridian Explorer
Kabel Mac > Dac: Aqvox High-End USB-Audiokabel 12 cm
Kopfhörer: Koss Porta Pro, Bowers & Wilkins P7
Add-on: Aqvox USB- Low-Noise-Linear-Netzteil


Screenshots: HighResMac



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