Abgehoben? High-Res im Flieger

Im Flugzeug kann Musikgenuss wunderbar entspannen – wenn erst die Hürden der Physik überwunden sind

Im Flugzeug kann Musikgenuss wunderbar entspannen – wenn erst die Hürden der Physik überwunden sind



hrm_logo_15x50Babyweinen, Triebwerkheulen, kollektives Gebrabbel – es gibt viele Gründe, sich im Flieger akustisch auszukoppeln. Was zu interessanten Erkenntnissen führt. Oder altes Wissen neu belebt. Die Zutaten: Ein Airbus A 321. Ein iPhone. Ein Paar Beyerdynamic Xelento Remote. Und beliebige WAV- oder ALAC-Files für ausgewählte Beschallung.

Im konkreten Fall fiel die Wahl auf War Of The Worlds Pt. 1 von Michael Romero. Es hat ausreichend Ausblend-Wumms und ist dazu noch gut gemischt, so dass neben dem gewollten Außenwelt-Verzicht auch ausreichend Qualität für Genuss und Beurteilung bleibt.

Die In-ears aus Heidelberg sind zwar keine Noise-Cancelling-Künstler, aber mit ihren Comply-Polstern riegeln sie den Gehörgang dennoch ordentlich ab. Etwas Hintergrund-Genuschel bleibt zwar, aber eher wie ferner Nachhall der Umgebung.

Dann der Druck auf Play: Musik erklingt. Klassisch zuerst, Herr Romero weiß halt, was Dramatik verspricht und er dem erwartungsfrohen Publikum schuldig ist, und dann klassisch Prog-Rock. Und: Es war innerer Frieden. Ohne auch nur eines der gelben Kästchen der Apple’schen Lautstärke-Warn-Indikation serviert zu bekommen! Himmlisch.

Doch dann ist der Bass weg! Statt In-ears jetzt Am-ears? Weit gefehlt! Es ist die böse Physik, die sich des temporären Bass-Raubs schuldig macht. Denn der Steigflug im Luftkorridor sorgt für Sinkflug im Gehörgang. Was tun?

Die Natur weiß Rat und lässt den Probanden vollautomatisch den Schnabel aufsperren. Und versetzt ihn in überraschtes Staunen, denn das Zwangs-Gähnen hat nicht nur den Bass wiedergefunden, auch die unteren Mitten befleißigen sich plötzlich wieder intensivierter Präsenz. Was so ein schwinggehemmtes Trommelfell so alles zu verschweigen vermag…

Dass ein simples Gähnen die Grund legenden Schallwellen aufweckt, ist eine erfreuliche Entwicklung wie Erkenntnis, schließlich hält der Steigflug einige Kilometer an, womit sich auch immer wieder der Luftdruck verändert. Wer des Gähnens nicht müde wird, behält somit den Bass bei sich, selbst bei etwaigen Turbulenzen.

So kommen die Kenntnisse aus Biologie und Physik Jahre nach Schulschluss zu einem erfreulichen Abschluss: Die Verbindung zwischen Rachenraum und Gehörgang braucht ab und an einen Druckausgleich, mit steigender Höhe in häufigerer Zahl. Automatisch zu Gähnen zeitigt da erfreulichen Klanggewinn. Und das Gute aus dem Wohlklang nebst der akustischen Abwesenheit der Sitznachbarn ist ein Plus an Wohlbefinden und daraus resultierendem Gleichmut, selbst in 11.000 Metern Höhe und bei -52° Celsius draußen vor der Tür. Da ist man glatt versucht, etwas anderes zu hören. Was das wäre?

Über den Wolken…


Abbildungen: HighResMac



1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (No Ratings Yet)

icon artikel mailen

You may also like...